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Marineflugzeug P-3C "Orion" Deutsche Seeaufklärer kosten viel und fliegen wenig

Nicht nur ihre Helikopter machen der Marine zu schaffen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen kosteten Umrüstung und Wartung gebrauchter Seeaufklärer bereits mehr als der Kauf. Dabei hat eine der Maschinen erst zweieinhalb Flugstunden absolviert.

Berlin - Mit ihrem Fluggerät hat die deutsche Marine derzeit reichlich Probleme. Im Herbst vergangenen Jahres wurde bekannt, dass zeitweise nur 3 von 43 Marine-Helikoptern einsatzbereit waren, was auch die Anti-Piraterie-Mission "Atalanta" beeinträchtigt. Als behelfsmäßigen Ersatz nannte das Verteidigungsministerium damals acht Seeaufklärer-Flugzeuge vom Typ P-3C "Orion", welche die Bundeswehr 2006 gebraucht von den Niederlanden erworben hatte.

Doch auch die "Orion"-Maschinen waren seit ihrer Anschaffung nur bedingt einsatzbereit. Das geht aus einem Bericht des Verteidigungsministeriums an den Haushaltsausschuss hervor, der SPIEGEL ONLINE vorliegt. Demnach haben die Maschinen allein bis 2014 gut eine Milliarde Euro gekostet. Den größeren Teil machten dabei mit insgesamt 573,3 Millionen Euro Investitions- und Änderungsmaßnahmen sowie die Materialerhaltung aus, die Beschaffungskosten selbst lagen bei 441,52 Millionen Euro.

Trotz der hohen Wartungskosten waren Ende Januar lediglich drei der acht "Orions" einsatzbereit, die übrigen befanden sich in verschiedenen Stadien der Inspektion. Eines der Flugzeuge hat seit 2006 sogar nur zweieinhalb Flugstunden absolviert - seine Instandsetzung wurde laut Bericht aufgrund von "fehlenden Kapazitäten bei der systembetreuenden Industrie" verschoben, bis alle anderen Maschinen bearbeitet wurden. Die Maschine soll nun im März 2016 fertig sein - also zehn Jahre nach dem Kauf.

Offenbar entsprach das Geschäft mit den Niederländern in vieler Hinsicht nicht den Erwartungen der Bundeswehr. Allein die Grundbeschaffungskosten für die "Orions" lagen dem Bericht zufolge um 99,5 Millionen Euro über der eigentlichen Planung. Zum Teil scheint es sich bei dem Material um regelrechten Ramsch gehandelt zu haben. So war im Paket auch ein Teststand für Triebwerke enthalten, der aber sei "aufgrund seines Zustands in Deutschland nicht in die Nutzung zu bringen" gewesen.

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Seeaufklärer "Orion": Ein teurer Gebrauchtkauf

Foto: DPA/Marine

Die Bundeswehr wollte daraufhin einen eigenen Teststand bauen. Der Bundesrechnungshof bezweifelte jedoch denn Sinn des Vorhabens, da "nicht die Triebwerkswechsel, sondern der schlechte technische Zustand der Flugzeuge" das Problem sei. Derzeit läuft eine von der Behörde geforderte Prüfung der Wirtschaftlichkeit, ein Ergebnis soll es in diesem Jahr geben.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte den Bericht am Freitag nicht kommentieren. Bei "Atalanta" seien derzeit ohnehin keine deutschen "Orions" im Einsatz, sagte er. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte im Herbst vergangenen Jahres zwei Arbeitsgruppen eingesetzt, um die Probleme mit Fluggeräten der Bundeswehr aufzuklären. Für Entwicklung, Beschaffung und Materialerhaltung des "Orion"-Programms plant das Ministerium bis 2020 dem Bericht zufolge weitere 904 Millionen Euro ein.

Die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Gesine Lötzsch (Linke), kritisierte die hohen Kosten für "Orion" scharf. "Jeder Bürger, der einen Gebrauchtwagen kauft, scheint offensichtlich mehr Sachverstand zu haben als die Militärs, die diese Schrottflugzeuge gekauft haben", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "Es ist an der Zeit, dass diese grobe Verschwendung von Steuermitteln dienstrechtliche Konsequenzen hat."

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