Bundesbank-Präsident Weidmann fordert rasche Euro-Entscheidung

Bundesbank-Präsident Weidmann missfallen die bisherigen Maßnahmen der Euro-Länder in der Schuldenkrise: Sie würden in eine "nicht tragfähige Richtung" weisen. Die Verantwortlichen hätten nun die Wahl zwischen zwei Modellen - und müssten sich bald entscheiden.

Jens Weidmann: Unzufrieden mit dem gegenwärtigen Kurs
DPA

Jens Weidmann: Unzufrieden mit dem gegenwärtigen Kurs


Köln - Mahnende Worte von hoher Stelle: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat den Kurs der Euro-Länder in der Schuldenkrise kritisiert. Die "bereits ergriffenen und in Aussicht gestellten Maßnahmen" wiesen in eine "auf lange Sicht nicht tragfähige Richtung", sagte er in Köln. Der institutionelle Rahmen für den Euro müsse angepasst und Eigenverantwortung, Haftung und Kontrolle müssten in die richtige Balance gebracht werden. "Meine große Sorge ist, dass hier derzeit eine in sich schlüssige Perspektive fehlt."

Die Länder der Euro-Zone müssten sich "zeitnah" für eines von zwei Modellen entscheiden, forderte der Bundesbank-Präsident. Entweder müssten sie sich auf ihre Wurzeln rückbesinnen, die Finanzpolitik weiter national betreiben und eine gegenseitige Haftung für die Schulden anderer Länder vermeiden. Das zweite Modell bestünde aus einem "großen Sprung in eine Fiskalunion mit einer grundlegenden Verlagerung" der Verantwortung weg von nationalen Parlamenten hin zu europäischen Gremien.

Mit dem gegenwärtigen Kurs zeigte sich Weidmann hingegen unzufrieden. Der Reformanreiz für die Schuldenländer sei zu gering, Länder mit soliden Finanzen würden derweil zur Kasse gebeten. Die Währungsunion würde dadurch "gefährdet". Weidmann betrachte es als seine "Kernaufgabe, die langfristige Stabilität des Euro zu sichern".

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Euro-Krise


aar/dapd/AFP



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Myrlin 13.09.2011
1. Nun ja.
Herr Bankpräsident, oder wie ihr Titel noch war. Könnten sie bitte die Güte haben, den Finanzbereich auch zukunftsträchtig zu gestalten? Wäre natürlich OHNE Zinsforderung fürs Geld, da alles andere in eine Schuldenfalle führt (Systembedingt und zwangsmässig), aber ich gehe davon aus, das sie NICHT ihre Ärmel hochkrempeln wollen und Geld verdienen, indem sie direkt wiederverwertbare Werte wie Essen, Häuser, Strassen oder anderes BAUEN. Lieber VERANTWORTUNG tragen. Aber wenn diese Verantwortung bei weitem nicht ohne die Beihilfe der Verantwortungslosen, aber Hart Arbeitenden Arbeiter, geht, dann haben sie sich den verkehrten Beruf gewählt. Also bitte den Mund halten, wenn sie nicht der arbeitenden Klasse mehr Geld geben können. Nur das Geld kommt von Banken. Werte kommen aus harter Arbeit. Wir brauchen noch einen Handlanger. Wollten sie nicht die Wirtschaft ankurbeln? Melden sie sich. Schwielen und blaue Flecke sind Gratis. Schweissperlen auch. Dumme Sprüche seitens der Politik oder Banker bekommen sie auch Gratis. Sehen sie? Ein Schlarrafenland, dieser Hartarbeitenden Welt. Kommen sie. Arbeiten sie. Anstatt nach politischen möglichkeiten zur Geldproduzierung zu schreien, ohne etwas dafür zu tun.
Siloy 13.09.2011
2. Qual der Wahl ?
Die Verlagerung wichtiger Teile der nationalen Souveränität zum Vorteil einer Fiskalunion dürfte überall auf großen Widerstand und auf schwerwiegende Probleme mit den Verfassungen stossen. Für die Länder mit Stabilitätskultur entsteht zusätzlich das Problem, daß sie in einer europäischen fiskalischen Zentralinstanz potentiell in der Minderheit wären. Wie gerade am Beispiel der EZB zu sehen war! Es gibt eigentlich keine Wahl. Es gibt nur eine effektive Bewehrung von Maastricht mit automatischen Sanktionen, die im Extremfall auch zum Ausschluß aus der Eurozone führen können müssen.
Rüdiger_Kalupner 13.09.2011
3. die dritte Modelloption: öko-kreativer ORDOliberalsimus
Herr Weidmann kennt die geniale Dritte-Option nicht. Sie heißt Ordnungsübergang in den Industriestaaten. Sie besteht im Sturz des absolutistisch herrchenden 2%Wachstumwzwang-Regime der KAPITALSTOCK-Maximierer, das die Schuldenkrise systematisch inkauf genommen hat, u n d diesem folgt dann die Implementierung der zusätzlichen, öko-sozialen Umfinanzierungs- und Steuerungsinstrumente der KREATIVEN Evolutionsprozess-Ordnung. Es gibt die Analogie zur Französischen Revolution. Als die absolutistische Staatsspitze bankrott war, stellte sich die Verfassungsfrage, d.h. die nächste Fortschrittsordnung mußte her. Sie bahnte sich durch den Sturz des Ancien régime ihre Zukunft. Unterhalb der Verfassungfrage gibt es in den entwickelten Industriestaaten kein Ende der Systemkrise. Der EURO-Krise ist nur die Avantegarde-Krise - und Griechenland das KAIROS-Szenario für den Exodus aus dem 2%Ancien-Régime. Angela Merkel ist als Evolutionsprozess- und Chaosphysikerin bestens über die Inhalte des öko-sozialen, KREATIVEN Evolutionspfad-ORDOliberalismus informiert - wie der Verfasser auch.
ragout 13.09.2011
4. Aufgabe nationaler Kompetenzen
Fiskalunion und Aufgabe nationaler Kompetenzen wird sich nicht durchsetzten lassen. Dazu müssten die EU-Verträge geändert und in einigen Ländern auch Volksabstimmungen durchgeführt werden. Einer Aufgabe nationaler Kompetenzen werden aber die wenigsten zustimmen. Von daher ist dieser Weg schon gar nicht gangbar. Gottlob!
Revisionist 13.09.2011
5. ...
Zitat von Rüdiger_KalupnerHerr Weidmann kennt die geniale Dritte-Option nicht. Sie heißt Ordnungsübergang in den Industriestaaten. Sie besteht im Sturz des absolutistisch herrchenden 2%Wachstumwzwang-Regime der KAPITALSTOCK-Maximierer, das die Schuldenkrise systematisch inkauf genommen hat, u n d diesem folgt dann die Implementierung der zusätzlichen, öko-sozialen Umfinanzierungs- und Steuerungsinstrumente der KREATIVEN Evolutionsprozess-Ordnung. Es gibt die Analogie zur Französischen Revolution. Als die absolutistische Staatsspitze bankrott war, stellte sich die Verfassungsfrage, d.h. die nächste Fortschrittsordnung mußte her. Sie bahnte sich durch den Sturz des Ancien régime ihre Zukunft. Unterhalb der Verfassungfrage gibt es in den entwickelten Industriestaaten kein Ende der Systemkrise. Der EURO-Krise ist nur die Avantegarde-Krise - und Griechenland das KAIROS-Szenario für den Exodus aus dem 2%Ancien-Régime. Angela Merkel ist als Evolutionsprozess- und Chaosphysikerin bestens über die Inhalte des öko-sozialen, KREATIVEN Evolutionspfad-ORDOliberalismus informiert - wie der Verfasser auch.
Dem ist nichts hinzuzufügen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.