"Konstruktive Diskussionen" USA und China beenden Handelsgespräche ohne greifbares Ergebnis

Viel ist von den Handelsgesprächen von China und den USA nicht nach außen gelangt. Peking fand sie "ganz OK", Washington offenbar auch - und könnte schon bald deutsche Autobauer ins Visier nehmen.

Chinas Unterhändler Liu He verlässt die Gespräche mit US-Finanzminister Steven Mnuchin (Mitte) und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lightizer
ERIK S LESSER/EPA-EFE/REX

Chinas Unterhändler Liu He verlässt die Gespräche mit US-Finanzminister Steven Mnuchin (Mitte) und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lightizer


Für die Öffentlichkeit gab es einen demonstrativen Handschlag der Unterhändler und ein paar dürre Sätze - aber keinen Hinweis auf den tatsächlichen Stand der Verhandlungen. Die Unterhändler von China und der US-Regierung haben ihre Gespräche am Freitag nach 90 Minuten ohne greifbares Ergebnis beendet.

Vor den Kameras der wartenden TV-Teams verabschiedete sich Chinas Chefunterhändler Liu He per Handschlag von Robert Lightizer, dem US-Handelsbeauftragten, in dessen Büro die Gespräche stattgefunden hatten. "Es waren konstruktive Diskussionen. Das ist alles, was ich sagen kann", sagte US-Finanzminister Steven Mnuchin, der an der Gesprächsrunde ebenfalls teilgenommen hatte. "Ganz okay" sei die Runde gewesen, zitiert die Nachrichtenagentur "Bloomberg" den Chinesen Liu He.

Damit bleibt weiter unklar, ob - und wie - der Handelskonflikt zwischen den Supermächten USA und China beigelegt werden kann. Der eskalierende Streit der beiden größten Wirtschaftsmächte schürt die Angst vor einem Einbruch der Weltkonjunktur. Die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zollerhöhungen für Produkte aus China traten Freitag in Kraft. Die Führung in Peking kündigte umgehend Gegenmaßnahmen an, ohne Details zu nennen.

Furcht um die Weltwirtschaft

Trump sieht allerdings keinen Grund für rasches Handeln. "Es gibt absolut keinen Grund zur Eile", twitterte er und dämpfte damit Hoffnungen auf eine schnelle Lösung des Streits. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire warnte angesichts der Zuspitzung in dem seit Monaten schwelenden Konflikt: "Es gibt keine größere Gefahr für das Weltwirtschaftswachstum."

Vor Beginn der Verhandlungen hatten die USA die Einfuhrgebühr für bestimmte chinesische Produkte von zehn auf 25 Prozent angehoben. Betroffen sind Waren aus 5700 Kategorien im Volumen von 200 Milliarden Dollar. "Zölle werden unserem Land weit mehr Reichtum bringen als selbst ein phänomenales Geschäft nach der traditionellen Art", betonte Trump. "Wir werden weiter mit China verhandeln in der Hoffnung, dass sie nicht noch einmal versuchen, den Deal erneut anzutasten", twitterte er.

Später bezeichnete Trump die Gespräche zwischen den USA und China auf Twitter als "offen und konstruktiv". Die Beziehung zwischen ihm und Chinas Präsidenten Xi bliebe stark.

Für etwas Luft in den Verhandlungen dürfte die Tatsache sorgen, dass die bereits von China aus gestartete Seefracht von den neuen Zöllen ausgenommen ist - sofern sie vor dem 1. Juni in den USA ankommt. "Dieser Aufschub könnte ein Zeitfenster öffnen, in dem die USA und China weiterverhandeln können", hieß es in einer Analyse der Investmentbank Goldman Sachs. Dass die Gespräche überhaupt weiterliefen, sei ein "positives Zeichen".

Wirtschaftsexperten befürchten durch den Zollstreit einen Rückgang des Welthandels. Auf die Frage nach der gravierendsten Folge der höheren Zölle antworten sie vorwiegend "weniger Handel", wie eine Umfrage des Ifo-Instituts unter 1130 Volkswirten weltweit ergab. "Tatsächlich haben die wechselseitigen Maßnahmen bereits deutliche Spuren hinterlassen, über internationale Wertschöpfungsketten auch in Drittländern", sagte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner.

Erst China - dann Deutschlands Autoindustrie?

Ungemach droht auch weiter der deutschen Autoindustrie. Die könnte sich die US-Regierung nämlich nach China als nächstes vorknöpfen. So zumindest lassen sich Äußerungen von US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross verstehen. Es sei nämlich so, dass nur eine Hälfte des US-Handelsdefizits auf China entfalle, sagte der Trump-Vertraute bei einem Besuch in Luxemburg. Die andere gehe auf Autoeinfuhren zurück.

Um das Handelsdefizit zu verringern, "müssen wir uns mit China als geografischer Einheit und mit der Autoindustrie als einem Produktsektor befassen", sagte Ross. S-Präsident Donald Trump werde am 18. Mai über einen Bericht des Ministeriums entscheiden, in dem die Auto-Einfuhren der USA unter anderem als Gefahr für die nationale Sicherheit bezeichnet worden waren. Unter diesem Vorwand könnte die Regierung einseitig hohe Strafzölle erheben.

Hier finden Sie die Einschätzung eines US-Ökonomen der Lage: "Dieser Streit kann noch viel hässlicher werden"

beb/dpa/Reuters



insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frenchie3 10.05.2019
1. Mehr Reichtum bringen?
Donnie erfindet die Wirtschaft neu
Watschn 10.05.2019
2. Wenn von USA u. China die Tilgungen für Target-Ausstände verlangt wird
...und somit völlig zurecht auf jährliche Glattstellung der illegalen Euro-Schattenkassen (Euro-Targetsystemmissbrauch, mittels Kreditüberziehen...) durch werthaltige Assets wie Goldbestände, Immobilienwerte, Sachwerte wie Aktien, Pfandbriefe...gepocht wird..., - ....dann sieht es für Handelsexportschlaumeier (Target-Gläubigerstaaten) wie Deutschland, Niederlande, Luxemburg, Österreich ziemlich unangenehm bedröppelt aus. Und für die Euro-Armenhäuser (Target-Schuldner) wie Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Griechenland, Zypern & Co.) wäre dies der ausgestellte Totenschein einer wirts. Stagnation. Zudem ist die völlige Target-Rückzahlung von überw. südl. Eurosündern an Teutonien illusorisch; d.h. solche Vorstellungen kann insb. Deutschlands Regierung in die besinnungsrauschende Winde des Nirvanas schreiben...
eule_neu 10.05.2019
3. Der US-Präsident mit Zockerqualität will doch gar kein Ergebnis!
Trump lebt in einer eignen Welt, was andere Menschen schon in geschlossene Kliniken gebracht hat. Wenn man seine verschiedenen Treffen analysiert, merkt man, dass er gar keine Ergebnisse will, um seine Wähler stärker an ihn zu binden, wenn er z. B. Steuermittel zu deren Unterstützung gibt. Trump sieht sich immer noch als erfolgreicher (?) Immobiliendealer und glaubt, dieses Zockergehabe in die Weltpolitik einbringt. So hat er sich nun China auserkoren, um einen Handelskrieg zu führen und den Iran, um diesen in einen politischen Suizid zu treiben. Diplomatie ist für Trump reine Zeitverschwendung, entweder ordnen sich die Verhandlungspartner unter oder er will sie Vasallen unter sich bringen. Die Welt befindet sich in einer Lage, die an das erste Quartal des vorigen Jahrhunderts erinnern, Unbelehrbare richteten unter der Menschheit ungeheure Taten und vernichteten Teile der jahrhundealten Kulturschätze in aller Welt. So etwas darf es nie wieder geben, haben sich die Völker geschworen. Doch viele Putins, Trumps, Maduros und andere haben diesen Schwur gebrochen ... Wollen wir das weiter hin nehmen? Ob Klimawandel oder solche Personen die Menschen töten, die Menschen in aller Welt sollten dagegen angehen. Das ist unsere Pflicht aus den grässlichen Vorkommnissen im letzten Jahrhunderten!
quark2@mailinator.com 10.05.2019
4.
Aus meiner Sicht brauchen wir eine Konferenz der Willigen, von EU und Japan über Südkorea und China bis zu Russland. Gemeinsam sollte beschlossen werden, daß die Welt nicht weiter allein von den USA verwaltet wird. Diese ewige Erpressung über den Dollar und die Flugzeugträger sollte beendet werden, das endlose Teile-und-Herrsche ebenso. Heute drohen die USA China und wir finden es gut, morgend drohen sie Deutschland und Frankreich findet es gut, übermorgen wird Russland bedroht. Es reicht mir. Für jedes Land gibt es einen passenden Vorwurf. Bei Russland ist es die Krim, bei uns sind es die Autos, bei China die Stahlsubventionen. Irgendwas ist immer, nur nicht bei den Ländern, welche die USA brauchen, also bei Saudi-Arabien oder Israel. Da gibt es nie Sanktionen oder sonstwas. Unsere Politiker sollten es sich nicht länger bieten lassen. Und die einzige Möglichkeit, aus der Nummer rauszukommen, besteht darin, daß sich alle anderen endlich zusammenfinden und dem Spuk ein Ende setzen. Alle gemeinsam.
Atheist_Crusader 10.05.2019
5.
Zitat von quark2@mailinator.comAus meiner Sicht brauchen wir eine Konferenz der Willigen, von EU und Japan über Südkorea und China bis zu Russland. Gemeinsam sollte beschlossen werden, daß die Welt nicht weiter allein von den USA verwaltet wird. Diese ewige Erpressung über den Dollar und die Flugzeugträger sollte beendet werden, das endlose Teile-und-Herrsche ebenso. Heute drohen die USA China und wir finden es gut, morgend drohen sie Deutschland und Frankreich findet es gut, übermorgen wird Russland bedroht. Es reicht mir. Für jedes Land gibt es einen passenden Vorwurf. Bei Russland ist es die Krim, bei uns sind es die Autos, bei China die Stahlsubventionen. Irgendwas ist immer, nur nicht bei den Ländern, welche die USA brauchen, also bei Saudi-Arabien oder Israel. Da gibt es nie Sanktionen oder sonstwas. Unsere Politiker sollten es sich nicht länger bieten lassen. Und die einzige Möglichkeit, aus der Nummer rauszukommen, besteht darin, daß sich alle anderen endlich zusammenfinden und dem Spuk ein Ende setzen. Alle gemeinsam.
False equivalence fallacy in action... Deutsche Autos und chinesische Stahlexporte sind nicht im Mindesten mit einer Militäraktion vergleichbar die illegal fremdes Territorium besetzt und annektiert hat. Das eine sind Wirtschaftspraktiken die einem nicht genehm sind, das andere sind militärische Aggressionen gegen ein Land für dessen Sicherheit Russland garantiert hatte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.