Milliardenloch wegen Coronavirus Gesetzlich Versicherten droht Verdoppelung des Zusatzbeitrags

Die Krankenkassen schlagen Alarm: Auch wegen der Coronavirus-Pandemie steigen die Ausgaben, gleichzeitig brechen Einnahmen weg. Den Versicherten droht offenbar eine Verdopplung des Zusatzbeitrags.
Die Krankenkassen fürchten einem Bericht zufolge ein Minus von rund 14 Milliarden Euro

Die Krankenkassen fürchten einem Bericht zufolge ein Minus von rund 14 Milliarden Euro

Foto: A3250 Oliver Berg/ dpa

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland steuern unter anderem wegen der Coronakrise im laufenden Jahr auf ein Defizit von 14,1 bis 14,6 Milliarden Euro zu. Das geht aus einem Bericht des "Tagesspiegel" hervor. Grund sind demnach sinkende Beitragseinnahmen bei zugleich deutlich steigenden Kosten. Vor einer Telefonkonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montagnachmittag forderten die Kassen daher eine deutliche Erhöhung des Bundeszuschusses.

Der "Tagesspiegel" berichtet von internen Schätzungen der Kassen: Sollte der Bund nicht mit einer Finanzspritze einspringen, müsste der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Versicherten von derzeit 1,1 Prozent auf bis zu 2,2 Prozent verdoppelt werden, hieß es. Zur Einordnung: Rein rechnerisch würde das für einen Versicherten mit einem Monatsgehalt von 3000 Euro brutto zusätzliche Ausgaben von mehr als 30 Euro pro Monat bedeuten, pro Jahr mehr als 360 Euro. Den Beitrag des "Tagesspiegel" finden Sie hier .

2019 endete mit Verlust

Für das kommende Jahr seien wegen einer vermutlich höheren Arbeitslosigkeit sowie Nachholeffekten bei Behandlungen in Krankenhäusern weitere Finanzprobleme zu erwarten. Ein Teil des Minus entfällt allerdings dem Bericht zufolge auf die Auswirkungen gesetzlicher Neuregelungen, die nichts mit der Coronavirus-Pandemie zu tun haben. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Kassen erstmals seit 2015 einen Verlust eingefahren.

Die Behandlung von Corona-Infizierten wird dem Bericht zufolge für das laufende Jahr mit 1,3 Milliarden Euro zusätzlich veranschlagt, weitere 3,3 Milliarden Euro entfielen auf höhere Pflegeentgelte, 1,6 Milliarden Euro auf Corona-Tests und bis zu 1,2 Milliarden Euro auf den Verzicht auf die Prüfung von Krankenhausrechnungen.

Hauptgrund für erwartetes Defizit seien Reformen

Dem stünden allerdings Milliardeneinsparungen durch das Herunterfahren des sonstigen Gesundheitsbetriebs gegenüber, hieß es. Hauptursachen für die Finanznöte der Kassen seien daher weniger die direkt mit der Pandemie verknüpften Ausgaben als die Beitragseinbußen wegen der durch sie ausgelösten Wirtschaftskrise und die finanziellen Folgen der bereits zuvor beschlossenen Reformen im Gesundheitsbereich, deren Ausmaß unterschätzt worden sei.

Vor einem Defizit der Kassen von sogar mehr als 20 Milliarden Euro warnte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. "In jedem Pandemie-Monat zahlen die Krankenkassen allein über drei Milliarden Euro Ausfallgeld an die Krankenhäuser", sagte Brysch. Auch wenn das Gesetz zur Entlastung der Krankenhäuser von Ende März dafür 8,5 Milliarden Euro Beitragsgelder bereithalte, sei dieser finanzielle Schutzschirm bereits aufgebraucht.

beb/afp