Ungleichheit IWF-Chefin Lagarde fordert gerechtere Verteilung von Einkommen

Die Reichen werden reicher - und die Armen fühlen sich abgehängt. IWF-Chefin Christine Lagarde ruft Regierungen und Wirtschaft weltweit zum Kampf gegen Ungleichheit auf.
IWF-Chefin Lagarde

IWF-Chefin Lagarde

Foto: Cliff Owen/ AP

Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert eine gerechtere Wohlstandsverteilung in der Welt. "Der IWF hält eine gleichmäßigere Einkommensverteilung nicht nur für gute Sozialpolitik, sondern auch für gute Wirtschaftspolitik", schreibt IWF-Chefin Christine Lagarde in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" .

Die Logik hinter dieser Aussage ist etwas kompliziert: In den vergangenen 20 Jahren habe die Ungleichheit bei den Einkommen weltweit enorm zugenommen, stellt Lagarde fest. Während die Einkommen der obersten zehn Prozent in diesem Zeitraum um 40 Prozent gestiegen seien, war das bei den unteren Schichten kaum der Fall.

Daher würden zunehmend mehr Menschen in vielen Ländern ihre Hoffnung auf Protektionismus setzen. Eine Abkehr vom Freihandel aber würde den Wohlstand erst recht gefährden und zuallererst die unteren Schichten treffen, so Lagarde. Zudem sieht sie eine erhöhte Notwendigkeit, die Ungleichheit aktiv zu bekämpfen, durch "technologischen Fortschritt und unbarmherzige Märkte".

De IWF-Chefin forderte die Regierungen zu konkreten Schritten auf - die Bundesregierung erwähnt sie explizit, weil Deutschland derzeit den G20-Vorsitz innehat.

Erstens "können sie ihre direkte Unterstützung für geringer qualifizierte Arbeiter erhöhen, besonders in Regionen, die am stärksten von Automatisierung und Produktionsverlagerung betroffen sind". Das könne unter anderem durch höhere öffentliche Investitionen im Gesundheits- und Bildungsbereich geschehen.

Zweitens sollten die Länder ihre sozialen Sicherheitsnetze stärken. Steuerreformen und rechtlich bindende Mindestlöhne könnten dabei hilfreich wirken.

Drittens sollten sich Regierungen verpflichten, für mehr Fairness in der Wirtschaft zu sorgen. Hierzu könne die Schließung von Steuerschlupflöchern beitragen.

Diese Schritte werden allerdings nicht ausreichen, so Lagarde. Es müssten weitere Maßnahmen gefunden werden, und das sei explizit auch Aufgabe der Wirtschaft, nicht nur der Politik.

Im vergangenen Jahr hatte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, mit einem ähnlichen Befund für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch Fratzscher wirbt für höhere Investitionen in Bildung und Steuerreformen.

fdi/Reuters
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