Club of Rome Forscher fordern Belohnung für kinderlose Frauen

Seit Jahrzehnten warnt der Club of Rome vor ungebremstem Wachstum. Ein neuer Bericht versammelt nun Forderungen zum politischen Umsteuern. Eine davon: Kinderlose Frauen sollen mit 50 eine Prämie von 80.000 Dollar erhalten.
Frau mit Kinderwagen in Dresden (Archivbild)

Frau mit Kinderwagen in Dresden (Archivbild)

Foto: Arno Burgi/ picture alliance / dpa

Wachstum hat Grenzen: Mit dieser Botschaft sorgte der sogenannte Club of Rome bereits vor mehr als vier Jahrzehnten für Aufsehen. Nun haben zwei Wissenschaftler einen neuen Bericht an den Club vorgelegt, der einen radikalen Umbau der Volkswirtschaften vorsieht.

Die Studie, die der norwegische Zukunftsforscher Jørgen Randers und der britische Ökonom Graeme Maxton in Berlin vorstellten, trägt den Titel: "Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen". Zu den Vorschlägen gehören:

- Eine Prämie für Kinderlose und Familien mit nur einem Kind. Das Autorenduo erklärt, die Verdoppelung der Weltbevölkerung in den vergangenen 50 Jahren sei die Hauptursache für die fortschreitende Zerstörung unseres Planeten. Da es schwierig sei, den ökologischen Fußabdruck des Einzelnen zu verkleinern, wäre es "hilfreich, wenn die Gesellschaft die Wachstumsrate der Bevölkerung noch mehr drosseln, idealerweise sogar ins Negative kehren würde". Man sollte Frauen, die maximal ein Kind großgezogen haben, "zu ihrem 50. Geburtstag einen Bonus von 80 000 Dollar zahlen".

- Damit die Renten trotzdem gesichert sind, schlagen die Forscher eine Anhebung des Renteneintrittsalters vor, etwa auf 70 Jahre. Gleichzeitig plädieren sie für eine Verkürzung der Jahresarbeitszeit. "Anstatt dass 90 Prozent der Erwerbsfähigen in Vollzeit arbeiten und pro Jahr im Schnitt 30.000 Dollar verdienen, besteht unser Ziel darin, dass 100 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung einen Arbeitsplatz haben." Der Durchschnittsverdienst würde dann bei 27.000 US-Dollar liegen. Wer trotzdem arbeitslos ist, sollte ein höheres Arbeitslosengeld erhalten, das allerdings unter dem Durchschnittslohn liegt. Gleichzeitig sollte aus unbezahlter Arbeit bezahlte Arbeit werden - zum Beispiel durch die Entlohnung von Menschen, die Angehörige pflegen.

- Um mehr Anreiz für den Klimaschutz zu schaffen, fordern Randers und Maxton eine CO2-Steuer, deren Einnahmen direkt an die Bürger verteilt werden. Parallel zu einem Anstieg der Steuern auf Emissionen und Rohstoffverbrauch sollten die Steuern auf Einkommen gesenkt werden. Wer für die Herstellung seiner Produkte übermäßig viele Ressourcen verbraucht und Menschen krank macht, soll dafür zur Kasse gebeten werden. Es sei unfair, dass die Folgen von Fettleibigkeit, Depressionen und verkürzter Lebenszeit von der Gesellschaft und nicht von den Herstellern von Lebensmitteln mit zu viel Zucker, Fett und Salz getragen würden.

- Außerdem sollen Reiche und Unternehmen mehr Steuern zahlen. Das Argument, höhere Unternehmensteuern vernichteten Arbeitsplätze und ließen das Bruttoinlandsprodukt schrumpfen, lassen die Autoren nicht gelten. Sie sagen, das sei eine von Unternehmen und Banken kolportierte Fehleinschätzung. Schrittweise soll eine Erbschaftsteuer von 100 Prozent eingeführt werden.

- Die Abwanderung von Arbeitsplätzen aus reichen Ländern ließe sich nach Einschätzung der Forscher durch eine Beschränkung des Außenhandels wirksam bekämpfen. Randers und Maxton sagen: "Wenn die Arbeitslosigkeit zum Hauptproblem wird, kann ein liberalisierter Handel die Situation sogar noch verschlimmern, weil er den Unternehmen die Verlagerung von Jobs ins Ausland erleichtert."

Die Autoren sprechen von "13 leicht realisierbaren Maßnahmen". Sie wissen aber, dass ihre Vorschläge auf teilweise heftige Kritik treffen dürften. So bezeichnen sie ihren Vorschlag für eine "Förderung kleinerer Familien" selbst als "besonders unkonventionelle - und möglicherweise strittige - Maßnahme". Trotzdem erklären sie: "Wir hoffen, dass die Gesellschaft den Wandel begrüßt, statt in Angst vor Veränderung zu verharren."

Maxton ist Generalsekretär des Club of Rome, der sich für eine nachhaltige Entwicklung und den Schutz des Planeten einsetzt. Randers war Vizegeneraldirektor der Naturschutzorganisation WWF International und einer der Autoren des Bestsellers "Die Grenzen des Wachstums" von 1972, der zu den bekanntesten Warnungen vor der Endlichkeit von Ressourcen gehört. Die Szenarien erwiesen sich teilweise als zu pessimistisch, was aber auch an einem in der Folge verbesserten ökologischen Bewusstsein gelegen haben dürfte.

dab/dpa