Erstes Halbjahr 2019 Bundesregierung zahlt mehr als 178 Millionen Euro für externe Berater

Bei einer Umfrage in den Ressorts kam heraus: Vor allem das Innenministerium investierte im ersten Halbjahr 2019 in externe Berater. Ausgerechnet das Verteidigungsministerium lieferte noch keine Zahlen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (l.) und Innenminister Horst Seehofer: Ihre Ressorts gaben in diesem Jahr bisher am meisten für externe Berater aus
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Verkehrsminister Andreas Scheuer (l.) und Innenminister Horst Seehofer: Ihre Ressorts gaben in diesem Jahr bisher am meisten für externe Berater aus


Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr mindestens 178 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Finanzministeriums in den 14 Ressorts, die auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn durchgeführt wurde und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Mit Abstand am meisten investierten das Innenministerium mit 78,7 Millionen Euro und das Verkehrsministerium mit 47,7 Millionen Euro in Sachverstand von außen. Das Bildungsministerium benötigte dagegen am wenigsten zusätzliche Expertise. Dort wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 293.000 Euro für Berater ausgegeben.

Das Kanzleramt ist in der Aufstellung nicht berücksichtigt. Als einziges Bundesministerium machte das Verteidigungsressort keine Angaben. Die Finanz-Staatssekretärin Bettina Hagedorn teilte in ihrer Antwort mit, dass dort "die entsprechende Erhebung (...) noch nicht abgeschlossen werden konnte". Die Zahlen würden aber nachgereicht.

Der Einsatz von Beratern im Verteidigungsministerium wird seit einem halben Jahr von einem Untersuchungsausschuss des Bundestags überprüft. Es geht um Vorwürfe von unkorrekter Auftragsvergabe bis hin zu Vetternwirtschaft. Wahrscheinlich wird die gerade ausgeschiedene Verteidigungsministerin und künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auch noch vom Ausschuss befragt.

Höhn nannte es "skandalös", dass ausgerechnet vom Verteidigungsministerium noch keine Zahlen geliefert worden seien. Er warf von der Leyen vor, erst "eine zum Teil rechtswidrige Berater-Kultur" zu etablieren, die seit Monaten ein Untersuchungsausschuss aufklären müsse - "und trotzdem ist das Verteidigungsministerium nicht auskunftsfähig". Das werde sie als Kommissionspräsidentin dem Untersuchungsausschuss erklären müssen, sagte der Linken-Politiker.



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aar/dpa

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herbert 23.07.2019
1. So einfach kann Politik sein, dass kann jeder Bürger machen !
Gibt es ein Problem lässt man Gutachten machen oder man holt teure Berater ins Haus. Achterbahnfahrer Seehofer muss ja ziemlich viele Berater haben. Denn seine Meinung wechselt er wie der Wind kommt.
f_bauer 23.07.2019
2. Wie immer nur die halbe Wahrheit
Wie praktisch immer in diesen Artikeln wird komplett verschwiegen, was diese sogenannten "Berater" eigentlich machen. Ich arbeite nämlich selbst als Externer für eine Regierungsbehörde - d.h. ich stecke mit in dieser Statistik - und ich "berate" nicht, wie dieser blödsinnige Begriff suggeriert. Ich arbeite schlicht und einfach in der Softwareentwicklung dieser Behörde. Da müssen nunmal externe Mitarbeiter ausgeliehen werden, weil die starren Tarife der Behörden es nicht ermöglichen, gute Leute fest einzustellen. Das ist sicherlich traurig und wäre mal einen Artikel im Spiegel wert, aber es ist ein vollkommen anderes Thema. Und der Presse fehlt zu so einem Artikel anscheinend die Kompetenz, denn sonst würde man nicht dauernd von "Beratern" sprechen. Ich sitze nämlich nicht beratend neben einem Softwareentwickler und sage ihm, wie er die Maus zu bewegen hat. Ich mache echte produktive Arbeit, so wie die überriesengroße Mehrheit der ach-so-bösen Berater.
RDetzer 23.07.2019
3. Wenn ich
178 Millionen Euro investiere und herauskommt, daß alles schlimmer wird, dann ist das gut investiertes Geld. Jetzt sind wir gespannt auf die Verteidigung. Dort könnte die Kapitalvernichtung weitaus höher liegen, zumal es derzeit nur Angriffskriege, keinen Verteidigungsfall gibt.
hpkeul 23.07.2019
4. Das Beratungsgeschäft...
...lernen Politiker von klein auf. Schon in der Kommunalpolitik ist das seit Jahrzehnten gang und gäbe. Die Firma Kienbaum lebt prächtig davon. Da gibt es lustige Themen: "Haben die Stadtwerke zuviel Personal? Das geht dann so: 1. der Beratern geht in das Unternehmen und bekommt vom Auftraggeber die Unterlagen. 2. Er bekommt deutliche Hinweise, welches Ergebnis gewünscht wird. 3. Die Berater nehmen diese Wünsche in ihr Nachtgebet auf. Man braucht ja auch weitere Aufträge. 4. Überraschung: Das Interesse an Personalabbau ist bei den Stadtwerken äußerst gering. 5. Ergebnis: !,3 kg ehemals sauberes Papier je Verwaltungsratsmitglied. Und, wer hätte das gedacht: Die Stadtwerke haben viel zu wenig Personal.
Solid 23.07.2019
5.
Der größte Teil des Beraterbudgets geht für qualifizierte Leiharbeitskräfte drauf, weil man mit dem lausigen Gehalt des ÖD (50 k€/a brutto) nunmal keine qualifizierten Fachkräfte einstellen kann. Dann lieber 200 k€/a für Externe ausgeben. Ehrliche Arbeit wird beim Staat eben mies bezahlt.
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