Crash-Gefahr Die Welt schuldet China sechs Billionen Dollar

Viele Staaten steuern auf eine gefährliche Abhängigkeit von China zu. Laut einer Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, schuldet der Rest der Welt der Volksrepublik weit mehr Geld als bisher bekannt. Oft tritt Peking sehr abgebrüht auf.

Xi Jinping, Präsident von China, verfolgt eine eigenwillige Art von Entwicklungshilfe
DPA

Xi Jinping, Präsident von China, verfolgt eine eigenwillige Art von Entwicklungshilfe


Viele Länder sind weit höher bei China verschuldet als bislang bekannt. Das ist nach SPIEGEL-Informationen das Ergebnis einer Studie der Harvard-Professorin Carmen Reinhart sowie der Ökonomen Christoph Trebesch und Sebastian Horn am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Demnach liegen die Auslandsforderungen der Volksrepublik um rund 50 Prozent über jenen Werten, die offizielle Statistiken ausweisen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Heft 27/2019
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In der Studie ist von "versteckten Krediten" die Rede, die das Risiko erhöhten, dass Staaten der Dritten Welt in Zahlungsschwierigkeiten geraten und eine neue Finanzkrise auslösen könnten. Die Verschuldung vieler Länder sei inzwischen ähnlich hoch wie in den Achtzigerjahren, heißt es in der Studie. Die Situation weise "verblüffende Ähnlichkeiten" auf. Insgesamt sei der Rest der Welt bei China mit sechs Billionen Dollar verschuldet.

Die Kreditvergabe Chinas unterliegt der Studie zufolge zahlreichen Besonderheiten. Während westliche Regierungen ihre Dritte-Welt-Kredite meist mit langen Laufzeiten und zu niedrigen Zinssätzen vergeben, bestehe die Volksrepublik in der Regel auf kurzen Fristen und hohen Risikozuschlägen.

Um sich vor Zahlungsausfällen zu schützen, räumten die entsprechenden Verträge dem chinesischen Staat umfassende Rechte ein, zum Beispiel den Zugriff auf Nahrungsmittel, Rohstoffe oder die Gewinne von Staatsfirmen der Empfängerländer. Dadurch habe China eine neue Form von Entwicklungshilfe geschaffen, bei der "staatliche Geldgeber Kredite zu kommerziellen Konditionen vergeben", heißt es in der Studie.

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msa



insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
Benjowi 28.06.2019
1.
Niemand zwingt die Nehmerländer, sich zu den Konditionen, die ihnen nicht genehm sind zu verschulden. Wieso soll jetzt der Kreditgeber verantwortlich sein. Es ist halt nicht jedermann so dämlich wie Deutschland, unbegrenzt ungesicherte Kredite auszureichen, wie das z.B. im ungünstigen Fall bei den Target2 Salden der Fall ist.
rjb26 28.06.2019
2. das nennt man Kapitalismus
und die Chinesen haben da schnell gelernt. nächste Runde ist Wiereinführung des Goldstandards und wenn dann der USD abschmiert ist Zahltag. Insofern dringend dass DE die Goldreserven aus den USA heimholt
rosenrot367 28.06.2019
3. Logisch
"Die Kreditvergabe Chinas unterliegt der Studie zufolge zahlreichen Besonderheiten. Während westliche Regierungen ihre Dritte-Welt-Kredite meist mit langen Laufzeiten und zu niedrigen Zinssätzen vergeben, bestehe die Volksrepublik in der Regel auf kurzen Fristen und hohen Risikozuschlägen. Um sich vor Zahlungsausfällen zu schützen, räumten die entsprechenden Verträge dem chinesischen Staat umfassende Rechte ein, zum Beispiel den Zugriff auf Nahrungsmittel, Rohstoffe oder die Gewinne von Staatsfirmen der Empfängerländer. Dadurch habe China eine neue Form von Entwicklungshilfe geschaffen, bei der "staatliche Geldgeber Kredite zu kommerziellen Konditionen vergeben", heißt es in der Studie". Persönlich finde ich das okay - die Kreditnehmer wissen, was ihnen blüht, wenn sie die Kredite nicht zurückzahhlen. Die westlichen Regierungen gehen davon aus, dass sie ihr Geld nie wieder sehen - ob dieses Modell besser als das chinesische ist, wage ich zu bezweifeln.
aschu0959 28.06.2019
4. Sehr richtig!
und jeder Cent für China ist Geld für die Partei, und damit gegen Presse und individuelle Freiheit, Rechtstaatlichkeit, Menschenrechte, Aber welcher Politiker u/o Aufsichtsrat/Manager will das schon hören, geschweige denn handeln.
nobody_incognito 28.06.2019
5.
Ein merwürdiger Artikel. Die Kreditvergabe unterliegt auch dem freien Wettbewerb, d.h. wenn andere Länder es weniger riskant finden würden, bzw. entsprechende "Sicherheiten" akzeptieren würden, könnten diese Länder ihre Kredite dann auch zu günstigeren Konditionen bekommen - wären ja sonst blöd. Oder ist man schon so weit mit der Korruption respektive Landesverrat, dass man ungünstigere Konditionen akzeptiert, wenn es dafür einen Obolus auf das Privatkonto gibt? Ansonsten liegt der generelle Haken bei dem Wort "Dollar". Und wie viele davon gedruckt respektive zu Kreditzwecken "geschöpft" werden, liegt nicht in der Macht der chinesischen FED.
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