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12. April 2019, 12:20 Uhr

Signale der Erholung

Chinas Exporte sind im März stark gestiegen

Für rund die Hälfte aller Waren, die China in die USA liefert, sind inzwischen zusätzliche Zölle fällig. Dennoch konnte das Land seine Ausfuhren im März kräftig steigern. Dafür ist die Inlandsnachfrage stark zurückgegangen.

Überraschend gute Handelsdaten aus China schüren die Hoffnung auf eine Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Denn die chinesischen Exporte sind im März unerwartet stark gestiegen. Nach einem Einbruch im Februar legten die Ausfuhren - berechnet in US-Dollar - um 14,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, teilte der chinesische Zoll mit. In chinesischen Yuan gerechnet gab es sogar einen Zuwachs von 21,3 Prozent.

"Insgesamt sieht es gut aus", bewertete der Wirtschaftsprofessor Huang Weiping von der Volksuniversität in Peking die Zahlen. "Die Zuversicht ist zurück, und die Wirtschaft scheint stabil." Er führte die Entwicklung auf die Maßnahmen der Regierung wie die Ankurbelung der Investitionen zurück. Die Nachfrage in China sei wegen der Unsicherheiten durch den Handelsstreit mit den USA aber "noch nicht stark genug".

Marktbeobachter führen Chinas überraschend starke Exporte im März auch auf das chinesische Neujahrsfest im Vormonat zurück. Da das Land während der Feiertage praktisch zum Stillstand kommt, verschiebt sich der Handel. Im Februar waren die Ausfuhren um 20,8 Prozent eingebrochen. Somit wäre die Erholung eher saisonal. Doch haben auch Signale der Entspannung im Handelsstreit zwischen China und den USA für Optimismus gesorgt, obwohl die Verhandlungen nur langsam vorankommen.

Im ersten Quartal erreichten Chinas Exporte insgesamt einen leichten Zuwachs um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Importe fielen um 4,8 Prozent, so dass der Handelsüberschuss seit Jahresanfang sogar um 70,6 Prozent auf 76 Milliarden US-Dollar anstieg. Allein im März verringerten sich die Importe in US-Dollar um 7,6 Prozent. Einer der Gründe ist die geringere Nachfrage durch das verlangsamte Wachstum in China.

Im vergangenen Jahr legte das BIP in der Volksrepublik nur um 6,6 Prozent zu - so wenig wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für das laufende Jahr ein Wachstum in China von 6,3 Prozent voraus. Weltweit wird wegen der Streitigkeiten der USA mit seinen Handelspartnern sowie wegen des Brexits nur noch mit 3,3 Prozent Wachstum gerechnet - nach 3,6 Prozent im Vorjahr.

China und die USA haben sich im vergangenen Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Die USA fordern mehr Marktzugang in China, eine Verringerung des US-Handelsdefizits sowie einen besseren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, was den Markt verzerrt.

mmq/dpa-AFX

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