Energiekrise China mobilisiert fast alle Kohlekraftwerke

Wegen der globalen Energiekrise lässt die Volksrepublik China ihre Kohlekraftwerke auf Hochtouren laufen. Die Belastung für das Klima ist beträchtlich.
Schornsteine eines Kohlekraftwerks im chinesischen Harbin (2019)

Schornsteine eines Kohlekraftwerks im chinesischen Harbin (2019)

Foto: Jason Lee/ REUTERS

Damit sich ein Energieengpass nicht wiederholt, will China in diesem Jahr mehr Kohle verbrauchen. Die Meiler sollen unterstützt werden, mit voller Kapazität zu arbeiten, sagte Chinas Regierungschef Li Keqiang in einer Rede zur wirtschaftlichen Lage.

Die Belastung für das Klima dürfte beträchtlich sein. Denn Kohlekraftwerke stoßen bis zu doppelt so viel Kohlendioxid aus wie Gaskraftwerke. Der Strombedarf für die industrielle Produktion und für private Haushalte müsse aber gedeckt werden, sagte Li.

Im vergangenen Sommer und Herbst hatte es immer wieder Berichte über Stromknappheit in Teilen des Landes gegeben. Mehrere Ursachen wurden dafür genannt:

  • Um seine Klimaziele zu erreichen, hatte Peking eigentlich angeordnet, Emissionen strikt zu reduzieren. Lokalregierungen hatten deshalb begonnen, Strom zu rationieren.

  • Auch hohe Preise für Kohle und ein ungewöhnlich großer Energiebedarf der Industrie, die wegen Nachholeffekten nach der Coronakrise Bestellungen aus aller Welt abarbeiten musste, wirkten sich negativ auf die Versorgungslage aus.

  • Hinzu kommen die hohen Preise auf dem Gasmarkt, derentwegen die chinesischen Importe von Flüssiggas zurückgegangen  sind.

Chinas Ankündigung bedeutet einen zumindest zeitweiligen energiepolitischen Kurswechsel. Staatschef Xi Jinping hatte eigentlich erst vergangenen Herbst verkündet, keine neuen Kohlekraftwerke mehr im Ausland bauen zu wollen. Auch im eigenen Land forciert die Kommunistische Partei den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Nach Berechnungen des deutsch-chinesischen Beratungsbüros AECEA dürften wegen eines Regierungsprogramms allein bis Ende 2023 zusätzliche Solar-Dachanlagen mit einer Spitzenleistung von rund 170 Gigawatt installiert werden. (Ein Gigawatt entspricht grob der Kapazität eines Atomkraftwerks – wobei Solaranlagen nicht 24 Stunden am Tag Strom erzeugen, sondern nur, wenn Sonnenlicht auf sie scheint.)

Die Volksrepublik exportiert ihre Erneuerbare-Energien-Produkte inzwischen in alle Welt. Globaler Marktführer für Fotovoltaik ist sie schon länger. Beim Bau neuer Wasserkraftwerke ist sie in rund 70 Prozent  aller aktuellen weltweiten Projekte engagiert. Auch Windräder will das Land bald im großen Stil exportieren.

ssu/dpa
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