Strenge Auflagen für Saisonarbeiter Erntehelfer dürfen nun doch nach Deutschland kommen

Die Einreise ist nur per Flugzeug und in Gruppen erlaubt: Saisonarbeiter in der Landwirtschaft dürfen nun doch aus Osteuropa nach Deutschland kommen - allerdings weit weniger als sonst und unter Auflagen.
Erntehelfer in Baden-Württemberg (Archivbild): Die Saisonarbeiter müssen mit dem Flugzeug kommen

Erntehelfer in Baden-Württemberg (Archivbild): Die Saisonarbeiter müssen mit dem Flugzeug kommen

Foto: Sebastian Gollnow/ DPA

Um drohende Ernteausfälle zu verhindern, sollen in diesem und im kommenden Monat jeweils 40.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa nach Deutschland einreisen dürfen. Darauf haben sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) verständigt.

Laut einem Konzeptpapier der beiden Ressorts dürfen die Arbeiter ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug einreisen. Vorgesehen ist außerdem eine Gesundheitsprüfung. Liegen Anhaltspunkte für eine Corona-Infektion vor, soll die Einreise verweigert werden. Die neu eingereisten Helfer müssen demnach in den ersten 14 Tagen nach ihrer Ankunft getrennt von anderen Beschäftigten arbeiten und dürfen den Betrieb nicht verlassen.

Klöckner sagte, es sei eine pragmatische Lösung gefunden worden, die dem nötigen Infektionsschutz und der Erntesicherung Rechnung trage. Das Robert Koch-Institut habe für Einsatz und Unterbringung Regeln erarbeitet, die vor Ort kontrolliert werden müssten. Seehofer sagte, es sei wichtig, Voraussetzungen zu schaffen, um auch während der Pandemie Staat und Wirtschaft am Laufen zu halten.

Lücke bleibt

Außerdem wird angestrebt, für April und Mai jeweils rund 10.000 Menschen aus dem Inland für die Landwirtschaft zu gewinnen, etwa Arbeitslose, Studierende, Asylbewerber oder Kurzarbeiter.

Die nun erlaubten Kontingente allein werden nicht ausreichen, um die Lücke im Vergleich zu den Vorjahren ganz zu schließen. Aufs ganze Jahr gerechnet greift die deutsche Landwirtschaft in knapp 300.000 Fällen auf Saisonarbeitskräfte zurück - in mehr als 90 Prozent kommen diese nicht aus Deutschland. Sie stellen rund ein Drittel der Arbeitskräfte in der Branche insgesamt.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg (CDU), begrüßte den Kompromiss. "Die strengen Vorgaben zu Hygiene und Unterbringung sorgen für bestmöglichen Infektionsschutz", sagte er. Middelberg, der zunächst für einen Einsatz von Flüchtlingen in der Landwirtschaft geworben hatte, sagte, eine Einreise einer begrenzten Zahl zusätzlicher Erntehelfer aus Südosteuropa sei unter diesen Umständen vertretbar.

Das Innenministerium hatte weitgehende Einreisebeschränkungen für Saisonarbeiter verhängt, um eine rasche Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland zu verhindern. Davon waren vor allem Erntehelfer aus Rumänien betroffen. Um gegen den Mangel vorzugehen, hat das Kabinett bereits arbeitsrechtliche Erleichterungen für Agrarbetriebe auf den Weg gebracht (mehr dazu lesen Sie hier).

fdi/dpa