Hohe Gehälter Lammert wirft Managern Skrupellosigkeit vor

Gigantische Gehaltsunterschiede, die rücksichtslos durchgesetzt werden: Mit deutlichen Worten kritisiert Bundestagspräsident Norbert Lammert die Entlohnung in deutschen Führungsetagen. Als Vorbild empfiehlt er den Wirtschaftsbossen gewöhnliche Arbeitnehmer.
Bundestagspräsident Norbert Lammert: Mehr Einfluss durch die Euro-Krise?

Bundestagspräsident Norbert Lammert: Mehr Einfluss durch die Euro-Krise?

Foto: dapd

Hamburg - Die Kritik an hohen Gehältern in der Wirtschaft ist für gewöhnlich eine Domäne linker Politiker. So sagte der neue Linken-Chef Bernd Riexinger kürzlich im Interview mit SPIEGEL ONLINE, Managergehälter in Höhe von zehn Millionen Euro oder mehr "pervertierten" das Leistungsdenken in einer Marktwirtschaft. In Frankreich will der sozialistische Präsident Francois Hollande sogar gesetzlich für niedrigere Bezüge bei den Bossen von Staatskonzernen sorgen.

Nun kommt auch aus der CDU scharfe Kritik an der Höhe von Managerbezügen. Es gebe "gigantische Einkommensunterschiede in den Unternehmen, selbst zwischen der ersten und zweiten Leitungsebene", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). "Das ist nicht zu rechtfertigen, schon gar nicht mit entsprechenden Leistungs- und Verantwortungsdifferenzen. Das ist die Verselbständigung der Gehaltsfindung, die den Verdacht der Selbstbedienung nahelegt". Wenn die Wirtschaft sich nicht selbst Grenzen auferlege oder freiwillige Verpflichtungen nicht wirklich einhalte, "dann wächst der Druck zu gesetzlichen Regelungen".

Lammert sagte, er sei "gelegentlich fassungslos über die Gedankenlosigkeit oder die Skrupellosigkeit, mit der solche Ansprüche geltend gemacht und durchgesetzt werden". Das gelte etwa für Finanzmakler, die die Folgen ihrer Fehleinschätzungen beim Steuerzahler anmeldeten und gleichzeitig vor Gericht für sich Bonusleistungen einklagten.

Zugleich lobte der Bundestagspräsident die Zurückhaltung gewöhnlicher Arbeitnehmer bei Tarifverhandlungen. Noch vor 15 Jahren habe Deutschland im Ausland als "kranker Mann Europas" gegolten, nun aber sei das Land wieder wettbewerbsfähig. Das sei "ganz wesentlich der Lohn- und Gehaltsdisziplin der Beschäftigten zu verdanken". Deren Reallöhne hätten sich in diesem Zeitraum kaum verändert. "Die einzige auffällige Veränderung hat in den Vorstandsetagen stattgefunden."

Lammert widersprach gegenüber der "SZ" dem Eindruck, der Bundestag habe in der Euro-Krise an Bedeutung verloren. Der Einfluss der Abgeordneten sei vielmehr gestiegen. "Wir haben in Deutschland zum ersten Mal eine Rollenverteilung, die in der Parlamentsgeschichte untypisch ist, dass wir bei internationalen Verhandlungen quasi mit am Tisch sitzen, und am Ende über einen Vertragstext votieren, dessen Entstehen wir begleitet haben."

Der Versuch, die Euro-Schuldenkrise mit immer mehr Geld zu lösen, sei aber gescheitert, sagte Lammert. "Unser Problem ist nicht, dass zu wenig Geld im System ist, sondern dass es zu wenig Regeln gibt".

dab/dpa/dapd
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