Öffentlicher Dienst Bundesverwaltungsamt warnt vor Personalnot

Deutsche Verwaltungen könnten in einigen Jahren kollabieren - wenn auf die Pensionierungen nicht ausreichend neue Einstellungen folgen, warnt der Chef des Bundesverwaltungsamtes. Die bisherigen Pläne dazu seien reine "Symbolik".

Bundesverwaltungsamt
DPA

Bundesverwaltungsamt


In deutschen Verwaltungen könnte bald schon massive Personalnot herrschen. Davor warnt der Chef des Bundesverwaltungsamtes (BVA), Christoph Verenkotte. "Die absehbare Pensionierungswelle macht uns zu schaffen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Damit die Verwaltungen in fünf bis zehn Jahren nicht kollabierten, müsse ein "riesiges Einstellungsprogramm" aufgesetzt werden.

Im Bundeshaushalt seien bislang nur 500 Stellen für entsprechende Nachbesetzungen vorgesehen, sagte der BVA-Chef. Angesichts von 500.000 Beschäftigten in der Bundesverwaltung sei dies lediglich "Symbolik". Aufgrund des sich abzeichnenden Personalmangels werde es in Zukunft bestimmte Dienstleistungen gar nicht mehr geben, andere könnten nicht mehr in der gewohnten Qualität angeboten werden.

Die Bundesverwaltung müsse es entweder schaffen, sich deutlich effektiver unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu organisieren und stärker in die Digitalisierung zu investieren, "oder sie muss manche ihrer Aufgaben überdenken", warnte Verenkotte. Seiner Wahrnehmung nach "drücken sich die Verantwortlichen vor dieser Diskussion" - zumindest bislang.

Der Vorsitzende des Beamtenbundes, Klaus Dauderstädt, beklagte, es gebe bereits heute gravierende Personallücken. So sei beispielsweise der jetzige Personalstand in der Steuerverwaltung bedenklich niedrig. "Hier fehlen rund 20 Prozent Personal, um den laufenden Steuervollzug seriös und nachhaltig umzusetzen."

Jährlich gingen dem Staatshaushalt mindestens 50 Milliarden Euro Einnahmen verloren - etwa 30 Milliarden im Bereich der Einkommen- und rund 20 Milliarden bei der Umsatzsteuer. "Denn Steuerhinterziehung und Steuerflucht können nicht effektiv geahndet werden. Das ist verantwortungslos", sagte Dauderstädt.

vks/AFP/dpa



insgesamt 67 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ackergold 19.04.2017
1. Entschuldigung...
... aber wenn man in diesem Beamtenstaat irgendetwas ersatzlos einsparen kann, dann ist es doch wohl das Bundesverwaltungsamt. Die brauchen ja schon Monate bis halbe Jahre, um überhaupt einen Bafög-Bescheid zu verschicken - natürlich eine Ablehnung. Wenn man dieses Amt einspart, dann könnte man problemlos jedem Studierenden ein Grundgehalt bezahlen, mit dem er auskommt. Das Bundesverwaltungsamt ist komplett überflüssig und niemand würde ihm nachweinen - außer die dortigen A12-16-Beamten in ihren Kaffeeküchen. Wer mal dort war weiß, wie es in so einem Laden zugeht. Von den exorbitanten Krankenständen noch ganz abgesehen.
Freidenker10 19.04.2017
2. mickriger Lohn
Zum einen will man Steuerdelikte auch gar nicht verfolgen, siehe Bayern zum anderen muss sich der ÖD wirklich mal Gedanken um die Bezahlung machen! Ich arbeite in einer an den TVÖD angegliederten Branche und kann ein Lied davon singen. Wenn die Reallohnerhöhung in den letzten 25 Jahren 2% übersteigt würde ich mich echt wundern! Dafür ist die unsägliche Allianz zwischen Verdi und dem Bund/Kommunen verantwortlich und jetzt merkt man es langsam und das ist gut so! Viele denken fäschlicherweise dass sich alle im ÖD eine goldene Nase verdienen, aber das trifft nur auf die wenigsten zu, nur auf die Beamten! Auch sind die Renten der Normalbeschäftigten aufgrund der niedrigen Löhne eher mickrig, hier sind nur die Beamten sehr gut abgesichert! Vielleicht muss sich Deutschland endlich mal darauf einstellen das "Erfolgsmodel" mit den niedrigen Löhnen zu überdenken!
viwaldi 19.04.2017
3. Verwaltung muss effizienter werden
Es muss einen massiven Produktivitätszuwachs in der Verwaltung geben. Nicht ein Heer von Neueinstellungen (wie es Verdi gerne sähe), sondern eine schlanke und effiziente Verwaltung muss das Ziel sein. Wer durch Behördenflure geht, wer einmal eine Anzeige bei der Polizei aufgeben musste - es packt einen das kalte Grausen. Wie in der Produktion schon seit Jahren muss die Verwaltung viel schlagkräftiger werden. Ich hoffe, unsere Demokratie hat noch die Kraft, hier Veränderungen durchzusetzen. Nagelprobe ist ein vereinfachtes Steuersystem. Aber ein Herr Schröder konnte ja gewählt werden, weil er Herrn Kirchhoff mit seinen guten Ansätzen lächerlich machte. Wenn wir hier keinen Gestaltungsmut aufbringen, wird es furchtbar werden: weil egal ob wir wollen oder nicht, - die qualifizierten Bewerber fehlen einfach. Es bleibt also nur die Flucht nach vorne - hoffentlich nicht mit einer politischen Führung von gestern. Schulz, Nahles und Konsorten: geht nach Hause. Nur mit Mut und Ideen werden wir eine Verwaltung 4.0 schaffen können.
007frau 19.04.2017
4. Selbst schuld!
Bei diesem Personalmodell,m wo junge, spritzige Leute auf 2-Jahres Verträge gesetzt werden. Die propagierte "Sicherheit" für Familienplanung etc gibt es auch im öffentlichen Dienst immer seltener. In Sachsen darf man sich gar nicht mehr bewerben, wenn man schonmal in einem 2-jahres Vertrag gearbeitet hat. Das ist ein Skandal. Selbst Schuld sage ich da nur.
suedseefrachter 19.04.2017
5.
Dann sollen die Beamten halt mehr arbeiten. Wir brauchen nicht mehr Beamte sondern weniger und einen effizienteren Staat. Was ich in der Wirtschaft leisten darf steht in keinerlei Verhältnis zu dem was Beamte im Disney-Beamten-Staat leisten müssen - aber abkassiert wird natürlich Länge mal Breite. Dieser Staat schädigt insbesondere jene die sich noch dem Mittelstand zurechnen dürfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.