Corona-Folgen Die Europäer sparen so viel wie nie

Um 400 Milliarden Euro sind die Sparsummen der Europäer in den ersten neun Monaten des Jahres gewachsen. Ein großer Teil davon kommt aus Deutschland.
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Die Coronakrise lässt die Sparkonten der Deutschen auf Rekordniveau anschwellen: Allein im dritten Quartal stiegen die bei deutschen Banken geparkten Einlagen netto um rund 29 Milliarden Euro, zeigt eine Analyse des Hamburger Fintech-Unternehmens Deposit Solutions. Sie basiert auf Daten der Europäischen Zentralbank (EZB), des Statistischen Bundesamts, Eurostat sowie Barkow Consulting.  

Europaweit legten die Sparer demnach im dritten Jahresviertel mit netto 82 Milliarden Euro so viel wie noch nie auf die Seite; der deutsche Anteil fiel mit 36 Prozent am größten aus. Die zweitgrößten Sparer in der Eurozone sind Franzosen und Italiener. Die drei Länder sind die bevölkerungsreichsten im Währungsraum, gleichwohl wächst ihr Einlagenvolumen überproportional. Deutschland, Frankreich und Italien repräsentieren 65 Prozent des Einlagenmarkts der Eurozone und zeichnen für 83 Prozent der diesjährigen Nettoeinzahlungen verantwortlich. 

Insgesamt zahlten die Europäer seit Jahresbeginn 400 Milliarden Euro mehr auf ihre Bankkonten ein als sie abhoben – das ist jetzt schon mehr als im Gesamtjahr 2019 mit damals 396 Milliarden Euro. Auch gemessen am Gesamtvolumen der Spareinlagen liegen die Deutschen an der Spitze: 31 Prozent aller Einlagen bei Eurozonen-Banken entfallen auf deutsche Institute. Da die Europäer ihr Geld in der Regel bei heimischen Banken parken, sind die Daten und die Nationalität der Sparer praktisch identisch. 

Pandemiebedingte Sparwut

Die Rekordzahlen senden zwiespältige Signale: Einerseits sind die Europäer, trotz aller nationalen Verhaltensunterschiede beim Sparen, besser gewappnet für finanzielle Engpässe. Andererseits gründet die Sparwut, nicht überraschend, im pandemiebedingten, teilweisen Shutdown der Wirtschaft, insbesondere des Einzelhandels, der Gastronomie und der Tourismusbranche.  

Problematisch auch: Banken der Eurozone müssen ihre überschüssige Liquidität bei der EZB parken und dafür sogenannte Strafzinsen zahlen; derzeit 0,5 Prozent der hinterlegten Summe. Die EZB erhebt die Zinsen, um die Banken zur Kreditvergabe zu animieren und so die Wirtschaft im Euroraum anzukurbeln.  

Und: Auf den Sparkonten gibt es wegen der ultraniedrigen Zinsen kaum noch Rendite. Dennoch trauen sich insbesondere die Deutschen weniger als andere, in vermeintlich riskante Anlagen zu investieren, etwa in Aktien. Dass so wenige Sparer in Europa grenzüberschreitend anlegen, hält Tim Sievers, Chef von Deposit Solutions, mit Blick auf die Banken für problematisch. »Sie können damit nicht von der höheren Nachfrage nach Spareinlagenprodukten in anderen Ländern profitieren.« Die europäischen Banken sollten im Einlagengeschäft enger kooperieren.

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