Mini-Wachstum Deutsche Wirtschaft verliert an Schwung

Das Wachstum in Deutschland verlangsamt sich. Im dritten Quartal hat die Wirtschaft um 0,3 Prozent zugelegt. Robust entwickelt sich nur noch die Binnennachfrage - ausgerechnet der von vielen als zu stark kritisierte Export schwächelt.
Einkaufszentrum in Dresden (Archivbild): Höhere Konsumausgaben

Einkaufszentrum in Dresden (Archivbild): Höhere Konsumausgaben

Foto: Robert Schlesinger/ dpa

Berlin - Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,3 Prozent im Vergleich zum Frühjahr, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Im zweiten Quartal gab es noch ein Plus von 0,7 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte Europas größte Volkswirtschaft stagniert.

Für das Wachstum in den Sommermonaten sorgte die robuste Binnennachfrage. "Die Konsumausgaben von privaten Haushalten und Staat waren etwas höher als im Vorquartal", schreiben die Statistiker. Außerdem wurde sowohl in Ausrüstungen wie Maschinen als auch in Bauten mehr investiert. Dagegen bremste der Außenhandel die Konjunktur: Während die Importe weiter zulegten, zeigten die Exporte "wenig Dynamik".

Dies ist durchaus bemerkenswert. Schließlich steht Deutschland international in der Kritik wegen seiner bislang starken Exporte.

Tatsächlich verzeichnet Deutschland weiterhin Rekordüberschüsse. Diese machen mittlerweile mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Damit verstößt Deutschland gegen die verschärften Vorgaben des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts. Die EU-Kommission kündigte am Mittwoch an, die Außenhandelsüberschüsse zu überprüfen. Kritiker werfen Deutschland vor, mit seiner Exportstärke die Krisenländer Europas zu schwächen.

Frankreichs Wirtschaft schrumpft

"Die anderthalbjährige Phase rückläufiger Investitionen scheint nun überwunden", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Obwohl sich in den Koalitionsverhandlungen abzeichne, dass Union und SPD Agenda-Reformen zurücknehmen könnten, dürfte das die Konjunktur vorerst nicht belasten. "Zum einen hat es auch Jahre gedauert, bis sich die Agenda 2010 positiv auf das Wachstum niedergeschlagen hat", sagte Krämer. "Zum anderen sind die EZB-Zinsen für Deutschland viel zu niedrig und fachen Ausgaben wie die Investitionen immer mehr an." Deutschland werde daher im kommenden Jahr stärker wachsen als die Euro-Zone.

Für das laufende vierte Quartal rechnet das Bundeswirtschaftsministerium wieder mit einem höheren Tempo. "Wir erwarten ein Wachstum von knapp einem halben Prozent", sagte Staatssekretär Bernhard Heitzer zu Reuters. Trotzdem wird es den Wirtschaftsweisen zufolge im Gesamtjahr nur zu einem Plus von 0,4 Prozent reichen. 2014 sollen es dann 1,6 Prozent sein.

Im Vergleich zu Frankreich steht Deutschland mit seinem Mini-Wachstum noch gut da: Das Bruttoinlandsprodukt des wichtigsten Handelspartners schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Im zweiten Quartal war die französische Wirtschaft noch um 0,5 Prozent gewachsen.

cte/Reuters/dpa
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