Bundesbank Deutschland hat durch Niedrigzinsen 240 Milliarden Euro gespart

Sparer ärgern sich über die anhaltend niedrigen Zinsen, doch stark verschuldete Staaten schlagen daraus Profit: Nach Berechnungen der Bundesbank wurden die Euroländer seit 2008 so um fast eine Billion Euro entlastet.

EZB-Chef Mario Draghi
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EZB-Chef Mario Draghi


Die anhaltend niedrigen Zinsen haben den Mitgliedstaaten der Euro-Währungsunion seit dem Jahr 2008 fast eine Billion Euro gespart. Das geht aus entsprechenden Berechnungen der Deutschen Bundesbank hervor. Für Deutschland bezifferte die Notenbank die Entlastung auf zusammengerechnet 240 Milliarden Euro. Dafür verglich die Bundesbank den durchschnittlichen Zins, der vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt üblich war, mit den Niedrigzinsen der EZB seither.

Die Bundesbank mahnt die Euroländer zugleich, sich nicht auf anhaltend günstige Zinsen zu verlassen. Zwar dürften die aktuell sehr günstigen Konditionen die Staatsfinanzen zunächst auch noch weiter entlasten. "Ungeachtet dessen ist der Finanzpolitik anzuraten, Vorsorge für wieder steigende Zinsen zu treffen", schreiben die Experten. Die Bemühungen der Euroländer, ihre Haushalte zu konsolidieren, seien zuletzt weitgehend zum Erliegen gekommen. "Mit hohen Schuldenquoten bleiben die öffentlichen Finanzen aber anfällig", warnte die Notenbank.

Hohe Schuldenquoten wiesen den Angaben zufolge zuletzt unter anderem Italien mit 133 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, Portugal (130 Prozent) und Belgien (106 Prozent) auf. Spanien und Frankreich lagen knapp unter 100 Prozent. Deutschland überschritt mit gut 68 Prozent ebenfalls die im Maastrichter Vertrag festgelegte Marke von 60 Prozent.

Besonders kräftig von den Niedrigzinsen profitierte auch Italien - die Bundesbank bezifferte die Ersparnis von 2008 bis 2016 auf zusammengerechnet etwa 10,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Ähnlich hoch seien die Entlastungen für die Niederlande, Österreich, Frankreich und Belgien. Deutschland verbucht mit etwa 7,5 Prozent des BIP etwas geringere Einsparungen.



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