Bis 2070 Bundesbank fordert Rente mit 69

Die Lebenserwartung steigt, deshalb will die Bundesbank, dass Arbeitnehmer entsprechend später in Rente gehen. Nur so könne das Absinken des Rentenniveaus gebremst werden.

Geht es nach der Bundesbank, würden Versicherte künftig länger arbeiten - aber auch länger Rente beziehen
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Geht es nach der Bundesbank, würden Versicherte künftig länger arbeiten - aber auch länger Rente beziehen


Die Bundesbank schlägt langfristig eine Anhebung des Rentenalters auf fast 70 Jahre vor. Konkret empfiehlt sie in ihrem aktuellen Monatsbericht, bis 2070 das Renteneintrittsalter mit der steigenden Lebenserwartung schrittweise zu erhöhen. Nach dem Bundesbank-Vorschlag würden im Jahre 2001 Geborene dann 2070 erst mit 69 Jahren und vier Monaten in Rente gehen.

Derzeit ist geplant, dass sich das gesetzliche Rentenalter bis 2031 auf 67 Jahre erhöht. Die offiziellen Vorausberechnungen für die Rente enden im Jahre 2032. Doch die Lebenserwartung ist zuletzt immer weiter gestiegen und wird Schätzungen zufolge auch künftig weiter zunehmen. Eine Expertenkommission der Bundesregierung soll bis März 2020 Empfehlungen zur Zukunft der Rente vorlegen.

Renteneinstiegsalter soll einen Dreiviertelmonat pro Jahr steigen

Die steigende Lebenserwartung setzt nach Berechnungen der Bundesbank die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) unter Druck. Die Währungshüter sehen deshalb Reformbedarf: "Andernfalls steigen die Ausgaben auf Dauer deutlich stärker als die Einnahmen", warnen sie.

Der Vorschlag der Bundesbank sieht vor, dass das gesetzliche Rentenalter ab 2032 um durchschnittlich einen Dreiviertelmonat pro Jahr steigt. Versicherte würden dann künftig zwar länger arbeiten müssen - und somit mehr in die Rentenversicherung einzahlen. Sie würden aber auch länger Rente beziehen.

Rentenniveau sinkt dennoch weiter ab

Die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters würde der Notenbank zufolge dazu beitragen, dass das Rentenniveau langfristig nicht zu stark absinkt. Dieses beschreibt, wie viel eine Standardrente im Vergleich zu einem Durchschnittseinkommen wert ist. (Lesen Sie hier, warum das Konzept kritisiert wird.)

Derzeit liegt das Rentenniveau bei rund 48 Prozent. Mit der Erhöhung des Rentenalters würde es bis 2070 laut Bundesbank-Berechnungen auf rund 43 Prozent sinken und sich bei 44 Prozent stabilisieren. Zum Vergleich: Ohne diese Änderungen würde das Rentenniveau bis 2070 auf rund 40 Prozent schrumpfen.

Das Bundesarbeitsministerium plant derzeit eine Neuregelung zur Rentenberechnung, mit der die Rentenerhöhung im kommenden Jahr niedriger ausfallen könnte als ursprünglich vorgesehen.

flg/Reuters



insgesamt 343 Beiträge
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index77 21.10.2019
1. Ich pack ein.
Ich rechne dann einfach meine Mindestrente zum Vergleich aus und gehe in Teilzeit arbeiten. Dann gewöhne ich mir gleich den richtigen Lebensstil fürs Alter an und die Regierungen der Zukunft können sich überlegen, ob die Arbeiter und Angestellten vielleicht doch auch etwas am Ende raus bekommen sollten, dass sie Mehrwert und Steueraufkommen erarbeiten Jahrzehntelang.
Here Fido 21.10.2019
2. Nur so?
Nur so kann das Rentenniveau gesichert werden? Kann man von einem Laden wie der Bundesbank nicht mehr Kreativität erwarten? Mir fallen spontan so einige Dinge ein, wie das Rentenniveau sogar gesteigert werden könnte - ohne das Renteneinstiegsalter zu erhöhen. Ein Blick in Nachbarländer könnte auch hilfreich sein. Armselig.
claude 21.10.2019
3. Klever, oder doch eher perfide ?
Betrifft also jene, die im Jahr 2070 69 Jahre alt sind. Mal nachgerechnet, also jene die 2001 geboren sind oder jünger, d.H. diejenigen die heute gerade 18 werden oder jünger sind. Anders herum formuliert: es betrifft vorwiegend jene, die heute noch nicht wählen dürfen, die in dem Alter wohl auch noch nicht mitkriegen, dass gerade ihre Zukunft verplant wird.
hausfeen 21.10.2019
4. Pfui, das sind schlecht getarnte Einschnitte, die nur Altersarmut ...
.... schaffen. Wer will und einen Job findet, kann jetzt schon länger arbeiten. Wer das nicht kann, muss dann Erwerbsminderungsrente beantragen und heftige Einschnitte seiner echten Rente ab 69 hinnehmen. Vor solch einem Hintergrund sind Diskussionen um eine Grundrente reine Täuschungsmanöver, sowohl von Union wie auch von SPD. Die 8%, die sie in Thüringen holen wird, sind noch 3,1% zu viel. Natürlich, werden sie sich jetzt empören, aber am Ende sind sie doch immer eingeknickt.
anders_denker 21.10.2019
5. Andere Ansätze wagen
muss die Rente umlagefinanziert sein oder sollte man nicht wie andere Länder auf einen Staatsfonds setzen. Renten wie andere Sozialleistungen, erst nach mehr als 10 Jahren Beitragszahlung. Irgendwann muss man länger Arbeiten als die Lebenserwartung ausfällt. Zudem dürfte der Trend zu immer weniger Leute erwirtschaften immer mehr anhalten. Das ganze System muss neu austarriert werden.
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