Streit um höhere Honorare Ärztepräsident droht mit "Folterinstrumenten"

Die Bundesärztekammer setzt im Streit um höhere Honorare für Mediziner auf eine Eskalationsstrategie. Man werde den Druck Schritt für Schritt erhöhen, sagte Ärztepräsident Montgomery. Patienten müssen sich in den kommenden Wochen auf geschlossene Praxen und lange Wartezeiten einstellen.

Ärztevertreter Frank Ulrich Montgomery: Heißer Herbst für die Krankenkassen
dapd

Ärztevertreter Frank Ulrich Montgomery: Heißer Herbst für die Krankenkassen


Berlin - Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, droht im Honorarstreit mit den Krankenkassen mit Streiks. "Wenn die Kassen nicht einlenken, werden sie einen heißen Herbst erleben", sagte Montgomery den "Ruhr Nachrichten". "Wir benötigen einen neuen Anlauf für Verhandlungen", forderte Montgomery. "Die Krankenkassen werden drauflegen müssen."

Die Mediziner wollen bundesweit per Urabstimmung über Warnstreiks und Praxisschließungen entscheiden. Die Verhandlungen mit den Krankenkassen hatten Spitzenvertreter der Ärzte am Montag vorerst scheitern lassen. "Das Platzen der Verhandlungen war absolut folgerichtig", sagte Montgomery. "Es war nicht zu erwarten, dass der Gegner schon beim ersten Zeigen der Folterinstrumente einknickt."

Diese "Folterinstrumente" treffen nicht nur die Krankenkassen, sondern in erster Linie die Patienten. Sie müssen sich darauf einstellen, lange auf Arzttermine zu warten und für ambulante Behandlungen an Kliniken verwiesen zu werden. Erste Praxen könnten noch im September vorrübergehend schließen.

Ärztefunktionär Montgomery kündigte an, dass "die Kolleginnen und Kollegen bei ihren Aktionen auf eine Eskalationsstrategie setzen und den Druck Schritt für Schritt erhöhen werden". Die Gesellschaft müsse entscheiden, was für eine medizinische Versorgung sie sich leisten wolle.

Bei den Verhandlungen geht es um die Honorarerhöhungen für 150.000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Nach einem monatelangen Streit zwischen Ärztevertretern und Krankenkassen hatte Ende vergangener Woche ein Schlichter entschieden, dass die Mediziner kommendes Jahr 0,9 Prozent oder 270 Millionen Euro mehr bekommen sollen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat inzwischen Klage dagegen eingelegt.

Auch Montgomery hält die geplanten Erhöhungen für unzureichend. Sie seien "nur ein Tropfen auf den heißen Stein". Die Ärzte fordern dagegen elf Prozent höhere Honorare. "Damit wird lediglich die Kostensteigerung bei den Praxisausgaben für Miete und Gehälter abgefangen", sagte Montgomery, "mehr nicht."

stk/dpa-AFX/dapd

insgesamt 251 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Spiegelleserin57 04.09.2012
1. Kein Problem!
Zitat von sysopdapdDie Bundesärztekammer setzt im Streit um höhere Honorare für Mediziner auf eine Eskalationsstrategie. Man werde den Druck Schritt für Schritt erhöhen, sagte Ärztepräsident Montgomery. Patienten müssen sich in den kommenden Wochen auf geschlossene Praxen und lange Wartezeiten einstellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853719,00.html
In Ballungsräumen dürfte das kein Problem sein: 1. gibt es Notaufnahmen 2. geht man zu dem Arzt der an solchen Aktionen teilnimmt nicht mehr hin, es gibt genügend andere. 3. kann man seinen Arztbesuch auch planen. 4. als Notfall geht man sowieso in eine Klinik. Fazit: was solls... Es gibt immer eine Lösung! Eine Petition einreichen dass die Krankschreibungen abgeschafft werden und schon hat der Doktor einige Scheine weniger. Auch der Patient kann reagieren, erpressen lassen wir uns nun auch nicht!
brako 04.09.2012
2. Hypokrates
würde sich im Grab umdrehen, wenn er diese Äußerungen hören würde. Der "Marathonmann" lässt grüßen oder wie? Das die Ärzte überhaupt ein Plus bekommen, ist schon zu viel. Die Kassen sollten mit "Aussperrung" drohen. Mal sehen, wie viele Ärzte allein mit "Privatpatienten" über die Runden kommen.
Schleswig 04.09.2012
3. xxx
Zitat von sysopdapdDie Bundesärztekammer setzt im Streit um höhere Honorare für Mediziner auf eine Eskalationsstrategie. Man werde den Druck Schritt für Schritt erhöhen, sagte Ärztepräsident Montgomery. Patienten müssen sich in den kommenden Wochen auf geschlossene Praxen und lange Wartezeiten einstellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853719,00.html
Wie viel Geld spart der Streik den Krankenkassen ein? Es wird weniger behandelt, was auch manchmal gut, folglicherweise brauchen sie auch weniger zu zahlen. Da bin ich aber richtig gespannt über die Abrechnungen. Ansonsten rate ich den Kassen andere Modelle zu entwickeln. Weg von den KV und Berufsverbänden die meinen einen Automatismus des Wohlstand für sei geerbt zu haben.
roana 04.09.2012
4. Was für eine medizinische Versorgung
Es geht nicht um das was sondern um das wie teuer. Hippokrates dreht sich im Grab wie ein Propeller
santaponsa 04.09.2012
5. Die Demokratie ist nach Winston Churchill ...
... noch die beste von allen möglichen (schlechten) Regierungsformen. Wenn man die gierigen Interessenvertreter (der Ärzte) so hört, werden die Grenzen des irgendwie Machbaren brutalst getestet. Wer dabei auf der Strecke bleibt, hier die Patienten, ist den "armen" Doktors ......egal. Die Grenzen der Demokratie werden in den letzten Jahren stark überdehnt: Weder Politiker, Banker und Lobbyisten=Ständevertreter werden für ihr zum Teil "asoziales" Tun überhaupt nicht mehr zur Rechenschaft gezogen. Wenn das Demokratie sein soll, dann gute Nacht!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.