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25. Juni 2014, 06:04 Uhr

Kommentar zum Hauptstadtflughafen

Die peinlichste Baustelle Deutschlands

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Selbst wenn ab jetzt alles glattgehen sollte - von den bisherigen Pannen wird sich der Hauptstadtflughafen nie mehr erholen. Am besten wäre ein Neustart an einem anderen Standort. Und mit anderen Verantwortlichen.

Als Hartmut Mehdorn die Verantwortung für die Flughafengesellschaft übernahm und versprach, den Bau des neuen Hauptstadtflughafens zu einem guten Ende zu führen, wusste er offensichtlich nicht, worauf er sich einließ. Wie chaotisch es tatsächlich hinter den Kulissen zugegangen war, vermochten sich selbst notorische Schwarzseher kaum in ganzem Ausmaß auszumalen.

Seit Mehdorns Amtsantritt kommen nun fast im Monatsrhythmus neue Details ans Licht, die nicht nur belegen, wie schlecht die Verantwortlichen geplant und koordiniert haben. Auch bei der Auswahl der Subunternehmer versagten offensichtlich die simpelsten Kontrollmechanismen. Jetzt wurde klar, dass der Beauftragte für die Planung der Entrauchungsanlage, Alfredo Di Mauro lediglich einen Abschluss als technischer Zeichner vorweisen konnte. Eine ehrenwerte Qualifikation, keine Frage - aber für die Berechnung einer so komplexen Anlage, von der im Ernstfall die Sicherheit Tausender Menschen abhängt, braucht es einen Ingenieur.

In einem zweiten Fall verletzte ein Planungsbüro der ehemals federführenden Planungsgesellschaft BBI jede Sorgfaltspflicht bei der Entsorgung von vertraulichen Unterlagen. Seriöses Geschäftsgebahren geht anders.

Die Kaskade der Enthüllungen hat einen verhängnisvollen Effekt: Selbst wenn der Hauptstadtflughafen eines Tages doch in Betrieb gehen sollte, nachdem die vielen technischen Mängel behoben sind - sein Image als peinlichste Baustelle Deutschlands wird er nie wieder los. Der Flughafen als die Visitenkarte einer Stadt - was München, Singapur oder Hongkong gelungen ist, wird Berlin versagt bleiben.

Auch das finanzielle Desaster, das Politik und Flughafengesellschaft zu verantworten haben, lässt sich nicht mehr reparieren. Die jüngste Zwischenkalkulation liegt bei 5,4 Milliarden Euro, doch auch diese monströse Summe wird kaum zu halten sein. Und selbst wenn es dabei bliebe, wäre die Zinslast so hoch, dass der Flughafen sie selbst bei voller Auslastung nie erwirtschaften könnte.

Vielleicht wäre die Radikallösung am Ende die beste: eine Umwidmung zum Mahnmal für provinziellen Größenwahn.

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