Bundestagsbeschluss Managergehälter müssen künftig gedeckelt werden

In Deutschland sind börsennotierte Unternehmen künftig verpflichtet, die Höhe von Managergehältern zu begrenzen. Das hat die Große Koalition im Bundestag durchgesetzt - gegen den Widerstand der Opposition.

Eva Högl (SPD) im Bundestag (Archivbild): Vertrauen der Bevölkerung in die soziale Marktwirtschaft nicht gefährden
Christoph Soeder/ picture alliance/ dpa

Eva Högl (SPD) im Bundestag (Archivbild): Vertrauen der Bevölkerung in die soziale Marktwirtschaft nicht gefährden


Die Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen sind in Zukunft verpflichtet, Obergrenzen für die Gehälter ihrer Manager festzulegen. Diese Vorschrift ist Teil eines umfassenden Gesetzespakets, mit dem der Bundestag die europäische Richtlinie für Aktionärsrechte umgesetzt hat. Der Aufsichtsrat hat demnach lediglich die Wahl, ob es eine Obergrenze für den gesamten Vorstand gibt oder ob die Vergütung jedes einzelnen Vorstandsmitglieds gedeckelt wird.

Bisher konnte der Aufsichtsrat die Managergehälter auf freiwilliger Basis begrenzen. Nach der Neuregelung, die von der schwarz-roten Koalition erst im letzten Moment in das Gesetzespaket einfügt worden war, ist er künftig dazu verpflichtet. Gleichzeitig wird der Aktionärsversammlung das Recht eingeräumt, diese Obergrenze noch einmal abzusenken.

Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Eva Högl erklärte, unangemessen hohe Managergehälter gefährdeten das Vertrauen der Bevölkerung in die soziale Marktwirtschaft. Wenn Dax-Vorstände im Schnitt das 52-fache ihrer Mitarbeiter verdienten, sei das nicht mehr nachvollziehbar.

Opposition kritisiert die neue Regelung

Die Opposition lehnte das Gesetz der Großen Koalition geschlossen ab. Die AfD sprach sich dafür aus, statt des Aufsichtsrats die Hauptversammlung über die Vorstandsvergütung entscheiden zu lassen. Linke und Grüne warben für eine gesetzliche Beschränkung der Managergehälter. Die FDP wies hingegen die Kritik an den Vergütungen zurück und beklagte ein generelles Misstrauen gegenüber der Wirtschaft.

Neben der Vorstandsvergütung geht es in der Aktionärsrechterichtlinie auch darum, die Information der Anleger und deren Mitspracherechte zu verbessern. Zudem werden Transparenzpflichten für institutionelle Anleger, Vermögensverwalter und Stimmrechtsberater im Aktiengesetz verankert.

jki/dpa



insgesamt 65 Beiträge
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shardan 14.11.2019
1. Nütz alles nichts
Wenn die Aufsichtsgremien die Gehälter festlegen können, wird der Deckel eben entsprechend hoch gehängt. Aber selbst bei einer gesetzlich festgelegten Grenze haben zumindest große Konzerne genügend Ausweichmöglichkeiten. Dann ist die Stelle eben im Ausland und der Herr Manager ist nur nach D versetzt oder ein Teil des Geldes wird im Ausland auf ein Auslandskonto gezahlt. Ist zwar rechtlich vermutlich Steuerhinterziehung, aber das wird da auch nur wenige jucken. Erst kommt das Geld, dann die Moral.
eule_neu 14.11.2019
2. Mangergehälter deckeln und und auch Bundestagsdiäten
Es ist schon seltsam, was Frau Högl von sich gibt und ich habe diese Frau gewählt, war wohl ein Versehen. Denn wer sich im Fernsehen die Bundestagsdebatten anschaut, ist verwirrt, dass oftmals nur so um die 50 Abgeordneten im Bundestag in den Sitzungen befinden und sich wohl ablösen, um zu reden, um dann wieder zu entschwinden. Wir haben über 600 Abgeordnete und nur ein kleiner Teil ist in den Sitzungen anwesend. Warum ist das zulässig? Was ist mit den Sitzungsgeldern? Tragen sich die Leute ein und verschwinden dann? Das ist in einer Demokratie unwürdig. Sollten nicht auch die Diäten an die entsprechen volle Beteiligung an den Sitzungen bemessen? Ist das unsere Volksvertretung? Man stelle sich nur vor, derselbe Bruchteil an Wählern geht zur Wahl. So jedenfalls sollte es nicht weitergehen und der Bundestag muss sich entscheiden, ob es die Demokratie verkörpern will oder aber den eigen Interessen nachgegangen wird. Schande über den Bundestag ...
luisakeller34 14.11.2019
3.
Zitat von eule_neuEs ist schon seltsam, was Frau Högl von sich gibt und ich habe diese Frau gewählt, war wohl ein Versehen. Denn wer sich im Fernsehen die Bundestagsdebatten anschaut, ist verwirrt, dass oftmals nur so um die 50 Abgeordneten im Bundestag in den Sitzungen befinden und sich wohl ablösen, um zu reden, um dann wieder zu entschwinden. Wir haben über 600 Abgeordnete und nur ein kleiner Teil ist in den Sitzungen anwesend. Warum ist das zulässig? Was ist mit den Sitzungsgeldern? Tragen sich die Leute ein und verschwinden dann? Das ist in einer Demokratie unwürdig. Sollten nicht auch die Diäten an die entsprechen volle Beteiligung an den Sitzungen bemessen? Ist das unsere Volksvertretung? Man stelle sich nur vor, derselbe Bruchteil an Wählern geht zur Wahl. So jedenfalls sollte es nicht weitergehen und der Bundestag muss sich entscheiden, ob es die Demokratie verkörpern will oder aber den eigen Interessen nachgegangen wird. Schande über den Bundestag ...
Wenn eine Debatte über zb Hausdämmung und die Gesetze ansteht, intressiert das ein Famlienminister recht wenig...ganuso wenig wenn ein Wirtschaftsminister über Steuern redet, und der Gesundheitsminister irgendwo anders eine wichtige politische Sitzung hat... deswegen sind teilweise unverschämt hohe Sitze frei. Dafür sollten sie aber dementsprechend weniger Geld bekommen. Denn meist "schwänzen" die ja die Sitzungen, um zb an der Uni oder in irgendeinem Festzelt eine gut bezahlte Rede zu halten.
dickidoro 14.11.2019
4. Begrenzung der managergehälter
Natürlich wäre das ein Signal, wenn ein Manager statt mit 12 Mio. € nur mit 1 Mio. € auskommen müsste. Da kommt man so knapp über die Runden. Und wenn dann die großen Unternehmen die überschießenden Beträge in ihre Sozialbeiträge zurücklegen, dann sind wir auf dem Weg zum Sozialstaat. So steht es schließlich im GG.
weltgedanke 14.11.2019
5.
Was ist nicht daran nachvollziehbar, dass DAX-Vorstände das 52-Fache ihrer Mitarbeiter verdienen? Ich finde nicht nachvollziehbar, dass das nicht nachvollziehbar sein soll. Gehälter werden doch nicht für Zeitaufwand gezahlt, sondern für Ergebnisse bezogen auf die Balance aus Angebot und Nachfrage. Wenn jeder zweite Deutsche Top-Manager sein könnte und wollte und die gleichen Ergebnisse bringen würde wie DAX-Vorstände, wäre der Job sicher nicht so gut bezahlt. Aber so ist es nun einmal nicht. Unterschiede im Können von Managern bedeuten oft gleich Millionen- wenn nicht gar Milliardenunterschiede im Umsatz. Das soll der normale Mitarbeiter, der sich beklagt, erst einmal hinkriegen. Klar legen die Unternehmen da ordentlich Kohle auf den Tisch, damit sie ihre Wunschkandidaten kriegen und halten. Ich habe in Unternehmen gearbeitet, in denen das Management nichts taugt. Das ist für kleine Angestellte viel schlimmer, als wenn jeder Mitarbeiter 1000 Euro im Jahr weniger hat zugunsten eines Top-Managements. Das bisschen Geld tröstet nicht hinweg über den Frust, den man da schiebt. Wahr ist aber natürlich auch, dass ein teures Management leider nicht immer Top-Ergebnisse bedeutet. Es ist manchmal schwer zu verstehen, warum da trotzdem so viel gezahlt wird.
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