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10. Januar 2016, 19:11 Uhr

Wirtschaftskrise

Für China stellt sich die Systemfrage

Eine Kolumne von

Lange galt das chinesische Modell als Alternative zur westlichen Marktdemokratie - eine fruchtbare Verbindung von wirtschaftlicher Dynamik und staatlicher Planung. Doch die Reaktionen auf das Börsenbeben lassen an der Weisheit der Technokraten zweifeln.

"China hat eine Generation Zeit, um reich zu werden. Die Pekinger Führung wird deshalb alles tun, um das Wachstum auf Touren zu halten." Zwei Sätze, die sich mir eingeprägt haben, gesprochen vom Chefstrategen eines der größten Staatsfonds der Welt. Knapp zehn Jahre ist das her; ich hatte ihn zu einem vertraulichen Gespräch in einem Londoner Hotel getroffen. Die Pekinger Führung, sagte er, werde um jeden Preis die Wirtschaft stützen. So lange, bis irgendwann die Alterung der Gesellschaft einsetze und das Wachstum bremse.

Damals, 2006, diskutierten wir die Frage, wie lange China wohl noch den Wechselkurs seiner Währung manipulieren und das gigantische Handelsdefizit der USA finanzieren werde. Seine Antwort: sehr lange. Hauptsache: Wachstum, Hauptsache: Jobs, Hauptsache: steigende Einkommen - auf dass es die Herrschaft der Kommunistischen Partei sichere.

Es war ein dreiseitiger Deal - zwischen der Führung, dem chinesischen Volk und der globalen Geschäftselite. Die Führung versprach den Chinesen Wohlstand, im Gegenzug verzichteten die Bürger auf demokratische Freiheitsrechte. Ein stabiles Arrangement, das globale Investoren so glaubwürdig fanden, dass sie bereit waren, große Summen darauf zu setzen.

Tatsächlich war das chinesische Modell lange Zeit enorm erfolgreich. Es entwickelte globale Strahlkraft, stieg gar zur Systemalternative zur westlichen Marktdemokratie auf, gerade in afrikanischen Ländern, aber auch unter deutschen Industriemanagern. Der entfesselte Kommandokapitalismus chinesischer Prägung schien beides zu verbinden: marktwirtschaftliche Dynamik und weise, vorausschauende Planung durch versierte Technokraten.

Und jetzt das: Die chinesischen Börsen schmieren ab, Kapital fließt ins Ausland, und die Behörden wirken kopflos. Diese Woche brachen sie gleich an zwei Tagen den Handel ab, um den freien Fall der Kurse zu stoppen. Großen Investoren verboten sie zunächst, Papiere zu verkaufen. Dann machten sie die Entscheidung rückgängig, nur um sie kurz darauf abermals zu revidieren. Vertrauenserweckend ist das nicht gerade. Die Marktturbulenzen, meinen denn auch die Volkswirte der Commerzbank, seien weniger darauf zurückzuführen, dass es der chinesischen Wirtschaft objektiv schlechter gehe als bislang bekannt. Sondern darauf, "dass die Anleger zunehmend daran zweifeln, ob die chinesische Führung die Wirtschaft und die Märkte weiter erfolgreich steuern kann".

Die Reserven schrumpfen

Auch der Wechselkurs des Yuan verliert immer weiter an Wert gegenüber dem Dollar. Anders als vor zehn Jahren, als die Notenbank den Kurs niedrig hielt, hat sie sich in den vergangenen Monaten alle Mühe gegeben, den Kurs zu stützen. Ein teure Intervention: Allein im Dezember setzte sie Währungsreserven von mehr 100 Milliarden US-Dollar ein, um eine stärkere Abwertung zu verhindern.

Binnen anderthalb Jahren hat China, das immer noch die größten Währungsreserven der Welt besitzt, rund eine halbe Billion Dollar in die Devisenmärkte gepumpt. Inzwischen aber scheint sich der Abwärtstrend so stark zu beschleunigen, dass die Notenbank lieber die Währung in den Keller rauschen lässt, als ihre Stützungsmaßnahmen aufrechtzuerhalten.

Unendliche Weisheit der chinesischen Wirtschaftsstrategen? Nun ja. Die jetzige Krise hat eine lange Vorgeschichte. Und die ist durchzogen von staatlichen Eingriffen in die Finanzmärkte. Sie beginnt in den Nullerjahren mit massiven Interventionen am Devisenmarkt: Damit die Exportmaschine immer weiter laufen konnte, kaufte die Zentralbank immer größere Mengen an Dollars vom Markt, um die Währung unterbewertet zu halten.

In der Spitze standen Währungsreserven im Wert von fast vier Billionen Dollar in den Büchern. Das sicherte einerseits das schnelle Wachstum der Industrie. Andererseits verzerrte es die Wirtschaftsstrukturen: Chinas Wirtschaft wurde extrem abhängig vom Export und hat über Jahre zu viel investiert.

Ein Boom auf Pump

Als in der Rezession von 2008/09 das Wirtschaftswunder jäh zu Ende zu gehen drohte, entfachte Peking einen binnenwirtschaftlichen Boom, der vor allem auf Pump finanziert war. Die Kreditvergabe sei "seit der globalen Finanzkrise dramatisch gestiegen", so der Internationale Währungsfonds. Insbesondere die Unternehmen sind hoch verschuldet.

Das Geld kam auch von jenseits der Grenzen: Rund eine Billion Dollar haben ausländische Banken China seit 2010 geliehen, rechnete kürzlich die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich vor; kein anderes Schwellenland hat höhere Auslandsverbindlichkeiten.

Ein endliches Spiel, dessen Folgen nun unübersehbar sind: große Überkapazitäten in der Industrie, Preisverfall, leerstehende Immobilien, Schulden. Die Auswirkungen erschüttern derzeit die Weltwirtschaft.

Dass es bei allen unbestreitbaren Qualitäten der chinesischen Volkswirtschaft so weit kommen konnte, liegt nicht zuletzt an den Einmischungen der Politik, die stets das Ziel verfolgte, das Wirtschaftswunder in Gang zu halten - auch zu einem Zeitpunkt, als bereits absehbar war, dass die rasche Industrialisierung und Verstädterung an Grenzen nicht unendlich weitergehen könnte.

Ob in China weise Technokraten am Werk waren, darf bezweifelt werden. Ebenso, ganz prinzipiell, ob ein mächtiger Staat in einem System ohne freie Meinungsäußerung, ohne freie Presse, ohne vehemente öffentliche Kritik vernünftig funktionieren kann.

Gut möglich, dass der Deal zwischen Führung, Volk und Big Business weiterhin hält, auch wenn er im Zuge der notwendigen Anpassungen derzeit einem Stresstest unterzogen wird. Das chinesische Modell des Kommandokapitalismus jedoch wird schwerlich in anderen Ländern als Vorbild dienen können.

MONTAG

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DIENSTAG

DÜSSELDORF - Weihnachtsbilanz - Der Einzelhandel war mit dem Weihnachtsgeschäft hochzufrieden. Nun legt Metro Umsatzmeldung für Weihnachtsquartal 2015 vor.

TOULOUSE - Herren des Fliegens - Airbus bittet zur Jahrespressekonferenz.

MITTWOCH

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DONNERSTAG

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HAMBURG - Nivea und Co. - Beiersdorf veröffentlicht vorläufige Zahlen zum Geschäft 2015.

CHICAGO - Viele Handvoll Dollars - Quartalszahlen der US-Großbank JP Morgan Chase.

FREITAG

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BERLIN - Bauern-Business - Beginn der Internationalen Grünen Woche.

NEW YORK/SAN FRANCISCO - Zahlen, bitte! - Die US-Großbanken Citigroup und Wells Fargo legen Geschäftszahlen vom abgelaufenen Quartal vor.

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