Neue Beteiligungsgesellschaft Bundesregierung plant Wachstumshilfe für Start-ups

Ein Start-up zu gründen ist in Deutschland recht leicht, es groß zu machen deutlich schwerer. Deshalb lässt die Bundesregierung nun nach SPIEGEL-Informationen eine neue Beteiligungsgesellschaft gründen.

Die Bundesregierung will Start-ups künftig mithilfe einer neuen Beteiligungsgesellschaft fördern. Diese soll Anfang 2018 als hundertprozentige Tochtergesellschaft der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gegründet werden und eine "dauerhafte, organisatorisch eigenständige Struktur für die Beteiligungsfinanzierung" etablieren. Das geht aus einem Bericht von KfW, Wirtschafts- und Finanzministerium an den Bundestag hervor, der dem SPIEGEL vorliegt.

Im Vergleich zu den USA gibt es in Deutschland noch immer zu wenig Wagniskapital für junge Unternehmen - vor allem in der Wachstumsphase, die auf eine erfolgreiche Gründung folgt. In diese Lücke soll die neue Beteiligungsgesellschaft stoßen. Sie wird auf Eigenkapital spezialisiert sein, insbesondere Investitionen in sogenannte Venture Capital Fonds und Venture Debt Fonds. Hier besteht dem Bericht zufolge bislang eine jährliche Finanzierungslücke von rund 500 bis 600 Millionen Euro.

Die Große Koalition hat eine bessere Förderung von Start-ups versprochen. Ende März forderte der Bundestag sie auf, das Engagement der KfW in diesem Bereich deutlich zu verstärken und dafür eine dauerhafte und organisatorisch eigenständige Struktur zu schaffen. Unklar war bislang, wie genau diese ausgestaltet wird.

Die KfW prüfte dem Bericht zufolge auch, das Wagniskapitalgeschäft komplett auszulagern, mit dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) als möglichem Vorbild. Eine Tochtergesellschaft biete jedoch "hohe Flexibilität bei gleichzeitig angemessener Steuerbarkeit der Tochter", hinzu komme "die Sichtbarkeit des Engagements der Öffentlichen Hand und insbesondere die Marktgängigkeit einer Tochtergesellschaft".

Die neue Beteiligungsgesellschaft wird als Finanzunternehmen eingestuft. Für ein solches gelten bestimmte Vorschriften nicht, mit denen die Finanzaufsicht BaFin Banken überwacht. So könnten die "Besonderheiten des Beteiligungsgeschäftes" besser bedient werden, heißt es in dem Bericht.

Überwacht werden soll die neue Tochter sowohl durch die Risikosteuerung der KfW als auch einen eigenen Aufsichtsrat. In diesem werden Finanz- und Wirtschaftsministerium mit je einem Sitz vertreten sein, hinzu kommen zwei Branchenvertreter und zwei KfW-Repräsentanten. Beteiligungen ab 12,5 Millionen Euro müssen die Aufseher genehmigen.

Insgesamt plant die KfW ihre jährlichen Zusagen von Wagniskapital bis 2020 auf 200 Millionen Euro zu verdoppeln, sodass rund zwei Milliarden Euro über etwa zehn Jahre verfügbar werden. Die Einführung weiterer Finanzierungsinstrumente soll jährlich geprüft werden. Dazu könnten etwa Investitionen in Fonds gehören, die Börsengänge von Start-ups fördern und diese damit attraktiver für private Investoren machen.

Die neue Beteiligungsgesellschaft muss noch vom Verwaltungsrat der KfW abgesegnet werden. Da zudem viele rechtliche Fragen zu klären sind, ist der operative Start dem Bericht zufolge erst Mitte 2018 zu erwarten.