Geld-Anreize für Operationen Kliniken müssen Chefarztverträge offenlegen

Operieren für den Bonus: Viele Krankenhäuser bezahlen ihren Chefärzten üppige Gehaltszulagen, wenn die Zahl lukrativer Behandlungen steigt. Künftig müssen sie solche finanziellen Anreize allerdings transparent machen. So soll das Risiko unnötiger Eingriffe sinken.
Arzt im Operationssaal: Finanzielle Anreize müssen offengelegt werden

Arzt im Operationssaal: Finanzielle Anreize müssen offengelegt werden

Foto: dapd

Berlin - Wenn Kliniken ihren Chefärzten finanzielle Anreize für eine bestimmte Anzahl an Eingriffen setzen, müssen sie dies künftig offenlegen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen beschlossen, teilten die Kassen mit. Die Transparenzpflicht soll Patienten besser vor unnötigen Operationen schützen.

Fast die Hälfte aller neu geschlossenen Chefarzt-Verträge enthalten einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum zufolge derartige Boni-Klauseln. Meistens sehen die darin enthaltenen Zielmarken eine Steigerung vor - konkret also zum Beispiel zehn Prozent mehr künstliche Kniegelenke.

Solche Chefarztverträge wurden in der Vergangenheit auch von Chirurgen selbst scharf kritisiert. Denn wenn Ärzte mehr Geld für viele Eingriffe in einem Bereich bekommen, so die Befürchtung, finden auch mehr Operationen ohne ausreichenden medizinischen Grund statt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft gab deshalb bereits Empfehlungen gegen einen derartigen Mechanismus heraus.

Künftig soll die Existenz solcher Chefarztvereinbarungen in einem Krankenhaus nun auch im Internet überprüft werden können, teilten die Kassen mit. Sollten Kliniken in ihren verpflichtenden Berichten über die Qualität ihrer Behandlungen unvollständige Angaben machen oder solche Berichte ganz fehlen, müssten sie zudem mit Sanktionen rechnen.

Diese Strafmöglichkeiten sind laut dem Vizechef des Kassen-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, offenbar auch nötig: "Leider ist die Bereitschaft zur Qualitätstransparenz nicht überall gleichermaßen vorhanden."

fdi/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.