"Erst planen, dann bauen" Aktionsplan soll Chaos bei Großprojekten verhindern

Chaotisch, verspätet und sehr viel teurer: In Deutschland werden Großprojekte wie die Elbphilharmonie oder der Hauptstadtflughafen BER regelmäßig zum Problem. Das soll sich ändern - mit einem Aktionsplan von Verkehrsminister Dobrindt.

Ohne Kräne kaum vorstellbar: Großprojekt Elbphilharmonie in Hamburg
REUTERS

Ohne Kräne kaum vorstellbar: Großprojekt Elbphilharmonie in Hamburg


Der Bau großer Infrastrukturprojekte in Deutschland soll künftig reibungsloser ablaufen, Termine sollen besser eingehalten werden. Ein Aktionsplan (PDF) von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) soll dafür sorgen, dass Großprojekte wie der Hauptstadtflughafen BER besser gesteuert werden.

Der am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Plan sieht unter anderem vor, dass ein frühes Risikomanagement eingeführt und Konflikte zwischen Projektbeteiligten vermieden werden. Auch das digital vernetzte Planen und Bauen will Dobrindt vorantreiben. Ziel ist es demnach, die Kosten und Termine bei Großbauten zuverlässiger einzuhalten.

Es gehe um den "Grundstein für einen Kulturwandel auf dem Bau", sagte Dobrindt. Basis der geplanten Maßnahmen sind die Empfehlungen einer vom Ministerium eingesetzten Expertenkommission. Grundsätzlich soll demnach unter anderem gelten: "Der billigste Bieter ist nicht immer der wirtschaftlichste." Ein Zuschlag soll also nicht nur nach dem niedrigsten Angebotspreis vergeben werden, sondern etwa auch nach zusätzlichen Kriterien wie der Qualität der Ausführung.

Bereits die Planung der Projekte soll verbessert werden. Unter der Überschrift "Erst planen, dann bauen", heißt es etwa, Projektänderungen dürften erst genehmigt werden, wenn Auswirkungen auf Kosten, Risiken und Termine sorgfältig geprüft wurden. Das Bauen soll nicht zu früh starten. Mit Teilgenehmigungen solle nur losgelegt werden können, wenn es sich um "vollständig abtrennbare Teilprojekte" handelt.

Ziel ist auch mehr Transparenz für die Öffentlichkeit. Der Aktionsplan spricht allgemein von "geeigneten Informationen zum Sachstand, zu Kosten, Risiken und Terminplänen". Die Expertenkommission hatte darauf verwiesen, dass Kosten häufig bereits beziffert werden, bevor es belastbare Planungen und Risikoabschätzungen gibt.

Am kommenden Dienstag will Dobrindt überdies einen Stufenplan zur Einführung der neuen und ständig synchronisierten Datenbasis-Lösung Building Information Modeling (BIM) vorstellen, die Teil des Aktionsplans ist. Die ständig synchronisierte Datenbank soll alle Projektbeteiligten vernetzen und Absprachen erleichtern. Sie kommt bei einigen Pilotbauprojekten des Bundes an Autobahnen und Bundesstraßen demnach bereits zum Einsatz.

nck/dpa/AFP



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
L!nk 09.12.2015
1. Aha
Das klingt für mich so, als hätten ihm irgendwelche Netzwerklobbysten etwas Teures angedreht.
alaba27 09.12.2015
2. Das ist jetzt neu ???
Ich lese eigentlich nur Selbstverstandliches in den Aussagen Dobrindts.
erzengel1987 09.12.2015
3. wow
Also das was jeder normale Mensch weiß, setzt nun die Politik um. Herzlichen Glückwunsch. Zudem die erste gute Idee von der xxx, die bisher gar nichts hinbekommen hat. Vielleicht trifft aber auch das Sprichwort zu ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Wer weiß. Ich hoffe nur, dass diese Vorgabe gut durchdacht und gut umgesetzt wird. Zudem bin ich dafür, dass verantwortliche Politiker in beschränkte Haftung genommen werden.
windpillow 09.12.2015
4. Aktionsplan?
Erst planen, dann bauen? Dazu haben die massenhaften Lobbyisten -die nur ihr eigenes Konzept durchziehen wollen- bereits einen zu gefestigten Platz in den Städten, Kommunen und in den Ländern. Und wer von den ach so loyalen Beamten will schon auf den nicht zu verachtenden Bonus verzichten.
Bürger Icks 09.12.2015
5. Erst planen, dann bauen
So arbeiten gesunde Hirne!
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