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01. April 2016, 09:18 Uhr

Führung

Bundesagentur findet offenbar keinen weiblichen Vorstand

Seit Januar gilt in Deutschland eine gesetzliche Frauenquote. Nun tut sich ausgerechnet eine Bundesbehörde bei der Suche nach einer Top-Managerin schwer - und stellt einen männlichen Generalbevollmächtigten ein.

Der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach Angaben der "Nürnberger Nachrichten" offenbar die Suche nach einem weiblichen Vorstandsmitglied abgebrochen. Es sei nicht gelungen, eine geeignete Bewerberin zu finden, berichtet die Zeitung.

Die Bundesbehörde sucht seit vergangenem Jahr nach einem vierten Vorstandmitglied, das sich vor allem um die Weiterentwicklung der digitalen Bundesagentur mit ihrem verzweigten Datensystem und Online-Angeboten kümmern soll. Bislang hat sie den Posten nicht besetzt.

Stattdessen wird in der Behörde nun die Stelle eines Generalbevollmächtigten neu geschaffen - ebenfalls mit Schwerpunkt Digitales. Vorgesehen für diesen Posten sei ein Mann, heißt es in dem Bericht. Den Job bekomme Markus Schmitz, der Chef der BA-Regionaldirektion Bayern.

Die Bundesagentur teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, man äußere sich grundsätzlich nicht zu laufenden Verfahren.

Seit Januar gilt in Deutschland eine gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte. Dass sich nun ausgerechnet eine Bundesbehörde bei der Suche nach einer weiblichen Managerin so schwertut, wird von der Opposition scharf kritisiert.

"Die Besetzung des vierten Vorstandspostens ist zur unwürdigen Posse geraten", sagt Arbeitsmarkt-Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Brigitte Pothmer. "Weil man sich wieder auf einen Mann verständigt hat, soll der Neue nun Generalbevollmächtigter statt Vorstand heißen." Diese "Umetikettierung" ändere aber nichts am Problem, dass der Vorstand eine "frauenfreie Zone" bleibe.

ssu/dpa-AFX

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