Engpässe im Empire Millionen Briten durch Corona in Not

Zwölf Millionen Briten können laut einer Umfrage bald ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen - davon zwei Millionen wegen der Corona-Folgen. Die Aufsichtsbehörde rät Schuldnern dringend zu Gesprächen mit den Gläubigern.
Menschen mit Maske in London: Zwei Millionen durch den Lockdown in Schwierigkeiten geraten

Menschen mit Maske in London: Zwei Millionen durch den Lockdown in Schwierigkeiten geraten

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SIMON DAWSON / REUTERS

Im 19. Jahrhundert legte der Manchester-Kapitalismus mit Armut und Ausbeutung die hässlichen Seiten des britischen Wirtschaftssystems offen. Noch heute zählt das System zu den am stärksten deregulierten Systemen der Welt - und in ihm treten die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ungeschminkt zutage.

Zwölf Millionen Briten, so warnt die Finanzmarktaufsichtsbehörde FCA, werden wahrscheinlich schon bald Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu bezahlen. Auch die Begleichung von Darlehen dürfte vielen schwerfallen, da die Covid-19-Pandemie für wirtschaftliche Verwüstungen sorge, schreibt die Financial Conduct Authority .

Die FCA beruft sich dabei auf eine Untersuchung, in der sie die finanzielle Anfälligkeit der Verbraucher untersucht hat. Die im Juli durchgeführte Umfrage ergab, dass aktuell zwölf Millionen Menschen in Großbritannien finanziell bedroht sind. Ein Sechstel von ihnen - zwei Millionen - seien durch den Lockdown und auch den damit verbundenen Abbau an Arbeitsplätzen in diese Lage geraten.

Konkret werden wohl mindestens 650.000 Menschen zwischen Juli und Dezember 2020 ihre Jobs verlieren, wie die unabhängige Forschungsorganisation Institute for Employment Studies in London  kürzlich mitteilte. Das nahende Ende der Brexit-Übergangsfrist belastet die Wirtschaft des Landes zusätzlich, London will die Austrittsgespräche nun doch fortsetzen.

Einkommen im Schnitt um ein Viertel gesunken

Die FCA-Studie, an der 7000 Menschen teilnahmen, zeigte auch, dass die Einkommen von fast einem Drittel der Erwachsenen im Schnitt um ein Viertel gesunken sind. Die Einkommen von Schwarzen und ethnischen Minderheiten gingen laut Umfrage sogar noch stärker zurück. Sie mussten Einbußen von rund 37 Prozent hinnehmen.

Mehr als ein Drittel der Befragten, die bereits stark finanziell belastet waren und eine Hypothek oder eine Grundschuld abzuzahlen haben, gehen davon aus, mit den Raten in Verzug zu geraten. 42 Prozent der Mieterinnen und Mieter gaben an, sie hätten Angst, die Mietzinsen nicht begleichen zu können. 36 Prozent gaben an, sie könnten womöglich bei der Begleichung ihrer Konsumentenkredite oder Kreditkartenkonten Probleme bekommen.

"Wir möchten die Verbraucher, insbesondere diejenigen, die sich erstmals in finanziellen Schwierigkeiten befinden, daran erinnern, dass Kreditgeber sie unterstützen können", sagte Sheldon Mills, Direktor bei der FCA. Die Aufsichtsbehörde will sich darum kümmern, dass gefährdete Haushalte besonders nach dem 31. Oktober Hilfe erhalten, wenn frühere Hilfspakete wie Darlehensstundungen sowie das Corona-Programm zur Jobsicherung auslaufen. Schuldner sollten sich frühzeitig und kostenlos beraten lassen, wie sie ihre Probleme bewältigen können, riet die FCA.

Die Behörde appellierte auch an Unternehmen, mit den Kunden zusammen nach Lösungen zu suchen, noch ehe Zahlungen versäumt werden. Denkbar seien beispielsweise neue Rückzahlungspläne, Stundungen, eine Reduzierung oder ein Verzicht auf Säumniszinsen. Die Banken müssten jedoch transparent sein, wie solche Aktionen langfristig zu erhöhten Kosten führen könnten und wie sich dies auf das persönliche Kreditprofil auswirken könnte. Dabei müssten die Banken transparent auf möglicherweise höhere Kosten für die Kunden in der Zukunft hinweisen.

apr/Reuters