Nur Bares ist Wahres Bundesbank zweifelt am Nutzen der Fünfhunderter-Abschaffung

Mit der Abschaffung des 500-Euro-Scheins will die EZB organisierte Kriminalität, Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit erschweren. Ein Bericht der Bundesbank lässt allerdings an dieser These zweifeln.

500-Euro-Scheine
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500-Euro-Scheine


Deutschland liebt Bargeld. Wer mit Schein und Münze zahlt, bleibt anonym - und unter der Matratze ist das Geld auch greifbar. Doch Bargeld wird laut Kritikern auch von denjenigen benutzt, die den Handwerker schwarz bezahlen, oder von Kriminellen, die mit Drogen handeln. Um das einzudämmen, kommt die Bundesbank der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) nach - und gibt ab April keine 500-Euro-Scheine mehr aus.

Modellrechnungen der Deutschen Bundesbank zufolge wird Bargeld aber nur zu einem geringen Teil missbräuchlich in der sogenannten Schattenwirtschaft genutzt. Das geht aus ihrem aktuellen Monatsbericht hervor - der aber auch auf die Schwierigkeit hinweist, genaue Zahlen zu ermitteln.

Entsprechend skeptisch beurteilt die Bundesbank auch Obergrenzen für Bargeld. Es fehle "weiter am empirischen Nachweis, dass durch Maßnahmen wie die Abschaffung von Banknoten mit hohem Nennwert oder die Einführung von Barzahlungsobergrenzen tatsächlich Steuerhinterziehung und andere kriminelle Aktivitäten effektiv bekämpft werden können", schreiben die Bundesbank-Autoren.

Schattenwirtschaft betrifft zwei bis 17 Prozent des BIP

Auch die EU-Kommission kam 2018 zu dem Ergebnis, dass EU-weite Obergrenzen derzeit keine geeignete Maßnahme im Kampf gegen Terrorismusfinanzierung seien. Bisher haben zwölf EU-Mitgliedstaaten nationale Barzahlungsobergrenzen eingeführt - von 500 Euro in Griechenland bis zu umgerechnet rund 15.000 Euro in Polen und Kroatien.

Insgesamt lassen sich den Bundesbank-Berechnungen zufolge im Schnitt etwa 14 Prozent der Bareinzahlungen in Bundesbankfilialen "indirekt auf die Schattenwirtschaft zurückführen". Für 2015 ergebe sich auf dieser Basis ein Umfang der illegalen Bareinzahlungen von rund 60 Milliarden Euro.

Zum 500-Euro-Schein hatte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang Mai 2016 entschieden, dessen Produktion und Ausgabe einzustellen - unter anderem mit der Begründung, mit ihnen würde vermehrt Terrorismus finanziert. In der überarbeiteten zweiten Serie der Eurobanknoten mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen wird es keinen 500-Euro-Schein mehr geben.

Ob mit Fünfhunderter oder Fünfer: Laut Schätzungen der Bundesbank liegt der Anteil von Aktivitäten wie Schwarzarbeit, Schmuggel oder Drogenhandel am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen zwei und fast 17 Prozent. In absoluten Zahlen hätte die Schattenwirtschaft damit einen Umfang von 80 Milliarden bis 550 Milliarden Euro.

apr/dpa

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insgesamt 47 Beiträge
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bibabuzelmann 18.03.2019
1. Es gibt weiterhin einen 1000 Franken Schein.
Der ist noch mehr Wert als der kleine 500er. International hat das Ganze also keine Auswirkung. Schwarzarbeiten gehen nie in die Millionen, für die Beträge reicht dann auch ein 200er.
Rheingold (Goldwäsche) 18.03.2019
2. Kompetenzüberschreitung
Die EZB soll bitte ihre Finger von unserem Bargeld lassen und sich auf den Interbankenmarkt konzentrieren, da richtet sie schon genug Unheil an. Mit Blick auf all die Betrugs- und Manipulationsmöglichkeiten im elektronischen Zahlungsverkehr halte ich Bargeld für eines der sichersten Zahlungsmittel. Außerdem gibt es eine klare Rechtslage: Gesetz über die Deutsche Bundesbank: § 14 Notenausgabe (1) Die Deutsche Bundesbank hat unbeschadet des Artikels 128 Absatz 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union das ausschließliche Recht, Banknoten im Geltungsbereich dieses Gesetzes auszugeben. Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Die Deutsche Bundesbank hat die Stückelung und die Unterscheidungsmerkmale der von ihr ausgegebenen Noten öffentlich bekanntzumachen. (2) Die Deutsche Bundesbank kann unbeschadet des Artikels 128 Absatz 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union Noten zur Einziehung aufrufen. Aufgerufene Noten werden nach Ablauf der beim Aufruf bestimmten Umtauschfrist ungültig.
wiescheid 18.03.2019
3. Welche Bereiche der Schwarzarbeit?
Mal abgesehen davon, dass ich Bargeld gerne nutze, aber durchaus auch darauf verzichten könnte, frage ich mich gerade, welche Bereiche der Schwarzarbeit gemeint sind, die mit der Einstellung von 500 Euro Scheinen reduziert werden könnten. Was ich so im Umfeld kenne (von Putzfrau über Babysitter bis zum Fliesenleger), bewegt sich eher in Bereichen, in denen man auch ohne diese Scheine sehr gut zurecht kommt. Zumal ich an den meisten Automaten eh nur maximal 50-er und 100-er bekomme? Ganz ehrliche Frage, würde mich echt mal interessieren...
Sleeper_in_Metropolis 18.03.2019
4.
Ob die Abschaffung des 500er-Scheins jetzt im erhofften Sinn viel bringt oder nicht sei mal dahingestellt - aber für die allermeisten Leute dürfte diese Banknote im Alltag ohnehin keine Rolle spielen. Wer zahlt schon Summen von 500 EUR oder einem vielfachen davon in Bar ? Und an all diejenigen, die jetzt wieder einwenden werden was mit der Bezahlung eines Gebrauchtwagens sei: Dann zahlt man diesen eben in zweihundertern oder hundertern, da wird man sich auch keinen Bruch dran heben, und üblicher Weise kauft man nicht jede Woche ein Auto.
dasfred 18.03.2019
5. Man wird Schwarzarbeit kaum mit 500ern bezahlen
Die Leute können damit doch kaum irgendwo einkaufen. Schon der frühere Tausend Mark Schein war außer beim Autokauf kaum alltagstauglich. Wo, im Alltag spielt denn der 500er überhaupt eine Rolle, dass davon große Mengen im Umlauf sein müssen?
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