China Tonnenweise vergiftetes Milchpulver aufgetaucht

Eine neuer Lebensmittelskandal erschüttert die Glaubwürdigkeit der chinesischen Wirtschaft und ihrer Kontrolleure. Die Behörden haben tonnenweise mit Melamin verseuchtes Milchpulver gefunden - darunter auch Restbestände, die bereits 2008 hätten vernichtet werden sollen.

Chinesisches Milchpulver (Archiv): Lieferkette lässt weite Verbreitung vermuten
dpa

Chinesisches Milchpulver (Archiv): Lieferkette lässt weite Verbreitung vermuten


Peking - Die Tragweite des erneuten Giftfunds ist noch gar nicht abzuschätzen: Zwei Jahre nach dem Skandal um verseuchte Milchprodukte sind in China erneut mit Melamin belastete Lebensmittel entdeckt worden. Im Juni fanden die chinesischen Behörden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua in der westchinesischen Provinz Qinghai 64 Tonnen Material für die Herstellung von Milchpulver und 12 Tonnen fertig gestelltes Pulver, die mit Melamin verseucht waren. In einem anderen Fall im nordöstlichen Jilin wurden rund 1000 Packungen Milchpulver aus dem Verkehr gezogen.

Ein Fabrikbesitzer und ein Produktionsleiter wurden festgenommen. Die gefundenen Milchprodukte überschritten die zulässigen Grenzwerte für Melamin um das 500-fache. Die Ausgangsstoffe stammten dem Bericht zufolge aus den Provinzen Shaanxi und Hebei, die Produkte wurden nach Jiangsu und Zhejiang weiterverkauft. Angesichts dieser Lieferkette befürchten die Ermittler jetzt, dass mit Melamin belastete Produkte noch in vielen Teilen des Landes im Handel sind.

Sechs Babys starben

Im Herbst 2008 waren in China fast 300.000 Säuglinge an mit Melamin verseuchter Babynahrung erkrankt, mindestens sechs Babys starben. Die Industriechemikalie Melamin kann die Bildung von Nierensteinen und Nierenversagen verursachen. Sie war in mit Wasser gestreckte Milch gemischt worden, um einen hohen Proteingehalt vorzutäuschen.

Chinesische Gerichte haben bislang mindestens 21 Verantwortlichen den Prozess gemacht, zwei wurden zum Tode verurteilt und im November hingerichtet. Der Skandal war 2008 wegen der Olympischen Spiele monatelang vertuscht worden. Seitdem haben staatliche Medien wiederholt über neue Fälle verseuchter Milch berichtet. In Berichten zu Anfang des Jahres hatte es geheißen, dass trotz der Kontrollen und Rückrufaktionen mit Melamin belastetes Milchpulver möglicherweise wieder den Weg in die Geschäfte gefunden hat.

mik/apn/dpa/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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mitbürger 09.07.2010
1. Erklärungsversuch
Die Katze lässt das Mausen nicht. Es gibt 2 Möglichkeiten. Entweder das Melamin wird aus Profitgründen der Milch beigemischt, oder aus Angst vor Strafen, seinen Plan nicht erfüllt zu haben. Dazu gehört noch eine Prise Korruption, weil ganz sicher jede Charge auf die Chemikalie getestet werden muss, was chemisch-analytisch kein Problem darstellt und in kurzer Zeit durchgeführt wird. Wenn selbst die Todesstrafe diese Manipulation nicht beenden kann, was soll man noch machen?
graf.koks 09.07.2010
2. Glaubwürdigkeit der chinesischen Wirtschaft?
Zitat von sysopEine neuer Lebensmittelskandal erschüttert die Glaubwürdigkeit der chinesischen Wirtschaft und ihrer Kontrolleure. Die Behörden haben tonnenweise mit Melamin verseuchtes Milchpulver gefunden - darunter auch Restbestände, die bereits 2008 hätten vernichtet werden sollen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,705651,00.html
Es wird immer wieder geschehen, nicht nur in China! Profitgeile Verbrecher gibt es überall. Ich erinnere nur an Gammelfleisch oder Mozzarella aus Deutschland. Trotz aller Kontrollmechanismen gibt es leider keine hundertprozentige Sicherheit.
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