Bruttoinlandsprodukt Deutsche Wirtschaft wächst langsamer

Die deutsche Wirtschaft erholt sich kräftig - allerdings nicht im gleichen Tempo wie bisher. Im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum vorherigen um 0,7 Prozent. Ursache: der anziehende Konsum.

Maschinenbau in Deutschland: Deutschlands Wirtschaft holt weiter auf
dpa

Maschinenbau in Deutschland: Deutschlands Wirtschaft holt weiter auf


Wiesbaden - Es geht weiter aufwärts: Im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem zweiten Vierteljahr 2010 um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Es ist das sechste Quartalswachstum in Folge. Der Boom hat demnach mehrere Ursachen: Er wird sowohl traditionell von den Exporten befeuert, aber auch vom privaten Konsum der Deutschen, der über Jahre schwach war. Zuvor hatten Investitionen und Außenhandel den größten Anteil am Aufschwung.

Im Vorjahresvergleich legte das BIP im dritten Vierteljahr preisbereinigt um 3,9 Prozent zu, nach 4,1 Prozent zwischen April und Ende Juni.

Die Statistiker korrigierten gleichzeitig die Ergebnisse der Vormonate noch einmal nach oben. Demnach legte das BIP im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 Prozent zu und nicht um 0,5 Prozent, für das zweite Quartal korrigierten die Statistiker das Wachstum von 2,2 Prozent auf 2,3 Prozent nach oben. Auf Jahressicht legte die Wirtschaftsleistung damit preisbereinigt um 3,9 Prozent zu.

Gleichzeitig erholte sich die französische Wirtschaft etwas langsamer als erwartet: Das BIP sei auf Quartalssicht um 0,4 Prozent gewachsen, teilte die französische Statistikbehörde Insee in Paris mit. Experten hatten im Schnitt mit einer Rate von 0,5 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum zweiten Quartal hat die französische Wirtschaft damit etwas an Fahrt verloren. Im zweiten Vierteljahr hatte das Wachstum noch bei 0,7 Prozent gelegen.

Für die deutsche Wirtschaft steigen mit der anhaltenden Erholung die Chancen, im Laufe des kommenden Jahres wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen. Experten rechnen für dieses Jahr mit einem Wachstum von rund 3,5 Prozent. Die fünf Wirtschaftsweisen hatten am Mittwoch ihr Herbstgutachten vorgelegt und für dieses Jahr einen Anstieg von 3,7 Prozent prognostiziert. Im kommenden Jahr werde sich die Konjunktur aber wieder etwas abkühlen und das Bruttoinlandsprodukt dann nur noch um 2,2 Prozent zulegen.

Noch im vergangenen Jahr war Deutschland in der Folge der Finanzkrise in eine schwere Rezession gerutscht. Die Wirtschaft war um 4,7 Prozent geschrumpft - so stark wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die beispiellosen Schwankungen in der jüngsten Krise führen dazu, dass die Wachstumswerte ungewöhnlich stark korrigiert werden müssen.

ore/dpa/dapd/AFP/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
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Zyklotron, 12.11.2010
1. Auf und ab
Jede Woche eine neue Meldung zum Wachstum, mal schnell, dann wieder langsam, und wieder schnell. Unglaubwürdig. Über solch kurze Zeiträume kann man doch nicht ernsthaft einen Trend erkennen wollen? Steckt eher ein temporäres politisches Kalkül dahinter? Die Wirtschaftslage der Woche für die bürgerfeindliche Entscheidung der Woche?
Klaus.G 12.11.2010
2. Völlig unglaubwürdig..........
es ist schon interessant wie die Bürger an der Nase herumgeführt werden. Vor ein p a a r Tagen war noch die Rede vom XXL Aufschwung und jetzt rudert man wieder zurück. Was soll das? Volksverdummung in reinster Form....
JoschSche 12.11.2010
3. ...
Nun - die Zahlen der Vorabmeldung des BIP ergeben mit den Korrekturen ein ordentliches Bild. Die Wirtschaftsleistung strebt - wie zu erwarten - weiter dem Vorkrisen-Niveau zu. Das ist zu begrüßen - hatte und hat allerdings nicht das Geringste mit Boom zu tun. Dies ist dann letztlich auch die eigentliche Botschaft der Zahlen für das 3. Quartal 2010. Im EU-Vergleich fallen die Werte hier prozentual lediglich etwas höher aus, weil es hier zuvor auch einen stärkeren Einbruch als in anderen wichtigen Ländern gab. Sorgen müssen die Entwicklung in Irland und GB bereiten - die bereits jetzt das EU-Wachstum schwer belasten. Interessant für die Diskussion werden noch Detaildaten des 3.Quartals, die ab 23.11. von destatis publiziert werden. Brüderle's XXL-Boom jedenfalls schrumpfte heute schon mal... auf M oder so...
Hrothgaar 12.11.2010
4. ...
Sagt mal, irgendwas stimmt nicht! Haben die letzten Meldungen der letzten Tage nicht was anderes behauptet? Aufschwung hier Aufschwung da, keine Arbeitslosen mehr etc. War Angie nicht beim G20 treffen und hat gesagt das alles super läuft? Irgendwie komme ich mir verarscht vor. Bescheuerte Vodooökonomen.
Realo, 12.11.2010
5. Kurzfristig....
...wie bei den DAX Unternehmen die Quartalszahlen. Halte ich für völlig bescheuert, sorry. Berichtszeiträume sollten wieder auf 12 Monate heraufgesetzt werden, diese Quartalsschielerei ist doch nur der "schnellen Kohle" geschuldet. Es ist doch wohl logisch dass es z.B. der Bauindustrie im Frühjahr, Sommer und Herbst besser geht als im Winter ?! Telekommunikationsfirmen, Stromerzeuger/Verteiler investieren und verbuddeln ihre Kabel/stellen Masten auf im Frühling/Sommer/Winter. Da wird im Winter kassiert, also anders als bei den Baufirmen. Im Winter werden auch weniger Fahrzeuge verkauft, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. Im Laufe eines Jahres relativiert/nivelliert sich dann alles.
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