Chefsuche Brüderle liebäugelt mit deutschem IWF-Kandidaten

Wer wird neuer IWF-Chef? Die Suche nach dem Nachfolger von Dominique Strauss-Kahn sorgt in Deutschland für Zündstoff: CDU-Chefin Angela Merkel erntet Kritik, weil sie Sympathie für eine französische Kandidatur zeigt. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle kann sich auch deutsche Anwärter vorstellen.

FDP-Fraktionschef Brüderle: "Ich kann mir auch deutsche Kandidaten vorstellen"
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FDP-Fraktionschef Brüderle: "Ich kann mir auch deutsche Kandidaten vorstellen"


Berlin - Im Rennen um den Chefposten des Weltwährungsfonds (IWF) spricht alles für die Kandidatin Frankreichs. Für Kanzlerin Angela Merkel wäre das eine Schlappe: Wieder einmal würden die Deutschen bei der Vergabe eines internationalen Top-Jobs leer ausgehen.

Immerhin zeigt nun ein deutscher Spitzenpolitiker ein wenig Kampfgeist. Rainer Brüderle signalisiert Interesse an einer deutschen Kandidatur. "Ich kann mir auch deutsche Kandidaten vorstellen", sagte der FDP-Fraktionschefs am Montag in Berlin. Namen wollte er nicht nennen: "Mir fallen viele ein, aber ich nenne keinen."

Brüderle distanziert sich damit ein Stück weit von der Bundeskanzlerin. Angela Merkel (CDU) hatte zuvor durchblicken lassen, dass sie die französische Finanzministerin Christine Lagarde für geeignet halte - das sei aber keine "Bestätigung einer Kandidatur". Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich für Lagarde aus.

Brüderle nannte Lagarde eine "starke Kandidatin". Es sei richtig, dass Europa den Posten erneut für sich reklamiere, weil der IWF tief in die Euro-Rettung eingebunden sei. Auch die meisten IWF-Kredite würden nach Europa vergeben. "Insofern ist die Besetzung der IWF-Spitze schon von einer besonderen Bedeutung."

Ökonomen kritisieren Merkels Kandidatenkurs

Brüderle ist mit seinem Pro-Deutschland-Kurs nicht allein. Auch Ökonomen warfen Merkel mangelnden Einsatz für einen deutschen Kandidaten vor. Deutschland habe durchaus eine Reihe erfahrener Persönlichkeiten aufzubieten, die man ins Spiel bringen könne, sagte der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, dem "Handelsblatt".

Mögliche Anwärter seien Altkanzler Gerhard Schröder, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber und der Chef der Osteuropa-Bank EBWE, Thomas Mirow. Der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion Michael Fuchs brachte Josef Ackermann ins Gespräch. "Wenn jemand ökonomischen Sachverstand und internationale Erfahrung hat, dann gerade auch der Deutsche-Bank-Chef", sagte der CDU-Politiker.

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Nachfolgedebatte: Kandidaten für IWF-Chefposten
Für IZA-Chef Zimmermann zeigt sich in der deutschen Zurückhaltung in der IWF-Personaldebatte ein Versagen der Politik. "Bei allem wirtschaftlichen Erfolg und der daraus erwachsenden politischen Stärke sind unsere Vorstellungen und Orientierungen zu sehr nach Innen orientiert und deshalb provinziell", sagte der frühere Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Auch der Krisenökonom Max Otte beklagte, dass Deutschland traditionell in den internationalen Institutionen unterrepräsentiert sei. "Die deutschen Regierungen haben selten aktiv deutsche Kandidaten und Interessen durchgesetzt."

Mexiko schickt eigenen Kandidaten ins Rennen

Während Europa noch diskutiert, macht Mexiko schon Nägel mit Köpfen: Das Land schlägt seinen Zentralbankchef Agustín Carstens als Nachfolger von Dominique Strauss-Kahn vor. Das teilte Finanzminister Ernesto Cordero am Sonntag in Mexiko-Stadt mit.

Cordero forderte den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf, die Entscheidung über den Chefposten in einem offenen und transparenten Prozess zu behandeln. Carstens, der sowohl beim IWF als auch in der Weltbank in herausragender Funktion tätig gewesen sei, verfüge über alle Voraussetzungen, um den IWF anzuführen, hieß es in der Mitteilung des Ministers.

Bis Ende Juni will der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Nachfolger für den wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Strauss-Kahn gefunden haben. Als Favoritin gilt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Traditionell fällt der IWF-Chefposten an einen Europäer, der Stellvertreterposten geht an einen Amerikaner. Allerdings haben auch die immer wichtiger werdenden Schwellenländer eine Mitsprache beim IWF-Vorsitz angemeldet, darunter China, Brasilien und die Philippinen.

ssu/dpa-AFX

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selber_denken 23.05.2011
1. Liebe Redaktion
Man schreibt nicht "Bis Ende Juni will der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Nachfolger für den wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Strauss-Kahn gefunden haben", sondern "für den von seinem Amt zurückgetretenen Strauss-Kahn gefunden haben." Eine Kleinigkeit, ich weiß. Aber die Summe solcher versteckten Ungenauigkeiten beeinflussen die Meinungsbildung der Leser. Und die sollte doch objektiv und neutral erfolgen, oder?
Tabris2011 23.05.2011
2. brüderle, einfach mal die klappe halten
---Zitat--- Immerhin zeigt nun ein deutscher Spitzenpolitiker einen wenig Kampfgeist. Rainer Brüderle signalisiert Interesse an einer deutschen Kandidatur. "Ich kann mir auch deutsche Kandidaten vorstellen", sagte der FDP-Fraktionschefs am Montag in Berlin. Namen wollte er nicht nennen: "Mir fallen viele ein, aber ich nenne keinen." ---Zitatende--- wer soviel schaden angerichtet hat wie dieser typ sollte einfach mal die klappe halten. im übrigen ist er meines wissen auch nicht mehr wirtschaftsminister und sollte daher den "hallo, ich bin der neue" die chance geben, sich zu profilieren (und zu blamieren). ---Zitat--- Angela Merkel (CDU) hatte zuvor durchblicken lassen, dass sie die französische Finanzministerin Christine Lagarde für geeignet halte - das sei aber keine "Bestätigung einer Kandidatur". Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich für Lagarde aus. ---Zitatende--- und damit ist die kiste eigentlich schon ziemlich klar (obwohl ich mexico die daumen drücke). wozu also noch ein fass aufmachen. dass sträuble und lagarde sich - auch im privaten - sehr gut verstehen und "gut miteinander können" ist allgemein in der deutsch-französischen beziehung bekannt. und daher ist dieser zug richtung iwf bereits abgefahren. dass die lady noch ein verfahren wegen amtsmissbrauch am laufen hat, stört in dessen in der hohen politik sowieso niemand. solche "bomben mit zeitzündern" steckt man in der zeit von korruption und skrupellosigkeit locker weg. [quote)Deutschland habe durchaus eine Reihe erfahrener Persönlichkeiten aufzubieten, die man ins Spiel bringen könnte, sagte der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, dem "Handelsblatt". Mögliche Anwärter seien Altkanzler Gerhard Schröder, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber und der Chef der Osteuropa-Bank EBWE, Thomas Mirow.[/quote] und da macht sich noch jemand für das deutsche finanzkapital stark. was der super-experte wiederum an schröder "kompetent" findet ist mich - sachlich - völlig unerklärlich. schröder ist eine politiker-maske - mehr nicht. von steinbrück wäre zwar schon mehr zu erwarten, aber naja - warum sollte cdu-merkel bitteschön spd-steinbrück auf solche hochdozierten posten hieven wollen 8von können ist hier micht die rede). axel weber wäre zumindest ein name der kompetenz ausstrahlt. wo der sich hingegen herumtreibt weiss keiner und welche pläne er hat ebenso wenig. blieb noch der herr thomas mirow, dessen namen ich zumindest zum ersten mal lesen. muss wohl eine globale berühmtheit sein. bliebe so ganz unbenannt und daher auch ganz ungewöhnlich der herr ackermann - die universale allzweckwaffe des deutschen finanzkapital. aber der wird ja schon gehandelt als protektorat für die deutsche hochheitsverwaltung der neokolonie griechenland. und das geht natürlich nicht, da könnte ggf. ja die interessen kollidieren.
Hupert 23.05.2011
3. ...
Das kann sich der Herr Brüderle also vorstellen? Ich kann mir dagegen zum Thema Brüderle auch ne ganze Menge vorstellen. Einfach mal die Klappe halten zum Beispiel und seinen machtgeilen Rüssel nicht in jede noch so kleine aufmerksamkeitswirksame Pfütze hängen. Oder einfach endlich mal seine politische "Karriere" beenden. Er könnte sich seine 15 Minuten dann kalauernd auf irgendwelchen Weinfesten zusammenklauben und wir hätten endlich alle Ruhe.
hazadeur 23.05.2011
4. .
Zitat von sysopWer wird neuer IWF-Chef? Die Suche nach dem Nachfolger von Dominique Strauss-Kahn sorgt in Deutschland für Zündstoff: CDU-Chefin Angela Merkel*erntet Kritik,*weil sie Sympathie für eine französische Kandidatur zeigt. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle kann sich auch deutsche Anwärter vorstellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,764279,00.html
Natürlich kann sich Brüderle einen deutschen Kandidaten vorstellen: Brüderle (FDP) Sonst sind diese Posten doch gar nicht so doll. Immerhin leidet das Image von Frankreich auch unter der Strauss-Kahn-Affaire. Einen Nutzen hat man als Nation ja nur dann, wenn der Posten durch einen fähigen und integren Menschen besetzt ist. Da aber die Posten nicht nach Kompetenz sondern nach politischen Geschachere vergeben werden, ist so ein Posten doch immer ein Pulverfass und man (eine Nation) hat besser Nichts damit zu tun. Für Deutschland reicht daher ein EURO-freundlicher Vertreter mit Verständnis für reiche Industriestaaten. Aus welchem Land der kommt, ist dann eher egal.
opitz, 23.05.2011
5. Wolfgang for IWF
Ich verstehe die Kanzlerin nicht: wir haben herausragende Finanzexperten in Deutschland - und Wolfgang Schaeuble ist einer der Besten! Er kennd die Materie seit Jahrzehnten, kann messerscharf analysieren und knallhart verhandeln! Er waere meiner Meinung nach die ideale Besetzung fuer den IWF-Posten. Aber natuerlich geht Mutti damit ein weiterer Spitzenpolitiker floeten... und das wird daher nicht wirklich passieren. Da geht wieder einmal Konsens vor Kompetenz, fuerchte ich...!
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