Handelskrieg bremst Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr

Nach einem überraschend guten Start in das Jahr 2019 geht es für die chinesische Wirtschaft nun bergab. Außenhandel und Industrieproduktion schwächeln. Peking versucht gegenzusteuern.

Massengutfrachter im Hafen von Qingdao (Archiv)
Jason Lee / REUTERS

Massengutfrachter im Hafen von Qingdao (Archiv)


Das Wachstum in China hat sich unter dem Druck des Handelskrieges mit den USA im zweiten Quartal des Jahres auf 6,2 Prozent verringert. Damit wächst die zweitgrößte Volkswirtschaft so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr. Das Wachstum erreichte seit Jahresanfang insgesamt noch einen Zuwachs von 6,3 Prozent, teilte das nationale Statistikamt mit.

Im ersten Quartal war Chinas Wirtschaft zunächst überraschend robust mit 6,4 Prozent gewachsen. Nun teilte das Statistikamt jedoch mit, dass Chinas Wirtschaft neuen Abwärtsrisiken gegenüberstehe. Große Unsicherheit ginge von externen Faktoren aus.

Der Außenhandel ist seit Jahresanfang um zwei Prozent und im Juni sogar um vier Prozent zurückgegangen. Auch entwickelt sich die Industrieproduktion zwei Monate in Folge schlecht. Als weiteres Zeichen für die Konjunkturschwäche stagnieren die Erzeugerpreise.

Trotz des Rückgangs im zweiten Quartal liegt das Wachstum allerdings weiter im Rahmen der durchaus vorsichtigen Vorgabe der Regierung von 6,0 bis 6,5 Prozent für dieses Jahr. Die Wirtschaftsplaner in Peking versuchen, die Konjunktur durch Steuersenkungen, eine lockere Geldpolitik und andere Maßnahmen anzukurbeln.

Damit tritt allerdings der eigentlich notwendige Kampf gegen die hohe Schuldenlast in China weiter in den Hintergrund. Die Verschuldung ist nach einer Schätzung der Experten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg auf 271 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen - von 164 Prozent vor der globalen Finanzkrise 2008.

Handelskrieg bremst

Derzeit beeinflusst insbesondere der Handelsstreit mit den USA die Wirtschaftsentwicklung. Dieser hält seit einem Jahr an, eine Entspannung ist aktuell nicht in Sicht. US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatten zwar Ende Juni am Rande des Gipfels der großen Industrienationen (G20) in Osaka in Japan einen "Waffenstillstand" und eine Wiederaufnahme der Handelsgespräche vereinbart. Doch fanden beide Seiten noch nicht wieder an den Verhandlungstisch zurück.

Auslöser des Handelskrieges war die Verärgerung Trumps darüber, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Er fordert eine Beseitigung von Marktschranken, kritisiert die Verletzung von Urheberrechten, den zwangsweisen Technologietransfer bei in China tätigen US-Unternehmen und staatliche Subventionen.

Seither hat Trump die Hälfte der Importe aus China mit 25-prozentigen Sonderzöllen belegt. China reagierte mit Gegenzöllen. Für die vereinbarte Wiederaufnahme der Handelsgespräche hatte der US-Präsident in Osaka zugesagt, eine geplante Ausweitung der Sonderabgaben vorerst zu verschieben. Doch steht seine Drohung weiter im Raum. Er stellte 10 bis 25 Prozent Zusatzzölle auf die restlichen China-Einfuhren im Wert von rund 300 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

kko/dpa/Reuters



insgesamt 26 Beiträge
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kopfball123 15.07.2019
1. Bevor jetzt wieder alle daherkommen und sagen...
... "6% Wachstum, davon können wir doch nur träumen!", klar, China ist aber ein Entwicklungsland und die Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt bei nicht mal einem Viertel der EU. Da ist trotz hohem Wachstums noch VIEL zu tun. Außerdem ist es eben schwierig wenn man sich jedes Monat um z.B. 8% des BIP neu verschuldet, aber die Wirtschaft "nur" um 6% wächst, da bekommst du irgendwann Probleme.
mimas101 15.07.2019
2. Hmm Tja
Mittlerweile lassen bereits chinesische Unternehmen z.B. Schuhe in Äthiopien fertigen - für den Heimatmarkt. Weil die Produktion in China ist den Firmen bereits zu teuer. Ein äthiopischer Arbeiter ist schon für einen Monatslohn von 30 US$ zu haben, in China nicht unter dem 15fachen. China verliert somit seine Funktion als billige Werkbank der Welt - und das macht sich auch in den Kennzahlen bemerkbar. Auch wenn Peking gegensteuert, die Abwanderung der Investoren und Firmen wird weitergehen. Dafür werden die Chinesen auf riesigen Schuldenbergen hocken und das sind nicht nur die offiziellen Schulden sondern auch die Kredite auf den grauen Märkten bei denen die eine oder andere Billon an privaten Schulden versteckt ist. China wird also schon bald sehr viel Geld brauchen und wenn das Land nicht die Notenpressen anlaufen läßt wird es die riesigen US$-Bestände zu Geld machen müssen. Entweder in vorgezogenen Fälligkeiten gegenüber den USA (die das dann wie üblich aus den Notenpressen erledigen und den US$ noch weicher werden lassen) oder dem Valkutaverkauf auf den Handelsmärkten was für die USA auch nicht bekömmlich sein wird. Ob dann noch ein Tweet von D.T helfen wird wage ich ebenfalls zu bezweifeln.
mweldag 15.07.2019
3. Ist China stark genug?
Genau um solche Probleme zu bekämpfen sind die Chinesen seit langem in allen Kontinenten der Welt unterwegs. Urbares land in Zentralafrika pachten, Infrastrukturprojekte + Häfen etc etc. Irgendwann werden sie den Amis das Wasser komplett abgraben. Trump kann so of mit dem Säbel rasseln wie er lustig ist, diesen Krieg wird er nicht gewinnen.
s.l.bln 15.07.2019
4. Oh...
...nur 6,5% Wachstum. Das ist ja quasi nichts. Trump läßt sich grade für das von Obama geerbte Wachstum von etwa 3% feiern. Ich verstehe auch die Bewertung des Autoren nicht ganz: die 6,4 % Wachstum des ersten Quartals bezeichnet er als robust, während die 6,3% des zweiten Quartals nach Rezession zu riechen scheinen. Ich vermute, die Chinesen werden das Ganze auszusitzen versuchen, in der Hoffnung, daß die Karten nach 2020 neu gemischt werden
fritz_64 15.07.2019
5.
Ich dachte die Welt ist bei China verschuldet. Allein die USA mit mehr als 2 Billionen $$...da war doch so eine Nachricht in der letzten Woche. Immerwährendes Wachstum funktioniert wohl nur mit immer mehr Krediten, die am Ende nimmermehr bedient werden können und einmal mehr ist das System an die Grenze des Machbaren gestoßen...aber Mangels Alternativen...the game must go on.
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