Fehlende Erntehelfer Bundesregierung erleichtert Saisonarbeit in der Landwirtschaft

Durch die Grenzschließungen in der Coronakrise droht ein Mangel an Spargelstechern und Erntehelfern. Nun hat das Kabinett beschlossen: Saisonarbeiter dürfen länger und flexibler eingesetzt werden.
Spargelstecher im bayerischen Schrobenhausen: 115 statt bislang 75 Tage Saisonarbeit möglich

Spargelstecher im bayerischen Schrobenhausen: 115 statt bislang 75 Tage Saisonarbeit möglich

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CHRISTOF STACHE/ AFP

Der Landwirtschaft könnten aufgrund der Corona-Pandemie die Saisonarbeiter ausgehen. Um dem vorzubeugen, hat das Bundeskabinett an diesem Montag arbeitsrechtliche Erleichterungen für Agrarbetriebe auf den Weg gebracht. "Allein im März werden mindestens 30.000 Saisonarbeitskräfte benötigt, bis Mai steigt der Bedarf auf 85.000", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Doch momentan fehlten besonders polnische und rumänische Erntehelfer. Darum sollten verfügbare Hilfskräfte nun länger arbeiten dürfen.

  • So bleiben Saisonarbeitskräfte bis Ende Oktober bei einer kurzfristigen Beschäftigung insgesamt 115 Arbeitstage lang sozialversicherungsfrei. Bislang lag die Grenze bei 70 Tagen.

  • Außerdem ist in der Coronakrise die Arbeitnehmerüberlassung ohne Erlaubnis möglich.

  • Hinzuverdienstgrenzen für Vorruheständler sowie

  • Anrechnungsfreigrenzen für Bezieher von Kurzarbeitergeld werden deutlich ausgeweitet.

Die Regelungen sollen nicht nur bestehende Saisonarbeiter ermutigen, in Deutschland zu bleiben, sagte Klöckner. Auch potenzielle Hilfskräfte aus anderen Branchen, die dort vorübergehend nur eingeschränkt oder gar nicht arbeiten können, sollen kurzfristig wechseln können. Die neuen Regelungen seien wichtig, "um flexibel auf die Krise und auf mögliche Personalverschiebungen zwischen den Wirtschaftszweigen reagieren zu können", teilte das Landwirtschaftsministerium mit.

Zu diesen Regelungen zählen auch flexiblere Arbeitszeiten. Laut Klöckner reichte das Arbeitszeitgesetz bislang nicht aus, um auf "außergewöhnliche Notfälle" wie die Corona-Pandemie effektiv reagieren zu können. Auch ein Pacht-Kündigungsschutz für Not leidende Landwirte soll die Branche entlasten: "Bauern, die Schwierigkeiten haben, ihre Pacht zu bedienen", darf laut der Ministerin bis Ende Juni nicht einseitig gekündigt werden.

Außerdem schaltete das Agrarministerium gemeinsam mit dem Bundesverband der Maschinenringe eine Online-Jobbörse  für Hilfskräfte in der Landwirtschaft frei. Nach Angaben der Ministerin wurden auf der Plattform innerhalb von zwei Stunden etwa 3000 Inserate veröffentlicht, von Hilfe suchenden Bauern oder von interessierten Helfern.

Eine ähnliche Vermittlungsplattform  bieten die land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Bauernverband (DBV) an. "Aufgrund der aktuellen Krisensituation" müssen Betriebe bis Ende Juni nicht die üblichen Gebühren zahlen, wenn sie dort nach Saisonkräften suchen, teilte der DBV mit.

fdi/AFP