Kampf gegen Steuerflucht Cameron bestellt Chefs der britischen Steueroasen ein

Der britische Premier David Cameron erhöht den Druck auf die britischen Steueroasen: Vor dem G-8-Gipfel in Nordirland lädt er die Regierungschefs der Überseegebiete zu einer Transparenz-Tagung in die Downing Street.

David Cameron: Das Treffen ist vor allem eine politische Geste
AFP

David Cameron: Das Treffen ist vor allem eine politische Geste


Der Gastgeber will einen guten Eindruck machen. Wenige Tage vor dem G-8-Gipfel in Nordirland hat der britische Premierminister David Cameron die Regierungschefs von zehn Steueroasen auf britischem Hoheitsgebiet nach London einbestellt. Das berichtet die britische Tageszeitung "Guardian".

Auf einer Konferenz am 15. Juni sollen sich die Vertreter der Steueroasen zu mehr Transparenz verpflichten. Laut "Guardian" hofft Cameron, dass sie bei dem Anlass die Selbstverpflichtung der OECD-Länder zum automatischen Informationsaustausch in Steuerfragen unterzeichnen. Es ist jedoch noch unklar, ob die Steueroasen dazu bereit sind.

Das Treffen ist vor allem eine politische Geste. Hauptthema des G-8-Gipfels ist der Kampf gegen die Steuerflucht, und Gastgeber Cameron will den Partnern zeigen, dass Großbritannien im eigenen Einflussbereich aktiv ist.

Einige Steueroasen haben bereits bilaterale Abkommen mit einzelnen EU-Ländern und den USA unterzeichnet. Doch jedes Zugeständnis lassen sie sich nur unter größtem Widerstand abringen. Schließlich locken sie internationale Anleger und Unternehmen mit dem Versprechen auf höchste Diskretion. Wird die Anonymität aufgehoben, so das Argument, wandern die Kunden an andere Standorte ab.

Nur ein PR-Manöver?

Bereits im Mai hatte Cameron einen Mahnbrief an zehn Steuerparadiese geschrieben, darunter die Überseegebiete Anguilla, Bermuda, britische Jungferninseln, Cayman Islands, Turks and Caicos Islands, Gibraltar, Montserrat sowie die Crown Dependencies Jersey, Guernsey und Isle of Man. Sie alle sind quasi-unabhängig, mit eigenem Parlament und eigener Regierung, unterstehen jedoch der britischen Krone. In dem Brief hatte Cameron die Inseln aufgefordert, "unser Haus in Ordnung zu bringen".

Mit dem Londoner Steueroasen-Gipfel will Cameron den Druck weiter erhöhen. Dabei hat er auch einen direkten Weg, seinen Einfluss auf den Inseln geltend zu machen. Schließlich hat jede Insel neben dem gewählten lokalen Regierungschef auch einen von Großbritannien ernannten Gouverneur. Dieser repräsentiert das Staatsoberhaupt, die Queen, und kann die Wünsche der britischen Regierung kommunizieren.

Laut "Guardian" gibt es in der Downing Street unterschiedliche Meinungen, wie viel Druck man auf die Inseln ausüben sollte. Der Stab des Premierministers ist demnach entschlossener als das Finanzministerium. Kritiker wie das Tax Justice Network hingegen haben Cameron im Verdacht, die Sache nicht ernst zu nehmen und nur ein PR-Manöver zu organisieren. Bislang hat die britische Regierung die Steueroasen stets gewähren lassen, weil sie eng mit der Londoner Finanzbranche verknüpft sind und neues Kapital in die City spülen.

cvo



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pablocremer 05.06.2013
1. Die Frage ist
doch wohl eher, warum Stuereoasen existieren und immer bestehn werden? Vielleicht sollte man die Ausbeutung der Buerger durch die Steuergier der westlichen Staaten stoppen?
localpatriot 05.06.2013
2. Mit Vorsicht geniessen
Zitat von sysopAFPDer britische Premier David Cameron erhöht den Druck auf die britischen Steueroasen: Vor dem G-8-Gipfel in Nordirland lädt er die Regierungschefs der Überseegebiete zu einer Transparenz-Tagung in die Downing Street. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/cameron-bestellt-chefs-der-britischen-steueroasen-ein-a-903944.html
Steueroasen sind ein wirtschaftlicher Vorteil fuer GB und seine Banken. Der Gipfel wird vermutlich eher dazu dienen dem PM Munition zur Selbstverteidigung zu liefern. Und so lange die Grossbanken in allen Staaten der EU und der Welt da fleissig mitmachen und die Superreichen das von Nutzen sehen, wird sich daran auch nichts aendern. Britische Premier Minister waren schon immer schlaue Burschen im Vergleich zu vielen deutschen Kanzlern.
humbahumba 05.06.2013
3.
Zitat von pablocremerdoch wohl eher, warum Stuereoasen existieren und immer bestehn werden? Vielleicht sollte man die Ausbeutung der Buerger durch die Steuergier der westlichen Staaten stoppen?
Aus dem gleichen Grund wieso es immer Geschwindigkeitskontrollen geben wird: Weil es immer Leute gibt die sich um gesellschaftliche Regeln einen Dreck scheren, ganz egal wie diese aussehen. In ihrem letzten Satz wussten Sie wohl selber nicht was Sie sagen wollten. Aber hauptsache mal getrollt. Dann siedeln Sie doch in die "östlichen" Staaten wenn Sie glauben da gibt es keine Steuern und das Leben ist besser als im "steuergierigen Westen". Sie werden ihr blaues Wunder erleben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.