Bericht zu Coronafolgen Arbeitslosigkeit wird als Grund für Überschuldung wieder wichtiger

Durch Jobverlust in der Coronakrise drohen schon bald mehr Menschen in die Überschuldung zu rutschen. Das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen rechnet mit einer Verzögerung von zwei Jahren.
Straßenszene in Stuttgart (Symbolbild): Arbeitslosigkeit gewinnt als Grund für Überschuldung an Bedeutung

Straßenszene in Stuttgart (Symbolbild): Arbeitslosigkeit gewinnt als Grund für Überschuldung an Bedeutung

Foto: Arnulf Hettrich / Fnoxx / imago images/Arnulf Hettrich

Nach Inflation und Kurzarbeit könnte die Privatverschuldung zu einem weiteren großen Problem im Zuge der Pandemie werden. Das geht aus dem aktuellen Überschuldungsreport  hervor, den das gemeinnützige Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg zusammen mit »Deutschland im Plus«, einer Stiftung für private Überschuldungsprävention veröffentlicht hat.

»Wie bei der Finanzkrise 2007/2008 ist auch bei der globalen Gesundheitskrise damit zu rechnen, dass sich die Auswirkungen auf die Überschuldungsstatistik mit einer Verzögerung von rund zwei Jahren zeigen werden«, sagt Sally Peters, Geschäftsführerin des iff. Die Menschen schöpften erst alle anderen Optionen aus, ehe sie zur Schuldnerberatung gehen. 6,85 Millionen Menschen in Deutschland gelten, wie es in dem Bericht heißt, als überschuldet. Das sind im Vergleich zu 2019 etwas weniger (6,92 Millionen), doch die Folgen der Krise sind auch erst mit Verzögerungen spürbar.

Einkommensarmut treibt mehr in die Überschuldung

Im Zuge der Coronakrise gewinnen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit als Gründe für Überschuldung an Bedeutung. Gingen laut iff 2019 nur 19 Prozent der Fälle auf sie zurück, waren es 2020 bereits 22,7 Prozent. Es sei deshalb zu befürchten, dass sich »die Folgen der Coronapandemie in den kommenden Jahren in steigenden Überschuldungszahlen und einer steigenden Überschuldungstiefe niederschlagen werden«, sagte Peters. Hinzu kommt: Immer mehr Menschen rutschen wegen Einkommensarmut in die Überschuldung, inzwischen trifft dies laut iff auf 11,36 Prozent der Menschen zu. 2011 habe der Anteil noch bei 3,61 Prozent gelegen.

Ein weiterer häufiger Grund für Privatüberschuldung sind Scheidungen. Sie waren laut iff 2020 verantwortlich für 9,74 Prozent der Fälle nach 9,62 Prozent 2019. Auf Krankheit gingen zuletzt 11,22 Prozent der privaten Überschuldungsfälle zurück (2019: 10,89 Prozent). Zu den weiteren Ursachen zählen demnach Sucht, Haushaltsgründung beziehungsweise die Geburt eines Kindes, schlechte Kreditberatung oder gescheiterte Selbstständigkeit.

Privatleute gelten dann als überschuldet, sobald sie ihren finanziellen Verpflichtungen längerfristig nicht mehr nachkommen können und sich dies absehbar auch nicht ändert. Die meisten Betroffen haben Schulden von weniger als 10.000 Euro.

apr
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