Technischer Wandel Umweltverband befürchtet Verlust von 360.000 Jobs in der Autoindustrie

Der technische Wandel in der Autoindustrie könnte deutlich mehr Arbeitsplätze kosten als bislang angenommen. Laut einer Modellrechnung des Naturschutzverbands BUND sind in Deutschland Hunderttausende Jobs bedroht.
VW-Werk in Wolfsburg: Eine Mitarbeiterin schraubt am neuen Golf 8

VW-Werk in Wolfsburg: Eine Mitarbeiterin schraubt am neuen Golf 8

Foto: Julian Stratenschulte/ DPA

Der Umbruch in der Autobranche wird Arbeitsplätze kosten, darin sind sich Manager, Politiker und Wissenschaftler weitgehend einig. Allerdings gehen die Prognosen, wie hoch die Verluste tatsächlich ausfallen, weit auseinander. Laut einer neuen Modellrechnung des Pforzheimer Wirtschaftsprofessors Rudi Kurz im Auftrag des Naturschutzverbands BUND drohen in den nächsten zehn Jahren 360.000 Jobs in der deutschen Vorzeigeindustrie verlorenzugehen.

Das Szenario ist nach SPIEGEL-Informationen erheblich pessimistischer als etwa die Prognose des Fraunhofer-Instituts IAO, die von einer Schrumpfung um maximal 125.000 Arbeitsplätze bis 2030 ausgeht. Zwischen 2020 und 2030, so kalkuliert Kurz, würden 150.000 der derzeit insgesamt ungefähr 800.000 Jobs allein durch Fortschritte bei der Produktivität verschwinden. (Eine ausführliche Analyse zum Zustand der deutschen Autoindustrie lesen Sie hier in der SPIEGEL-Titelstory aus der vergangenen Woche .)

Weitere 160.000 Stellen würden hinfällig, weil Elektroautos aus weniger Teilen bestünden als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor - und damit auch weniger Beschäftigte nötig, die diese zusammenzubauen. 50.000 Stellen dürften der Modellrechnung zufolge außerdem durch öffentliche Verkehrsmittel und neue Mobilitätsdienste wegfallen. Von der Politik fordert Kurz deshalb, sie müsse "Voraussetzungen schaffen, damit auf lange Sicht neue Jobs jenseits des Mobilitätssektors entstehen".

Der Wirtschaftsprofessor plädiert nicht dafür, den technischen Wandel aufzuhalten. Er fordert, dass Wissenschaft und Politik sich besser darauf einstellen. Zunächst müsse man gezielt ermitteln, in welchen Zukunftsbereichen neue Stellen entwickelt werden könnten.

Die Autoindustrie will der Wirtschaftsprofessor aber noch nicht abschreiben. Was neue Arbeitsplätze angeht, sieht er durchaus Potenziale im Mobilitätssektor und auch bei den etablierten Automobilunternehmen - "soweit sie sich erfolgreich zu Mobilitätsdienstleistern wandeln."

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