Länger arbeiten Bundesbank fordert Rente mit 69

Die Bundesbank schaltet sich in die Rentendebatte ein: Um das Niveau der Alterssicherung zu halten, müssten die Menschen länger arbeiten. Höhere Beiträge gibt es sowieso.
Menschen in verschiedenen Lebensphasen

Menschen in verschiedenen Lebensphasen

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Die Bundesbank meldet sich in der Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Rente zu Wort. Sie tut es nüchtern im Ton, aber klar in der Sache. Angesichts der aktuell guten Finanzlage dürften die grundlegenden Probleme der Rentenversicherung nicht in den Hintergrund treten, mahnen die Bundesbanker in ihrem Monatsbericht für August.

Der gesetzlichen Rentenversicherung drohen langfristig Turbulenzen, sollte sich die Bundesregierung nicht zu einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters durchringen. "Längere Lebensarbeitszeit sollte nicht tabuisiert werden", heißt es in dem Bundesbankbericht.

Aus den Berechnungen der Bundesbank geht hervor, dass die Politik zwei Schlüsselziele der Rentenpolitik zu verpassen droht: Bis 2030 soll das Rentenniveau nicht unter 43 Prozent fallen, die Rentenbeiträge gleichzeitig aber auch nicht über 22 Prozent steigen.

Laut Berechnungen der Bundesbank könnte das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rente aber bis 2060 auf 40,5 Prozent sinken. Derzeit liegt es bei 47,5 Prozent. Um den Rückgang des Rentenniveaus zu bremsen, plädiert die Bundesbank dafür, bis zum Jahr 2060 das Renteneintrittsalter Schritt für Schritt auf 69 Jahre zu erhöhen.

So soll auch der zu erwartende Anstieg der Rentenbeiträge begrenzt werden. Im Falle einer Anhebung des Rentenalters auf 69 geht die Bundesbank von einer Stabilisierung der Beiträge zur Rentenversicherung bei 24 Prozent aus. Derzeit liegt er bei 18,7 Prozent. Er wird jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen.

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Hohe Beiträge für die Rentenversicherung erhöhen die Lohnnebenkosten und können sich negativ auf die Beschäftigung auswirken. Derzeit herrscht in der Großen Koalition Streit über das Thema. Horst Seehofer (CSU) will die rot-grüne Rentenreform von 2001 zurückdrehen.

Seit damals gilt, dass eine Durchschnittsrente bis 2030 nur auf wenigstens 43 Prozent eines Durchschnittseinkommens absinken darf. Zwar steigen die Renten kontinuierlich - zuletzt sogar um fünf Prozent - sie halten aber in den meisten Jahren nicht mit den Löhnen Schritt, das Rentenniveau sinkt. Vorgesehen ist deshalb, dass heutige Beitragszahler zusätzlich privat vorsorgen.

Seehofers Pläne würden jüngere Generationen nach Berechnungen des Prognos-Instituts mit bis zu 600 Milliarden Euro zusätzlich belasten. Die Beitragssätze drohen auf mehr als 26 Prozent zu steigen. Seehofer gibt an, damit die Altersarmut bekämpfen zu wollen.

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Die Bundesbank hält die Armutsbekämpfung allerdings nicht für die Aufgabe der Rentenversicherung. Sie plädiert stattdessen dafür, besonders armen Rentnerhaushalten zielgerichtet zu helfen und diese Unterstützung aus Steuergeldern zu finanzieren, nicht aus Rentenbeiträgen.

Die Bundesbank hält die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre für maßvoll. 1960 betrug die Lebenserwartung bei Renteneintritt mit 65 noch 13,5 Jahre, 2011 lag sie bereits bei 19 Jahren. Die Erhöhung des Rentenalters soll gleitend vollzogen werden. Es könnte beispielsweise von 2030 bis 2060 um durchschnittlich einen dreiviertel Monat pro Jahr erhöht werden. "Tatsächlich würden so erstmals im Jahr 2064 Personen im Alter von 69 Jahren (Geburtsjahrgang 1995) in Rente gehen", heißt es in dem Bericht.

Die Bundesbank fordert zudem "offizielle Vorausberechnungen über das Jahr 2030 hinaus". Bislang enden die Rentenberechnungen der Regierung im Jahr 2030. Bis 2040 wird die Zahl der Rentner aber stark ansteigen.

Die Regierung wies den Vorschlag der Bundesbank zurück. "Die Bundesregierung steht zur Rente mit 67", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Diese sei vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sinnvoll. "Diskussionen gibt es immer, und manchmal nimmt auch die Bundesbank an solchen Diskussionen teil." Aber die Politik dieser Bundesregierung sei, die Rente mit 67 umzusetzen.

beb/dpa