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06. Januar 2017, 07:51 Uhr

Globale Energiewende

China macht das große, grüne Geschäft

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China will zur weltweiten Führungsmacht für grüne Energie aufsteigen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen haben chinesische Konzerne dafür 2016 mehr als 32 Milliarden Dollar im Ausland investiert.

Chinesische Konzerne haben im vergangenen Jahr weltweit mindestens 32,1 Milliarden Dollar in Unternehmen und Projekte aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor investiert. Das geht aus der Studie "Chinas Global's Renewable Expansion" des US-Think-Tanks IEEFA hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Für die Studie trägt die auf Energie spezialisierte IEEFA alle chinesischen Auslandsinvestitionen in die grüne Wirtschaft mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar zusammen.

Seit Jahren kaufen sich chinesische Industriekonzerne in High-Tech-Firmen aller möglichen Branchen ein. Nun fokussieren sich die Asiaten stark auf die regenerativen Energien: Laut IEEFA tätigten chinesische Konzerne 2016 elf Milliardenbeteiligungen in Europa, Südamerika, Afrika sowie anderen asiatischen Ländern. 2015 zählte die IEEFA noch acht solcher Milliardendeals mit einem Gesamtvolumen von 20 Milliarden Dollar. Schon damit hängten die Asiaten alle anderen Länder ab.

"China macht sich bereit, die alleinige Führungsrolle bei sauberer Energie zu übernehmen" sagt Tim Buckley, Leiter der IEEFA-Studie. "China versteht, dass erneuerbare Energien eine riesige Geschäftschance bieten." Im eigenen Land investieren die Konzerne pro Jahr als 100 Milliarden Dollar in regenerative Technologien. Bis 2020 will Peking umgerechnet 343 Milliarden Euro für den Umbau seiner Stromversorgung ausgeben.

Besonders interessiert sind die Chinesen seit jeher an Öko-Tech aus Deutschland. 2016 machten sie zwei große Deals: Im Februar schluckte die Holding Beijing Enterprises für den Preis von 1,438 Milliarden Euro das niedersächsische Unternehmen EEW, das Abfall in Strom, Fernwärme und Prozessdampf umwandelt und die Überbleibsel umweltschonend beseitigt. Im Juni übernahm der Wasserkraftkonzern China Three Gorges für 1,6 Milliarden Dollar die Mehrheit an der Bremerhavener WindMW GmbH. Diese betreibt Meerwind, einen der größten deutschen Offshore-Windparks.

Hinter den Zukäufen steckt ein politischer Masterplan. Dass Hunderte Millionen Chinesen unter extremer Luftverschmutzung leiden, ist für die Regierung in Peking nur einer von mehreren Gründen, den Ausbau emissionsarmer Technologien zu forcieren. Vor allem erhofft sie sich das ganz große Geschäft mit der globalen Energiewende.

"China etabliert die Umweltindustrie als Schlüsselbranche des Wirtschaftswachstums", sagt Jost Wübbeke, Abteilungsleiter Wirtschaft und Technologie am Berliner Mercator Institut für China-Studien (MERICS). Von weltweit 8,1 Millionen Arbeitsplätzen im Bereich erneuerbare Energien entfielen laut der Internationalen Energieagentur schon jetzt 3,5 Millionen auf China.

Dank generöser Subventionen des Staates sind chinesische Firmen bereits Weltmarktführer in der Herstellung von Solarmodulen und Windanlagen. Als nächstes sollen sie den Markt für Elektroautos erobern. So gibt es die Zentralregierung in ihrem Wirtschafts-Masterplan "Made in China 2025" vor.

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