Kassiererin, Krankenpfleger, Müllwerker So viel verdienen die Corona-Helden des Alltags

Sie sind die Helden der Coronakrise: Kassiererinnen, Pflegekräfte, Müllwerker. Nun werden die Dienstleister des Alltags teils beklatscht - aber sonst schlecht bezahlt. Ein Gehaltscheck.
Kasse in Hamburger Drogeriemarkt: Neu entdeckte Wertschätzung

Kasse in Hamburger Drogeriemarkt: Neu entdeckte Wertschätzung

Foto: Christian Charisius/ DPA

So viel Wertschätzung erfuhren sie wohl noch nie: die Pflegerinnen in den Krankenhäusern, die Paketboten und Müllwerker, die Kassiererinnen und Regal-Einräumer. Jetzt, da in der Coronakrise deutlich wird, wie wenig selbstverständlich das Selbstverständliche ist. Auch wenn es zahlreiche Berichte über pöbelnde Hamsterkäufer gibt - an vielen Supermärkten hängen Dankesplakate, und deutlich häufiger besinnen sich Kunden an der Kasse auf grundlegende Anstandsformen wie ein Lächeln und ein "Danke". Und um 21 Uhr wird für sie alle an den Fenstern geklatscht.

Auch die Spitzenpolitik schenkt den ansonsten so Unauffälligen Aufmerksamkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte den Supermarkt-Mitarbeitern in ihrer Fernsehansprache vergangene Woche ausdrücklich dafür, dass sie "den Laden am Laufen halten". Ihr Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kürte sie im Interview mit den Zeitungen der Funke-Gruppe zu "Heldinnen und Helden des Alltags". Finanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte an, eventuelle Sonderprämien für den Einsatz in der Coronakrise von der Steuer zu befreien - und erhält dafür die Unterstützung aus der Unionsfraktion.

Rewe hat bereits Prämien für die Mitarbeiter angekündigt, 20 Millionen Euro sollen es insgesamt sein - angesichts des boomenden Geschäfts einer der wenigen Gewinnerbranchen des Coronaschocks kann sich die Einzelhandelskette das auch gut leisten. Auch Aldi Süd ließ verlauten, über Sonderzahlungen nachzudenken.

Leistungsträger an der Kasse

Noch erfreuter wären die so rasant zu "Heldinnen und Helden des Alltags" geadelten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aber, wenn sie auch auf Dauer besser bezahlt würden. So fordert es nun Arbeitsminister Heil: "Die haben nicht nur warme Worte, sondern langfristig auch bessere Löhne verdient", sagte er den Funke-Zeitungen, denn "Leistungsträger sind nicht nur Krawattenträger, sondern auch diejenigen, die jetzt im Supermarkt an der Kasse sitzen, die in Krankenhäusern Zusatzschichten schieben oder weiterhin unseren Müll entsorgen". Die würden nämlich mitunter sehr niedrig bezahlt - allerdings könne man höhere Löhne nicht staatlich verordnen.

Doch ist das Bild der schlecht bezahlten Dienstleister des Alltags eigentlich korrekt? Wie viel verdienen Paketboten und Müllwerker, Kassiererinnen und Regal-Einräumer - und nicht zuletzt die Pflegekräfte in Krankenhäusern, Altenheimen und in der ambulanten Pflege?

Daten des Statistischen Bundesamts geben Aufschluss über die durchschnittlichen Brutto-Monatsgehälter von Vollzeit-Angestellten dieser Berufsgruppen im vergangenen Jahr. Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind bereits eingerechnet. Angegeben sind die Gehälter unterschiedlicher Qualifikationen: Fachkräfte - also jene mit formaler Berufsausbildung, Angelernte - also jene ohne Ausbildung, aber Berufserfahrung sowie Ungelernte - also jene ohne Ausbildung und einfachen Tätigkeiten. Zum Vergleich sind auch die durchschnittlichen Bruttoverdienste aller Arbeitnehmer in Deutschland angegeben.

Die Daten machen klar: Tatsächlich liegen die Löhne aller genannten Berufsgruppen unter dem deutschen Durchschnitt - mit einer Ausnahme: In Krankenhäusern verdienen Arbeitnehmer etwas besser. Besonders schlecht bezahlt werden die Angestellten im Einzelhandel: Hier verdient man selbst mit abgeschlossener Berufsausbildung mit 2841 Euro rund 750 Euro weniger als den deutschen Durchschnitt - liegt also rund 20 Prozent unter dem Normalniveau. Bei An- und Ungelernten ist die Differenz etwas geringer, aber immer noch immens.

Dabei dürfte die Bezahlung im Einzelhandel effektiv sogar noch schlechter sein, als es die Zahlen nahelegen. Denn in diese flossen ausschließlich die Löhne von Vollzeit-Arbeitnehmern ein, die grundsätzlich häufiger höhere Stundenlöhne haben als Teilzeitbeschäftigte. In Supermärkten ist jedoch der Teilzeit-Anteil relativ hoch.

Etwas besser verdienen angestellte Paketboten. Allerdings könnte die Statistik auch hier täuschen, denn in dieser Branche ist der Anteil von Solo-Selbständigen relativ hoch. Arbeitnehmer in der Müllentsorgung sind im Vergleich zum deutschen Durchschnitt nur schlechter bezahlt, wenn sie eine Berufsausbildung haben - An- und Ungelernte verdienen sogar überdurchschnittlich.

Ungleichheit unter Pflegekräften

Im Gesundheitswesen - zu dem außer Krankenhäusern noch Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen gehören - liegen die Gehälter je nach Qualifikation leicht unter beziehungsweise über dem deutschen Durchschnitt. Betrachtet man nur die Krankenhäuser, verdient man dort durchweg leicht überdurchschnittlich.

Gerade der Pflegebereich ist allerdings einen näheren Blick wert. Denn dort wird höchst unterschiedlich verdient - und die Krankenhäuser sind leider die positive Ausnahme. Das zeigt eine Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über die Verdienste im Jahr 2017.

Allerdings sind die Daten kaum mit denen des Statistischen Bundesamts vergleichbar - denn das IAB stellt nicht die durchschnittlichen Gehälter dar, sondern die Mediangehälter. Ein Mediangehalt ist das Gehalt des Arbeitnehmers genau in der Mitte: 50 Prozent aller anderen Arbeitnehmer verdienen mehr, 50 Prozent verdienen weniger. Mediangehälter sind meist niedriger als Durchschnittsgehälter, die durch besonders hohe Spitzengehälter verzerrt werden können.

Pflegekräfte sind also häufig, aber nicht generell schlecht bezahlt. In Krankenhäusern ist die Bezahlung zumindest ordentlich, in Pflegeheimen und erst recht in der ambulanten Pflege hingegen meist deutlich unter dem deutschen Mittelwert für entsprechende Qualifikationen.

Diese schlechte Bezahlung ist eine der Ursachen für den ausgeprägten Fachkräftemangel in der Pflege - der für die betroffenen Arbeitnehmer mitunter als das noch größere Problem wahrgenommen wird: Die Arbeitsbelastung in Heimen und ambulanter Pflege ist enorm hoch.

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