Globale Energiewende China macht das große, grüne Geschäft

China will zur weltweiten Führungsmacht für grüne Energie aufsteigen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen haben chinesische Konzerne dafür 2016 mehr als 32 Milliarden Dollar im Ausland investiert.

Solarkraftwerk in China
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Solarkraftwerk in China

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Chinesische Konzerne haben im vergangenen Jahr weltweit mindestens 32,1 Milliarden Dollar in Unternehmen und Projekte aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor investiert. Das geht aus der Studie "Chinas Global's Renewable Expansion" des US-Think-Tanks IEEFA hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Für die Studie trägt die auf Energie spezialisierte IEEFA alle chinesischen Auslandsinvestitionen in die grüne Wirtschaft mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar zusammen.

Seit Jahren kaufen sich chinesische Industriekonzerne in High-Tech-Firmen aller möglichen Branchen ein. Nun fokussieren sich die Asiaten stark auf die regenerativen Energien: Laut IEEFA tätigten chinesische Konzerne 2016 elf Milliardenbeteiligungen in Europa, Südamerika, Afrika sowie anderen asiatischen Ländern. 2015 zählte die IEEFA noch acht solcher Milliardendeals mit einem Gesamtvolumen von 20 Milliarden Dollar. Schon damit hängten die Asiaten alle anderen Länder ab.

"China macht sich bereit, die alleinige Führungsrolle bei sauberer Energie zu übernehmen" sagt Tim Buckley, Leiter der IEEFA-Studie. "China versteht, dass erneuerbare Energien eine riesige Geschäftschance bieten." Im eigenen Land investieren die Konzerne pro Jahr als 100 Milliarden Dollar in regenerative Technologien. Bis 2020 will Peking umgerechnet 343 Milliarden Euro für den Umbau seiner Stromversorgung ausgeben.

Besonders interessiert sind die Chinesen seit jeher an Öko-Tech aus Deutschland. 2016 machten sie zwei große Deals: Im Februar schluckte die Holding Beijing Enterprises für den Preis von 1,438 Milliarden Euro das niedersächsische Unternehmen EEW, das Abfall in Strom, Fernwärme und Prozessdampf umwandelt und die Überbleibsel umweltschonend beseitigt. Im Juni übernahm der Wasserkraftkonzern China Three Gorges für 1,6 Milliarden Dollar die Mehrheit an der Bremerhavener WindMW GmbH. Diese betreibt Meerwind, einen der größten deutschen Offshore-Windparks.

Hinter den Zukäufen steckt ein politischer Masterplan. Dass Hunderte Millionen Chinesen unter extremer Luftverschmutzung leiden, ist für die Regierung in Peking nur einer von mehreren Gründen, den Ausbau emissionsarmer Technologien zu forcieren. Vor allem erhofft sie sich das ganz große Geschäft mit der globalen Energiewende.

"China etabliert die Umweltindustrie als Schlüsselbranche des Wirtschaftswachstums", sagt Jost Wübbeke, Abteilungsleiter Wirtschaft und Technologie am Berliner Mercator Institut für China-Studien (MERICS). Von weltweit 8,1 Millionen Arbeitsplätzen im Bereich erneuerbare Energien entfielen laut der Internationalen Energieagentur schon jetzt 3,5 Millionen auf China.

Dank generöser Subventionen des Staates sind chinesische Firmen bereits Weltmarktführer in der Herstellung von Solarmodulen und Windanlagen. Als nächstes sollen sie den Markt für Elektroautos erobern. So gibt es die Zentralregierung in ihrem Wirtschafts-Masterplan "Made in China 2025" vor.



insgesamt 122 Beiträge
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paulpuma 06.01.2017
1. Einmal war Deutschland Nr. 1 in der grünen Industrie
Die Winterschlaf-Atmosphäre der ersten 10 Merkel-Jahre wären als verlorene Jahre in die deutsche Geschichte eingegangen. Dort schlief auch der Enthusiasmus für grüne Industrie ein. Dann hat Merekl es geschafft, das vergessen zu machen. Mit ihrer verantwortungslosen Politik der offenen Grenze hat sie unser Land einen enormen Schaden zugefügt, der die ersten 10 Jahre vergessen läßt.
Thomas Schröter 06.01.2017
2. Wenn man Washington das denken überläßt
"Hinter den Zukäufen steckt ein politischer Masterplan" ...machen die Chinesen auf grüne Revolution und erfolgreich auf Kapitalismus während A.M's Freunde Nahost, Maghreb, die Ostukraine und einiges mehr mit steuer- bzw. kreditfinanzierten Edelmetallschrot in nahezu naturidentische Wüsten verwandeln um mit den Vertriebenen die demographische Lücke in Deutschland zu schliessen.
espet3 06.01.2017
3.
Es bewahrheitet sich mal wieder " Ex oriente lux" und nicht "Ex septentrione lux". Dies hat vor Jahren bereits ein Bonner Institut festgestellt und chinesische Solarzellen-Produkte als die preislich und technisch bedeutendsten bewertete. Nur eine große Volksgemeinschaft mit straffer Organisation kann solche Vorhaben auch verwirklichen. "Die schaffen das", Frau Merkel.
jkl21 06.01.2017
4. Kopieren geht über studieren
Wieder einmal verschläft Deutschland, Europa und Amerika den einzig sinnvollen Trend hin zu sauberer Energietechnik. Das Know How landet wieder einmal bei den Chinesen. Ja es muß erst einmal investiert werden und ja es ist wahrscheinlich alles noch nicht effizient genug und kostet uns alle Geld, aber dann kann man irgendwann die Früchte des Erfolges ernten. Dies ist nicht nur für die Umwelt gut und wichtig, sondern auch für den Weltfrieden. Wenn den arabischen Spinnern als Einnahmequelle nur noch der Tourismus bleibt, anstatt des Öls, werden Sie vielleicht irgendwann mal zur Vernunft kommen. Schade, dass auch die Grünen immer noch so an Ihrer wirtschaftsfeindlichen Politik festhalten und sich im Kleinkrieg verfangen. Sie und wir als Land könnten doch schon viel weiter sein.
tib-tib 06.01.2017
5. Solarindustrie in Deutschland gezielt zerstört
Ab 2011/2012 wurde die Solarindustrie in Deutschkland gezielt zerstört. Durch Änderungen am EEG mit diesem Ziel brach der Markt in Deutschland von 7 GW auf ca. 3,5 GW ein. In den Folge jahren ging es weiter nach unten. Einen politisch gewollten Markteinbruch von 50% überlebt kaum eine Branche. Dies ist die Kern-Ursache für die Insolvenz weiter Teile der Branche, deren Insolvente Perlen dann von koreanischen und chinesischen Konzernen aufgekauft wurden. Auch in den Folgejahren wurde das EEG fortlaufend mit dem Ziel verschärft, die Photovoltaik weiter zu reduzieren. Das geht inzwischen so weit, dass Photovoltaik Strom in den Segmenten, in denen er heute wirtschaftlich wäre (Eigenverbrach im Gewerbe) durch das EEG nicht nur nicht gefördert wird (was uns Politiker immer noch gerne erzählen) vielmehr wird er durch eine Umlage gezielt unwirtschaftlich gemacht, um eine massive Verbreitung im Gewerbe-Bereich zu verhindern oder zu Verzögern. Warum? Die NRW Kommunen sind dringend auf die Dividenden von RWE angewiesen und ohne Frau Krafts Gnade wird niemand SPD Vorsitzender und dann Wirtschaftsminister, der über das EEG entscheidet. So werden in Deutschland Zukunftstechniologien auf dem Altar der kruzfristigen Interesasen geopfert.
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