Konjunktur Schlechte Wirtschaftsdaten verstärken Sorge um Chinas Wachstum

Chinas Währung wertet ab - und weltweit geraten die Märkte unter Druck. Neue Daten belegen, wie gravierend die Wirtschaft der Volksrepublik schwächelt.

Arbeiter auf einer chinesischen Baustelle: Staatsführung unter Druck
REUTERS

Arbeiter auf einer chinesischen Baustelle: Staatsführung unter Druck


Erst der Börsencrash, nun die Yuan-Abwertung - zunehmend wird deutlicher, dass Chinas Wirtschaft ernste Probleme hat. Wie es im Detail um sie bestellt ist, lässt sich allerdings schwer abschätzen - auch weil die Staatsführung immer wieder interveniert. Viele Beobachter halten die offiziellen Daten des chinesischen Statistikamtes für geschönt. Doch selbst diese Zahlen stimmen nicht besonders optimistisch.

Denn Chinas Wirtschaft hat im Juli den offiziellen Zahlen zufolge in fast allen Bereichen geschwächelt. Das Wachstum der Industrieproduktion hat sich im Juli auf sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat abgeschwächt. Im Juni lag das Plus noch bei 6,8 Prozent.

Auch die Anlageinvestitionen - etwa in neue Fabriken - fielen zuletzt schwächer als erwartet aus. Sie legten von Januar bis Juli im Vergleich zum Vorjahr um 11,2 Prozent zu. Das ist das geringste Plus seit fast 15 Jahren. Experten hatten mit 11,5 Prozent gerechnet.

Der Einzelhandel meldete ein Umsatzplus von 10,5 Prozent für Juli im Vergleich zum Vorjahr, womit die Prognose von 10,6 Prozent knapp verfehlt wurde. Die Autoverkäufe gingen um 7,1 Prozent zurück, obwohl Händler massiv Preise senkten. Auch der deutsche Autobauer BMW bekam die Flaute zu spüren. Die Verkaufszahlen des Konzerns brachen im Juli in China um 6,2 Prozent ein.

Die neuen Statistikdaten schüren die Sorgen vor einem immer stärker nachlassenden Wachstum. Zudem steigt dadurch der Druck auf die Regierung, weitere Schritte zu ergreifen, um einen noch schärferen Rückgang der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft zu verhindern.

Yuan-Scheine: Chinesische Führung will die Landeswährung schwächen
REUTERS

Yuan-Scheine: Chinesische Führung will die Landeswährung schwächen

Die chinesische Notenbank hat die Landeswährung bereits am Dienstag um 1,9 Prozent abgewertet, um den heimischen Exporteuren das Leben zu erleichtern. Zuletzt waren die Ausfuhren Chinas überraschend stark um 8,3 Prozent gefallen.

"Diese Art von Daten untermalen nur die negative Einschätzung, die jeder über die Wirtschaft hat", sagte Louis Kuijs, der bei der Royal Bank of Scotland der Chefökonom für China ist. Damit werde es sehr schwer, das offizielle Ziel von sieben Prozent Wachstum in diesem Jahr zu erreichen, sagte Kuijs. Ein Plus von sieben Prozent wäre ohnehin das schlechteste seit einem Vierteljahrhundert. Experten gehen angesichts der jüngsten Daten davon aus, dass es 2015 möglicherweise nur für 6,5 Prozent reicht.

Solche Wachstumsraten erscheinen aus Sicht von Industrieländern wie Deutschland extrem hoch. In einem Schwellenland wie China, das noch viel Aufholbedarf hat, ist hohes Wachstum aber wichtig.

Am heutigen Mittwoch wertete die chinesische Währung nochmals um weitere 1,6 Prozent ab. Der Yuan fiel auf ein Vierjahrestief. An den Aktienmärkten sorgt das für heftige Verluste. Der Dax Chart zeigen sackte zwischenzeitlich unter die Marke von 11.000 Punkten. Auch die Börsen in Frankreich und in Asien rutschten ins Minus.

mmq/Reuters

insgesamt 53 Beiträge
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wuxu 12.08.2015
1. Ganz normal
Jede Wirtschaft ist Konjunkturzyklen ausgesetzt. Da wird China keine Außnahme sein und das ist auch kein Grund zur Sorge.
mapomuc01 12.08.2015
2. Voraussehbar
Derartige Rückschläge sind doch voraussehbar. Ich wundere mich immer wieder über angebliche Experten, die die Gegenwart immer einfach in die Zukunft projezieren und dann überrascht sind, wenn es anders kommt. Wachstumsrückgänge sind vielleicht für den gesamten Globus nicht schlecht, denn ansonsten könnte der Wachstums-Fetischismus uns noch schneller an der Rand der Verträglichkeit bringen. Wo sind die Experten, die Wege aufzeigen, mehr Menschen ein würdiges Dasein zu gewährleisten ohne alle Resourcen zu verbrauchen.
marthaimschnee 12.08.2015
3.
Die Daten aus China können uns nichts anhaben, unser Aufschwung ist robust! tönte es noch vor wenigen Tagen. Scheint nicht der Fall zu sein!
aaaron 12.08.2015
4. Ach so: Einzelhandelsumsätze nur plus 10,5 %
Und das bei einer Inflationsrate von nur 1,4 %. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/176807/umfrage/monatliche-inflationsrate-in-china/ Den Chinesen geht es also erheblich besser als vor einem Jahr. In Deutschland dagegen liegen die realen saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze heute unter denen des Jahres 1994. Und die Kanzlerin kommentiert die Lage mit: "Deutschland geht es gut."
Pfaffenwinkel 12.08.2015
5. Die Bäume
wachsen eben nicht in den Himmel. Auch in China nicht.
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