Vorsichtige Öffnung China will Währungskontrollen lockern

Seit Jahren werfen die Amerikaner China vor, seine Währung künstlich billig zu halten. Nun reagiert die Führung in Peking und will den Wechselkurs des Yuan lockern. Doch die Ankündigung ist nur scheinbar ein Entgegenkommen: In Wahrheit könnte China damit mittelfristig den Dollar angreifen.
Bankangestellte in China: Der Kurs des Yuan zum Dollar ist um 30 Prozent gestiegen

Bankangestellte in China: Der Kurs des Yuan zum Dollar ist um 30 Prozent gestiegen

Foto: JIANAN YU/ REUTERS

Peking - Schon die Sprache machte klar, an wen die Botschaft gehen soll: Anders als sonst üblich veröffentlichte die chinesische Zentralbank ihre Ankündigung nicht nur in Chinesisch, sondern auch in Englisch. Schließlich sollte die US-Regierung in Washington mitbekommen, was hier gerade passiert.

Auf den ersten Blick klingt die Mitteilung sehr technisch: Ab diesem Montag will China den Kurs seiner Währung Yuan in einer Spanne von einem Prozent um den Wechselkurs schwanken lassen, den sie selbst täglich für das Verhältnis des Yuan zum amerikanischen Dollar vorgibt. Bisher lag die Spanne bei 0,5 Prozent. Doch dahinter steckt deutlich mehr.

Der Wechselkurs des Yuan zum Dollar ist Dauerstreitthema zwischen den USA und China. Die USA werfen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt vor, ihre Währung künstlich niedrig zu halten, um sich im weltweiten Handel Vorteile zu verschaffen. Denn je niedriger der Yuan bewertet ist, desto billiger sind chinesische Waren im Ausland.

Die USA haben deshalb bereits mit Strafzöllen für chinesische Produkte gedroht. Auch viele Europäer sehen den niedrigen Wechselkurs des Yuan kritisch. Er hat China in den vergangenen Jahren dabei geholfen, gewaltige Handelsbilanzüberschüsse aufzubauen, also immer deutlich mehr Waren zu exportieren als zu importieren.

China braucht die Flexibilisierung, um den Dollar anzugreifen

Doch zuletzt hat sich vieles geändert. Seit dem Jahr 2005 lässt China den Yuan kontrolliert teurer werden. Die Landeswährung hat seitdem im Vergleich zum Dollar um gut 30 Prozent an Wert gewonnen. Zuletzt hatte die chinesische Zentralbank die Aufwertung allerdings gestoppt und verkündet, der aktuelle Wechselkurs zum Dollar liege "sehr nah am Gleichgewicht".

Als Indiz dafür führte sie an, dass China im Februar erstmals seit langem mehr Waren importierte als exportierte. Im März kehrte sich dieses Verhältnis zwar schon wieder um. Die chinesischen Handelsbilanzüberschüsse sind aber insgesamt in den vergangenen Monaten deutlich geschrumpft.

Mit der Lockerung des Wechselkurses gibt China deshalb nur vordergründig den Drohungen aus den USA nach. Tatsächlich strebt das Land eine generelle Öffnung seiner Finanzmärkte an, um die Rolle des Yuan in der Welt zu stärken und dem Dollar als Leitwährung Konkurrenz zu machen.

So hat die Führung in Peking bereits angekündigt, künftig einen größeren Teil des chinesischen Außenhandels in Yuan abzuwickeln - aktuell sind es Schätzungen zufolge nur etwa zehn Prozent. Zudem strebt China langfristig an, seine Aktien -, Anleihen- und Immobilienmärkte für Ausländer zu öffnen. Bei all diesen Vorhaben dürfte ein flexiblerer Wechselkurs hilfreich sein.

stk/Reuters/AP