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04. September 2012, 07:23 Uhr

Streit um höhere Honorare

Ärztepräsident droht mit "Folterinstrumenten"

Die Bundesärztekammer setzt im Streit um höhere Honorare für Mediziner auf eine Eskalationsstrategie. Man werde den Druck Schritt für Schritt erhöhen, sagte Ärztepräsident Montgomery. Patienten müssen sich in den kommenden Wochen auf geschlossene Praxen und lange Wartezeiten einstellen.

Berlin - Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, droht im Honorarstreit mit den Krankenkassen mit Streiks. "Wenn die Kassen nicht einlenken, werden sie einen heißen Herbst erleben", sagte Montgomery den "Ruhr Nachrichten". "Wir benötigen einen neuen Anlauf für Verhandlungen", forderte Montgomery. "Die Krankenkassen werden drauflegen müssen."

Die Mediziner wollen bundesweit per Urabstimmung über Warnstreiks und Praxisschließungen entscheiden. Die Verhandlungen mit den Krankenkassen hatten Spitzenvertreter der Ärzte am Montag vorerst scheitern lassen. "Das Platzen der Verhandlungen war absolut folgerichtig", sagte Montgomery. "Es war nicht zu erwarten, dass der Gegner schon beim ersten Zeigen der Folterinstrumente einknickt."

Diese "Folterinstrumente" treffen nicht nur die Krankenkassen, sondern in erster Linie die Patienten. Sie müssen sich darauf einstellen, lange auf Arzttermine zu warten und für ambulante Behandlungen an Kliniken verwiesen zu werden. Erste Praxen könnten noch im September vorrübergehend schließen.

Ärztefunktionär Montgomery kündigte an, dass "die Kolleginnen und Kollegen bei ihren Aktionen auf eine Eskalationsstrategie setzen und den Druck Schritt für Schritt erhöhen werden". Die Gesellschaft müsse entscheiden, was für eine medizinische Versorgung sie sich leisten wolle.

Bei den Verhandlungen geht es um die Honorarerhöhungen für 150.000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Nach einem monatelangen Streit zwischen Ärztevertretern und Krankenkassen hatte Ende vergangener Woche ein Schlichter entschieden, dass die Mediziner kommendes Jahr 0,9 Prozent oder 270 Millionen Euro mehr bekommen sollen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat inzwischen Klage dagegen eingelegt.

Auch Montgomery hält die geplanten Erhöhungen für unzureichend. Sie seien "nur ein Tropfen auf den heißen Stein". Die Ärzte fordern dagegen elf Prozent höhere Honorare. "Damit wird lediglich die Kostensteigerung bei den Praxisausgaben für Miete und Gehälter abgefangen", sagte Montgomery, "mehr nicht."

stk/dpa-AFX/dapd

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