IAB-Prognose Arbeitslosigkeit könnte im Extremfall über drei Millionen steigen

Die Folgen der Coronakrise für den Arbeitsmarkt könnten glimpflich ausfallen, schätzt das Forschungsinstitut der Arbeitsagentur. Wenn die Lage jedoch längere Zeit angespannt bleibt, dürfte es ernst werden.
Bauarbeiter in Stuttgart: Forscher rechnen mit weiter robustem Arbeitsmarkt

Bauarbeiter in Stuttgart: Forscher rechnen mit weiter robustem Arbeitsmarkt

Foto: Max Kovalenko / Lichtgut / IMAGO

Die Coronakrise wird einen massiven Wirtschaftseinbruch auslösen - aber der deutsche Arbeitsmarkt könnte relativ glimpflich davonkommen. Das geht aus der aktuellen Prognose  des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Die IAB-Forscher rechnen für das Jahr 2020 mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 2,36 Millionen Menschen. Das wären lediglich 90.000 mehr als im Schnitt des Jahres 2019. Die Zahl der Erwerbstätigen würde der Prognose zufolge mit 45,26 Millionen Menschen stabil bleiben.

Die IAB-Forscher betonen jedoch, dass in der aktuellen Situation künftige Entwicklungen nur sehr schwer einzuschätzen sind - und sie stark davon abhängen, wie lange und wie stark die Wirtschaftstätigkeit durch die Einschränkung des öffentlichen Lebens, Grenzkontrollen, unterbrochene Lieferketten und mehr eingeschränkt wird.

Das optimistische Szenario

Für ihre aktuelle Prognose gehen die Forscher davon aus, dass das öffentliche Leben für sechs Wochen massiv eingeschränkt wird und dadurch Wirtschaftszweige wie die Gastronomie, Messen, der Non-Food-Handel, die Freizeitwirtschaft und großteils auch der Verkehr fast vollständig zum Erliegen kommen - und dass es anschließend weitere sechs Wochen braucht, bis sich diese Zweige wieder vollständig normalisieren.

Dann würde die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal - also von April bis Juni - um mehr als sechs Prozent schrumpfen, in den Folgequartalen aber wieder deutlich wachsen. Für das gesamte Jahr 2020 gehen die Forscher von einem Rückgang von zwei Prozent aus.

Die Arbeitslosigkeit würde laut Prognose bis Juli von aktuell 2,28 Millionen Menschen auf 2,47 Millionen Menschen zunehmen, bis zum Jahresende aber wieder auf 2,3 Millionen Menschen zurückgehen. Die Entwicklung bei den Erwerbstätigen verläuft in der IAB-Prognose ähnlich: von 45,36 Millionen im März sinkt sie bis Juli auf 45,1 Millionen, um bis Dezember wieder auf 45,35 Millionen zu steigen.

Dass die Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit so gering eingeschätzt werden, liegt auch an dem Instrument der Kurzarbeit. Diese könnte ersten Schätzungen zufolge so stark in Anspruch genommen werden wie noch nie - mit in der Spitze etwa zwei Millionen Menschen. Für das Gesamtjahr rechnen die IAB-Forscher mit durchschnittlich 635.000 Kurzarbeitern.

Das verschärfte Szenario

Deutlich größer wären die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt jedoch, wenn man nicht von sechs Wochen massiv eingeschränkter Wirtschaftstätigkeit ausgeht, sondern von zehn Wochen. Anschließend würde es bis Jahresende dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert. Dann rechnen die IAB-Forscher mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent im Gesamtjahr 2020.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit würde sich in diesem verschärften Szenario laut IAB vorübergehend etwa verdoppeln, ebenso wie der Rückgang der Erwerbslosigkeit. "Im ungünstigsten Falle könnte die Marke von drei Millionen Arbeitslosen im Laufe des Jahres wieder überschritten werden", schreiben die Forscher.

fdi
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