Fotos von Wanderarbeiterinnen Wie Chinas Frauen schuften 

Hunderte Millionen Frauen in China verdingen sich als Wanderarbeiter - so wie Ou Mei. Seit ihr Sohn das Haus verließ, folgt sie ihrem Mann quer durch das Riesenreich. Der Fotograf Aly Song hat den harten Alltag Ous und ihrer Kolleginnen auf einer Großbaustelle in Shanghai dokumentiert.

REUTERS

Hamburg - Eigentlich wollte Aly Song eine ganz andere Geschichte einfangen, als er die Baustelle einer riesigen Wohnsiedlung in Shanghai betrat: Der chinesische Reuters-Fotograf erhoffte sich, mit seiner Kamera dokumentieren zu können, wie die vielen Wanderarbeiter ihre Freizeit nutzten. Doch nach den langen Zwölf-Stunden-Schichten kehrten die Arbeiter stets nur in ihre Baracken zurück, aßen, plauderten - und fielen in ihre Betten.

Song war allerdings erstaunt über die vielen Frauen, die er hart arbeitend auf der Baustelle sah, und entschied sich, sie und ihren Alltag in der Fremde zu zeigen. Mehrmals besuchte er sie im Juli und August dieses Jahres.

Tatsächlich stellen Frauen etwa ein Drittel der Hunderte Millionen Wanderarbeiter in China. Viele von ihnen sind mittleren Alters, oft haben sie bereits Kinder großgezogen. Nun müssen sie sich mit harter körperlicher Arbeit verdingen, weil das Geld, das ihre Ehemänner nach Hause schicken, nicht reicht.

Als ungelernte Arbeiterinnen verdienen Frauen oft wesentlich schlechter als Männer - mit 13 bis 21 Dollar am Tag sind es rund 30 bis 50 Prozent weniger. Zudem werden viele von ihnen - im Gegensatz zu den Männern - nur schwarz beschäftigt. Dennoch zeigten sich viele Frauen, die Song befragte, nicht unglücklich mit ihrer Arbeit, trotz der Anstrengung und der schlechten Bedingungen auf der Baustelle.

Ein Detail fiel Fotograf Song besonders auf: "Wonach sich die Frauen - anders als die Männer - jeden Tag nach einer Zwölf-Stunden-Schicht besonders sehnten, war eine schöne Dusche."

fdi/Reuters



insgesamt 41 Beiträge
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cekay1 17.09.2013
1. .
Hallelujah, ein einfacher Artikel über China ohne blöde negative Stereotypen! Hätte ein Spiegeljournalist natürlich nie hinbekommen.
Artgarfunkel 17.09.2013
2.
Tja, DAS nenne ich mal Frauenquote! Bei uns wollen die Damen ja nur die "schönen" Jobs annehmen. Bitte weiter thematisieren, damit sich unsere Gesellschaft endlich mal ein Beispiel daran nimmt.
Prellbock 17.09.2013
3. optional
Na, das ist China bei der Gleichberechtigung um einiges weiter als Deutschland :D
keule³² 17.09.2013
4. fein fein...
das nenne ich gelebte Gleichberechtigung. So würde ich mir das auch in D wünschen. Rosinen rauspicken ist hier leider ein Leichtes
klaus64 17.09.2013
5. Einige geschönte Passagen
Aus der Kenntnis von Baustellen in China seit 16 Jahren möchte ich folgendes bemerken: 1. Die Fotos der Frauen sind gestellt. Die Frauen haben sich für die Fotos "extra" gut angezogen 2.Löhne von 13 - 21 USD ( x 6,2 = ...RMB) erscheinen mir deutlich überhöht. Löhne habe sich z.T. verzehnfacht, noch vor 15 Jahren wurde für 1 -1,5 USD/Tag auf Baustellen geschuftet. 3. Die schöne Dusche bleibt den meisten wohl nur als Wunschtraum. 4. Die Fotos sind auf einer großen, stationären "Baustelle" in einer Großstadt entstanden. 5. Ein Journalist ist eben von seinem politischen Umfeld abhängig und so sieht dann die Berichterstattung auch aus - keine andere Wahl !
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