IAB-Berechnung Kita- und Schulschließungen haben bereits 56 Millionen Arbeitstage gekostet

Millionen Eltern betreuen derzeit ihre Kinder zu Hause, weil Schulen und Kitas weitgehend geschlossen sind. Mit Folgen auch für die Wirtschaft - der Arbeitsausfall erreicht enorme Ausmaße.
Vater und Tochter beim Homeschooling (Symbolbild): Drei Millionen berufstätige Eltern betroffen

Vater und Tochter beim Homeschooling (Symbolbild): Drei Millionen berufstätige Eltern betroffen

Foto: Maya Claussen/ imago images / Westend61

Mitte März schlossen die Kitas und Schulen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie. Zwar läuft der Unterricht für einige Schüler nun schrittweise wieder an, doch der Großteil von ihnen muss weiter zu Hause bleiben - und bei den Kitas gibt es noch keinen Termin für den Beginn einer Wiedereröffnung. Für viele Eltern bedeutet das: Zur Arbeit zu gehen, ist derzeit unmöglich.

Das hat bereits jetzt enorme Auswirkungen auf das Arbeitsvolumen, wie eine aktuelle Berechnung von Forschern  des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. "Der gesamte Arbeitsausfall aufgrund von Kita- und Schulschließungen beläuft sich bei diesen Eltern bis Ende April auf geschätzte 55,8 Millionen Arbeitstage", schreiben Susanne Wanger und Enzo Weber. Der Effekt ist so groß, als hätte jeder und jede Erwerbstätige in Deutschland 1,2 Tage weniger gearbeitet.

Die Ökonomen gingen von den 7,3 Millionen Kindern im Alter bis zu zwölf Jahren in deutschen Schulen und Kitas aus - implizit also davon, dass Kinder ab zwölf Jahren auch ohne Betreuung zu Hause bleiben können und damit kein Hindernis für die Erwerbsarbeit ihrer Eltern darstellen. "Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von rund 1,6 je Familie, einer durchschnittlichen Erwerbstätigenquote  von Alleinerziehenden von 70 Prozent und einem Doppelverdieneranteil von 65 Prozent bei Paarhaushalten betrafen die Schließungen der Kitas und Schulen gut drei Millionen berufstätige Väter oder Mütter", rechnen die IAB-Ökonomen vor.

Etwa ein Viertel dieser Eltern können derzeit im Homeoffice arbeiten, schätzen Wanger und Weber auf Grundlage einer aktuellen Auswertung der Universität Mannheim. Es verbleiben also mehr als 1,7 Millionen erwerbstätige Mütter und Väter, die derzeit nicht arbeiten gehen können. Ein Teil dieser Eltern dürfte zwar derzeit ohnehin in Kurzarbeit sein, geben die Forscher zu bedenken. Allerdings erscheint die Rechnung dennoch in der Größenordnung plausibel, weil andererseits auch das Arbeiten im Homeoffice oft nicht in vollem Umfang möglich ist, wenn nebenbei noch Kinder betreut werden müssen.

Das Ausmaß der schon bis Ende April ausgefallen Arbeitstage macht deutlich, wie stark der Einfluss von geschlossenen Schulen und Kitas auf das Arbeitsvolumen ist. Für die kommenden Wochen und Monate werde daher entscheidend sein, wie sich das Virus weiter ausbreite, wie lange einzelne Beschränkungen noch andauern - und ob eine weitere Infektionswelle eventuell neue oder schärfere Maßnahmen erfordere.

Die Forscher mahnen angesichts der absehbar noch langen Dauer, in denen Schulen und Kitas zumindest noch nicht in vollem Umfang geöffnet werden, "flexiblere, kleinteiligere kreative Lösungen" an - nicht allein, weil der Wirtschaft sonst die Arbeitskraft der Eltern entzogen wird, sondern vor allem im Interesse der Kinder: Kitas und Schulen spielten eine zentrale Rolle bei der Bildung und Entwicklung und dienten auch dazu, bestehende Chancenungleichheiten auszugleichen.

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In Kitas könnten daher "kleinere, möglichst stabile Gruppen, weniger Erziehungspersonal pro Gruppe und eine eingeschränkte, zeitversetzte Betreuung sowie eine stärkere Organisation der Angebote im Freien" Ansatzpunkte für Lösungen sein. Bei solch einer beginnenden Öffnung sollten die Berufe und die familiären Verhältnisse der Eltern berücksichtigt werden. Die IAB-Ökonomen fordern: "Insbesondere sollte für alle, die keine andere Möglichkeit haben, möglichst rasch ein Betreuungsangebot bereitgestellt werden."

fdi
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