Vorstand der Bundesagentur Arbeitsvermittlung? Reine Männersache

Die Bundesagentur für Arbeit bekommt ein neues Vorstandsmitglied. Auf einen Mann folgt ein Mann - als wäre Arbeit eine reine Männerangelegenheit. War bei der Bundesregierung nicht mal was mit der Frauenquote?

Bisheriger Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Becker, Weise, Alt: Überall Männer
Bundesagentur für Arbeit

Bisheriger Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Becker, Weise, Alt: Überall Männer

Ein Kommentar von


Jochen Homann, Andreas Mundt, Gerhard Schindler.

Fällt Ihnen etwas auf?

Kay Scheller, Dieter Romann, Jörg Mendel.

Immer noch nicht?

Norbert Drude, Christoph Verenkotte, Frank Plate.

Ob bei der Netzagentur, beim Kartellamt oder beim Rechnungshof - Deutschlands Bundesbehörden sind Männerdomänen. Ihre Präsidenten sind fast immer männlich, der Leitungsstab insgesamt meistens auch. Wo man auch hinschaut: überall Männer.

An diesem Freitag wird die Männerriege in den Schaltzentralen der Republik weiter gefestigt. Denn die Bundesagentur für Arbeit bekommt ein neues Vorstandsmitglied. Hamburgs Arbeitssenator Detlef Scheele löst Heinrich Alt ab, der in die Rente gegangen ist.

Auf einen Mann folgt also ein Mann - als wäre Arbeit eine reine Männerangelegenheit. War bei der Bundesregierung nicht mal was mit der Frauenquote?

Kurzer Rückblick: Im März verabschiedete der Bundestag ein Gesetz für eine verbindliche Frauenquote für Aufsichtsräte ab dem kommenden Jahr. Es gilt für größere Unternehmen, enthält aber auch Regeln für den Öffentlichen Dienst. Die Regierung sprach damals von einem Meilenstein für die Gleichberechtigung, Frauenministerin Manuela Schwesig von einem historischen Schritt. Schulterklopfen inklusive.

Und jetzt das. Frau Schwesig könnte nun zu ihrer Entschuldigung sagen, dass die Quote erst ab 2016 gilt. Oder dass sie ja in erster Linie die Aufsichtsräte betrifft.

Aber ist das glaubwürdig? Keinesfalls. Erst recht nicht mehr dann, wenn man sieht, wer an der Auswahl von Scheele beteiligt war: neben dem Finanzministerium auch das Frauenministerium und das Arbeitsministerium. Gerade die beiden Super-Kämpferinnen für die Frauenquote, Manuela Schwesig und Andrea Nahles, hätten sich im Verwaltungsrat für eine Frau stark machen können, nein, müssen.

Dass Arbeitsministerin Nahles Gerüchten zufolge keine passende Kandidatin gefunden hat, klingt wie ein Witz. Galt das etwa auch, als kürzlich ein neuer Vorsitzender für die Mindestlohnkommission gesucht wurde und die Wahl ebenfalls auf einen Mann fiel?

Mit dem neuen Drei-Männer-Vorstand der Bundesagentur für Arbeit ist jedenfalls eine echte Chance vertan worden, den gesellschaftlichen Einfluss von Frauen für Frauen zu stärken. Nun werden in den nächsten Jahren wieder nur Männer die deutsche Arbeitsvermittlung gestalten. Und nur Männer bestimmen über die Versicherung der mehr als 30 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten - wovon rund die Hälfte Frauen sind.

Mit Detlef Scheele wird auch wieder ein Mann den Hartz-IV-Bereich verantworten, und damit etwa ebenso für die Belange der vielen alleinerziehenden Mütter verantwortlich sein, die in dem System feststecken. Das mag so okay sein. Nur Fortschritt ist das nicht.

Zur Autorin
Jeannette Corbeau
Yasmin El-Sharif ist Ressortleiterin im Wirtschaftsressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Yasmin_El-Sharif@spiegel.de

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insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
Harald Schmitt 03.07.2015
1. Was soll das mit der Frauenquote
als ob das die lösung aller probleme wäre. Fönuschi reisst ein Ministerium nach dem anderen in den Ruin, die nahles beschäftigt sich mit einem Paternosterführerschein, als on es nichts wichtigeres gäbe und die Merkel macht gar nichts! Es sollte nach Qualifizierung gehen und nicht um eine Quote damit auch mal Frauen etwas in den Sand setzen dürfen.
FocusTurnier 03.07.2015
2. Was die Autorin für fortschrittlich hält....
.....ist eine undemokratische und diskriminierende Maßnahme - die Frauenquote. Zumindest ist sie ehrlich und bezeichnet Frau Schwesig und ihr Ministerium als daß, was sie wirklich sind: Frauenministerin und -ministerium, da kann man sich das geheuchelte "aber damit sind doch auch Männer gemeint...." wenigstens sparen. Zudem hätte sich die Autorin ja mal die Arbeit machen können und den Gründen für die Besetzung mit einem Mann statt einer Frau hinterherrecherchieren können - das könnte man dann auch noch als "Journalismus" verkaufen. Aber so ist es einfach nur billiger Populismus, der Männern eine tiefe Frauenfeindlichkeit unterstellt. Zumal ja selbst der SPIEGEL eine interessante Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt aufgezeigt hat: "DER SPIEGEL: Männer neues Prekariat auf dem Arbeitsmarkt" http://genderama.blogspot.de/2014/10/der-spiegel-manner-neues-prekariat-auf.html Sowas ist ärmlichster Kampagnenjournalismus. Aber aus der proQuote-Wirtschaftsredaktion ist wohl nichts höherwertiges zu erwarten.
wwwind 03.07.2015
3. Eignung
Vielleicht gibt es trotz Quote keine geeignete Frau? Oder ist das mit Quotenintelligenz undenkbar? Wir sollten endlich wieder zur Auswahl nach Qualifikation zurückkehren, und nicht ständig den irrelevanten Faktor Geschlecht bemühen. Sonst kommen demnächst weitere Kriterien wie Religion, familiäre Herkunft, etc. als Auswahlkriterien hinzu. So etwas zeichnet den Faschismus aus, werte Autorin.
illogical 03.07.2015
4. Ach Gottchen ...
Jetzt bloß nicht sentimental werden und aus allem so ne Genderkiste machen. Das treibt meinen Blutdruck echt in die Höhe. Völlig Hose ob da Frauen oder Männer sitzen; man sollte sich ausschließlich fragen, ob die Person qualifiziert genug sind und das Amt verdient haben, nicht ob sie ein männliches primäres Geschlechtsorgan haben oder nicht. Frauenquoten bedeuten eine neue Unverhältnismäßigkeit; das kann keine Gleichbehandlung im Sinne des GGs sein.
ti_andreas 03.07.2015
5. Ach je
Konstruieren wir da wieder mal Probleme, die keine sind? Schön überall Frau in Führungspositionen, das ist ganz wichtig. Dass in Deutschland aufgrund des Karrierewahns aber keine Kinder mehr geboren werden, das ist ja nicht so schlimm. Da können wir uns ja Kinder aus der dritten Welt importieren.
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