Reaktionen aus der Wirtschaft Merkel zum Vierten - Deutsche Bank freut sich

Vier weitere Jahre Angela Merkel - für den Chefvolkswirt der Deutschen Bank eine gute Aussicht. Die Kanzlerin sei mit ihrem "nicht testosterongesteuerten Ansatz" prädestiniert für die Aufgaben. Die ersten Reaktionen aus der Wirtschaft.
Deutsche Bank in Frankfurt

Deutsche Bank in Frankfurt

Foto: Arne Dedert/ dpa

In politischen Fragen halten sich Unternehmen öffentlich meist zurück - man will ja keine potenziellen Kunden verschrecken. Ungewöhnlich deutlich fällt daher das Lob aus, dass die Deutsche Bank für Angela Merkel übrig hat: "Es ist gut für Deutschland, die Europäische Union und die Welt insgesamt, dass so eine erfahrene Regierungschefin am Ruder bleibt", schreibt Chefvolkswirt David Folkerts-Landau in einer ersten Reaktion am Montagmorgen. Deutschland müsse sich nun - gemeinsam mit Frankreich - stärker für notwendige Reformen der EU engagieren. "Mit ihrer Erfahrung und ihrem rationalen, nicht testosterongesteuerten Ansatz ist Merkel prädestiniert für diese Rolle."

Andere Kommentatoren sehen allerdings das mögliche "Jamaika"-Bündnis der CDU/CSU mit der FDP und den Grünen skeptisch: "Die Grünen sind zwar eine weitgehend proeuropäische Partei, doch die Präsenz der FDP in der Koalition könnte Merkels Wunsch verwässern, eine engere Allianz mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu bilden, um eine stärkere europäische Integration zu fördern", schreibt Mark Haefele, Investmentchef der Schweizer Bank UBS. "Letztlich könnte sich die FDP gegen eine tiefere fiskalische Integration durch die Ernennung eines Finanzministers für die Eurozone stemmen."

Auch Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater meint, eine Jamaika-Koalition wäre "auf den ersten Blick nicht das beste Szenario für Wirtschaft und Finanzmärkte, denn es bringt Unsicherheit - von der Wirtschaftspolitik bis hin zur Europapolitik". Doch Kater betont zugleich: "Auf den zweiten Blick bietet es jedoch auch Chancen, mit frischen Kräften Themen neu anzupacken."

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert als Antwort auf das Erstarken der rechtsnationalen AfD ein Investitionsprogramm für Deutschland. "Die Stärke der AfD sollte ein Weckruf an die Politik sein, die Ungleichheit und soziale Polarisierung der deutschen Gesellschaft endlich ernster zu nehmen", mahnte der Berliner Ökonom.

"Bessere Bildung und Qualifizierung, gezieltere Leistungen des Sozialstaats und eine stärker auf die Zukunft ausgerichtete Wirtschaftspolitik sind die richtige Antwort auf das Erstarken des Populismus", so Fratzscher. Die künftige Bundesregierung müsse "schnell eine Investitionsoffensive starten".

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser fordert ebenfalls Konsequenzen aus dem Erfolg der AfD. Dass es eine national-populistische Partei wie die AfD "fulminant" ins Parlament geschafft habe, sei "auch eine Niederlage der Eliten in Deutschland", sagte Kaeser am Montag. "Wir haben ihre Wähler als Menschen am Rande der Gesellschaft abgetan." Für den Wohlstand im Land und für den Zusammenhalt der Gesellschaft sei es entscheidend, Menschen, die sich zurückgesetzt fühlten, einzubinden und ihnen Perspektiven zu geben. Das sei Aufgabe aller.

Auch Kaeser lobte Bundeskanzlerin Merkel. "Die Welt wird nicht einfacher durch das Erstarken von Populismus und Kurzfristdenken, durch globale Migration und Klimawandel. Was mich zuversichtlich stimmt: Wir haben eine sehr erfahrene und kluge Bundeskanzlerin, die die Interessen Deutschlands und Europas auf dem internationalen Parkett zu vertreten weiß und höchsten Respekt überall in der Welt genießt."

stk/dpa
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