Streik in Großbritannien Staatsangestellte protestieren gegen Rentenreform

"Kürzungen sind kriminell": Trotz eines Streikverbots haben in Großbritannien am Donnerstag Hunderttausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus Protest gegen Stellenstreichungen die Arbeit niedergelegt. Der Widerstand gegen die Rentenreform der Regierung von Premier Cameron wächst.

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London - Sie haben den Sparkurs der Regierung satt: Im Kampf um Stellenkürzungen und umstrittene Rentenreformen zogen in London und an mehreren anderen Orten Protestmärsche durch die Straßen. Unter den Demonstranten waren auch mehr als 20.000 Polizisten, wie die Polizei mitteilte. Sie warnten davor, dass durch geplante Kürzungen der Regierung die öffentliche Sicherheit gefährdet werden könnte. Einige trugen Kappen oder Schilder mit dem Motto der Demo: "Kürzungen sind kriminell".

"Wenn Ihr unsere Stellen kürzt, dann kürzt ihr die Leistungen, die wir erbringen können, und riskiert damit die öffentliche Sicherheit", sagte Paul McKeever vom Polizeibund Police Federation in Richtung der Regierung. Der Marsch der Polizisten in London sollte der größte seit 2008 sein. Auch Personal in Gefängnissen protestierte. Da sowohl Polizisten als auch Beamte in Gefängnissen nicht streiken dürfen, nannten sie ihre Aktionen bewusst Protest.

Der erste Streik der britischen Polizei seit knapp 100 Jahren

An den auf 24 Stunden angesetzten Streiks nahmen neben Beamten auch Mitarbeiter der Gesundheitsdienste, der Grenzkontrollen sowie von Museen und Kultureinrichtungen teil. Genaue Zahlen gab es zunächst nicht. Während die Gewerkschaften mit 400.000 Teilnehmern rechneten, sprach die Regierung von etwa der Hälfte und bezeichnete die Aktionen als sinnlos.

Der britischen Zeitung "The Guardian" zufolge gingen am Donnerstag gar mehr als 30.000 Polizisten auf die Straße. Es sei der erste Streik der Beamten seit dem Jahr 1919: Im Anschluss an den Protest vor einem knappen Jahrhundert verbot die Regierung der Polizei, zu streiken.

Nach den Plänen der Regierung sollen Beamte länger arbeiten und mehr in die Pensionskasse einzahlen. Die Altersbezüge sollen nicht mehr nach dem letzten Gehalt, sondern nach einem Durchschnittswert berechnet werden. Die Regierung des konservativen Premierministers David Cameron argumentiert, das derzeitige System sei unfair und wegen der höheren Lebenserwartungen nicht mehr finanzierbar.

bos/dpa/dapd



insgesamt 3 Beiträge
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Marshmallowmann 10.05.2012
1. optional
Die Rente ist kriminell hoch, genau wie in Deutschland, beschwerden sind völlig unangebracht.
prontissimo 11.05.2012
2. Streikverbot ?
Zitat von sysopAFP"Kürzungen sind kriminell": Trotz eines Streikverbots haben in Großbritannien am Donnerstag Hunderttausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus Protest gegen Stellenstreichungen die Arbeit niedergelegt. Der Widerstand gegen die Rentenreform der Regierung von Premier Cameron wächst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832548,00.html
Das Establishment formiert sich zum count down von Bürgerrechten. Bei wiederholtem Ignorieren tritt der Vertrag von Lissabon in Kraft. Werdet schon sehen was ihr davon habt.
wibo2 11.05.2012
3. Das derzeitige System sei nicht mehr finanzierbar!
Zitat von sysopAFP"Kürzungen sind kriminell": Trotz eines Streikverbots haben in Großbritannien am Donnerstag Hunderttausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus Protest gegen Stellenstreichungen die Arbeit niedergelegt. Der Widerstand gegen die Rentenreform der Regierung von Premier Cameron wächst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832548,00.html
Beamte in England sollen länger arbeiten und mehr in die Pensionskasse einbezahlen. Die Altersbezüge sollen nicht mehr nach dem letzten Gehalt, sondern nach einem Durchschnittswert berechnet werden. Fair enough! Der Ehrenwerte Cameron weiß, was zu tun ist. Die Einführung einer Pensionskasse wäre in Deutschland erst noch systemrelevant und alternativlos notwendig! Fazit: Es gibt immer etwas zu tun, aber Merkel tut lieber nichts.
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