Asphalt statt Schienen Bund baut deutlich mehr Autobahnen als Bahnstrecken

Der Ausbau des Bahnverkehrs soll im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung eine zentrale Rolle spielen. Doch zum Ärger der Grünen wächst das Autobahnnetz schneller.
ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke neben der A3 in Rheinland-Pfalz: 2019 immerhin keine Schienenwege oder Gleisanschlüsse stillgelegt

ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke neben der A3 in Rheinland-Pfalz: 2019 immerhin keine Schienenwege oder Gleisanschlüsse stillgelegt

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Bernd von Jutrczenka/ dpa

Deutschland hat 2019 deutlich mehr neue Autobahnen oder Bundesstraßen gebaut oder erweitert als Bahnstrecken. So wurden 61 Kilometer Autobahnen neu gebaut und 38 Kilometer ausgebaut. Bei Bundesstraßen waren es beim Neubau 122 Kilometer, bei Erweiterungen zwölf Kilometer. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

Bei der Bahn kamen im Zuge von Ausbauten gerade einmal sechs Kilometer dazu. Dabei handelt es sich um jeweils ein zweites Gleis im Abschnitt zwischen Babelsberg und Potsdam in Brandenburg sowie zwischen Niesky und Horka in Sachsen. Dazu kam die Verlegung von S-Bahn-Gleisen in Frankfurt. Nicht enthalten sind allerdings Maßnahmen, um Verkehrsknoten zu entlasten sowie Ausbaumaßnahmen, die nicht den Bau eines zusätzlichen Gleises beinhalteten. In der Antwort der Regierung heißt es außerdem, 2019 seien keine Schienenwege oder Gleisanschlüsse der Eisenbahnen des Bundes stillgelegt worden.

Grünen-Politiker: "Erreichung der Klimaziele rückt in weite Ferne"

Der Grünen-Politiker Matthias Gastel sagte der Nachrichtenagentur dpa, das Missverhältnis von Ankündigungen und Taten in der Verkehrspolitik werde immer größer. "Während das Bundesstraßennetz um mehrere hundert Kilometer im Jahr wächst, muss man sich beim Schienennetz für jeden Meter, um das es zulegt, freuen", sagte der Verkehrsexperte. "Dabei ist Deutschland längst ausreichend mit Straßen erschlossen und der Handlungsbedarf liegt eindeutig beim lückenhaften Schienennetz."

Die Deutsche Bahn spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Für den Erhalt des zum Teil maroden Schienennetzes hatte die Koalition für die kommenden Jahre zusätzliche Milliarden beschlossen. Wegen hoher Kosten und niedriger Fahrgastzahlen in der Coronakrise braucht die Bahn aktuell aber erneut Milliardenhilfen vom Staat, um ein drohendes Finanzloch zu stopfen.

Gastel kritisierte angesichts dessen Verkehrsminister Andreas Scheuer. "In diesen Wochen erleben wir, wie die Bundesregierung zu Recht das System Bahn und seine Beschäftigten für die hohe Systemrelevanz in der Coronakrise lobt." Doch die Leistungsbilanz des CSU-Politikers für den Ausbau der Schiene sei mager, von Scheuer sei keine Verkehrswende mehr zu erwarten. "Darunter leiden die Mobilitätsalternativen für die Bevölkerung und die Erreichung der Klimaziele rückt in weite Ferne."

apr/dpa
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