Plus 0,4 Prozent im ersten Quartal Deutsche Wirtschaft wächst wieder

Nach einer Schwächephase treiben die Konsumlust der Verbraucher und der Boom auf dem Bau die deutsche Wirtschaft nun wieder an. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal um 0,4 Prozent zu.

Baustelle in Berlin
Jan Woitas / DPA

Baustelle in Berlin


Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn wieder leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Januar und März gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte.

Nach Angaben der Statistiker haben im ersten Quartal vor allem die Kauflust der Verbraucher und der Bauboom die deutsche Wirtschaft angetrieben.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach angesichts der Daten von einem "ersten Lichtblick". "Gleichwohl ist es kein Grund zur Entwarnung", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. So seien die internationalen Handelskonflikte ungelöst. "Wir müssen weiter alles daran setzen, dass wir schnell tragbare Lösungen finden, die freien Handel ermöglichen", sagte Altmaier. "Davon profitieren alle."

Auch Volkswirte warnen angesichts der Schwäche der Industriekonjunktur und der Risiken durch den Handelsstreit vor Euphorie. "Dennoch macht der Start Hoffnung, dass es für 2019 so schlimm nicht kommen wird, wie die jüngsten Prognosen der Institute und internationalen Organisationen zunächst befürchten ließen", sagte Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, verwies auf die hohe Binnennachfrage. "Die jüngsten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt zeigen, dass die deutsche Konjunktur deutlich robuster ist, als von vielen zuletzt befürchtet. Die Rezessionsgefahren für Deutschland sind zuletzt deutlich zurückgegangen und liegen nun unter 30 Prozent, wie der IMK-Konjunkturindikator zeigt", sagte Dullien.

Deutschland schrammte 2018 an Rezession vorbei

Wirtschaftsforschungsinstitute, internationale Organisationen und die Bundesregierung hatten zuletzt ihre Wachstumsprognosen für 2019 gesenkt. Als Gründe wurden vor allem die Abkühlung der Weltwirtschaft, der Handelskrieg zwischen den USA und China sowie die Unwägbarkeiten des Brexits genannt.

Die meisten Ökonomen rechnen für dieses Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum in Deutschland von unter einem Prozent, nach 1,4 Prozent 2018. Die Bundesregierung prognostiziert sogar nur noch ein BIP-Plus von 0,5 Prozent.

Im vergangenen Jahr ist Deutschland knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im vierten Quartal 2018. Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent geschrumpft - es war das erste Mal seit Anfang 2015. Von einer Rezession wird bei zwei Minus-Quartalen in Folge gesprochen. Diese gab es zuletzt zum Jahreswechsel 2012/13.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

"Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert."

mmq/dpa/Reuters

insgesamt 23 Beiträge
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Korken 15.05.2019
1. Halt, Stop
So geht das nicht, nein, es ging doch gerade überall durch die Medien, dass die Wirtschaft abflaue. Sowas aber auch, nach so vielen Auf und Ab nun driekt wieder ein Auf, es kommt sicher kurz danach wieder ein Ab, und dann wieder ein Auf... Wollen nicht irgendwelche Wirtschaftsexperten wieder ihren Senf dazu abgeben?
sven2016 15.05.2019
2. Gestern in SPON:
Alles bricht zusammen. Heute: Produktion wächst. Tut mir leid. Das ist zuviel Clickbaiting.
mantrid 15.05.2019
3. Knapp vorbei ist auch daneben
Wenn man auf zwei aufeinander folgenden Quartalen jeweils 0,01% Rückgang hat, ist das eine Rezession, gibt es in einem Quartal -20% und dann +0,01% ist das keine Rezession. Teilweise hängt es davon ab, ob es Minus oder Plus ist, wie Feiertage fallen, es einen 29. Februar gib oder ob auf dem Bau wegen Frost nicht gearbeitet werden kann. Ist ja auch egal, Hauptsache man hat eine Zahl und kann Weltuntergangsmeldungen verkünden.
mirage122 15.05.2019
4. Gigantisches Wachtum!
Also, das sind ja tolle Meldungen: ganze 0,4 ! Gibt es wirklich nichts anderes zu berichten? Wir haben doch Wahlen und Handelskrieg zwischen China und USA, und Erdogan und Putin! Da kann man doch keineswegs von einem vorgezogenem Sommerloch sprechen! Und im vergangenen Jahr sind wir gerade an einer Rezession vorbeigeschrammt. In Hamburg jedenfalls wurden im vergangenen Jahr 4.700 Wohnungen gebaut staat 3.000 wie eigentlich angepeilt. Fragt sich nur, in welcher Preis-Klasse: wahrscheinlich Hafen-City!
pd1954 15.05.2019
5. Bitte die wesentliche
Information geben - das Wachstum ggü. Vorjahresquartal statt Vorquartal ! das Wachstum zum Vorquartal ist wenig aussagekräftig, da durch die Saisonalität der Quartale geprägt, der Vergleich mit dem Vorjahresquartal eliminiert diesen Faktor weitgehend ( fehlt aber in dem Artikel)
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